Kate Hudson im Interview

"Ich glaube an Geister"

published: 18.08.2005

Kate Hudson spielt die Hauptrolle in "Der verbotene Schlüssel"  (Foto: Public Address) Kate Hudson spielt die Hauptrolle in "Der verbotene Schlüssel" (Foto: Public Address)

Sie ist die Tochter von Goldie Hawn und verheiratet mit Black-Crowes-Sänger Chris Robinson. Aber Kate Hudson hat sich längst selbst einen Namen gemacht. Die jetzt 26-jährige Schauspielerin schaffte mit dem Film „Almost Famous“ ihren Durchbruch. Für ihre Rolle der Penny Lane wurde sie für einen Oscar nominiert und gewann einen Golden Globe.

Hudsons aktueller Film heißt „Der verbotene Schlüssel“. Neben Kate Hudson spielen Gena Rowlands und John Hurt in dem Film von Regisseur Iain Softley. In dem übernatürlichen Thriller geht es um Hoodoo, eine traditionsreiche Zauberkunst aus den Südstaaten. Die Hauptdarstellerin stand Unikosmos Rede und Antwort.

In vielen Zeitschriften bist du als einer der 50 schönsten Menschen der Welt aufgeführt worden. Wie denkst du über solche Ranglisten?
Kate Hudson: “Das ist so dämlich. Was soll das bedeuten? Dass man coole Klamotten trägt? Das ist doch alles oberflächlich. Ich meine, es ist nett und ich habe wohl Glück gehabt, dabei zu sein. Es ist schmeichelhaft und bedeutet wohl, dass ich beliebt bin. Aber ich sehe mich selbst eben überhaupt nicht so. Wenn ich solche Sachen glauben würde, wäre ich ein schrecklicher Mensch. So etwas Absurdes! Mir fallen spontan zehn Menschen ein, die niemand kennt, und die in jeder Hinsicht schöner sind als ich.”

Fühlst du dich als Frau in Hollywood anders behandelt als die Männer?
„Es ist auf jeden Fall anders. Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Kerl. Ich habe nämlich die Mentalität eines Mannes. Ich liebe zwar Klamotten und Mädchen-Kram, aber manchmal würde ich liebend gerne einfach sagen: ’Nein, das mache ich nicht.’ Aber das kann ich nicht, weil ich eine Frau bin. Es wird anders bewertet. Ich würde niemals als respektlos oder undankbar gelten wollen. Und wenn Frauen etwas entschieden ablehnen, wird das immer für unpassend gehalten. Dann ist man eine ‚Diva’. Wenn ein Kerl dagegen dasselbe macht, liebt man es und schwärmt: ‚Wow, er ist so rebellisch und sexy’. Die Dynamik ist ganz anders. Natürlich gibt es auch viel mehr interessante Rollen für Männer. Und Männer bekommen im Durchschnitt viel mehr Geld als Frauen. Da fragt man sich doch manchmal, warum. Ihre Erfahrungen rechtfertigen es nicht unbedingt. Aber dann denkt man: ‚Lass sie es ruhig einsacken. Es sind eben Jungs.’ Man kann nicht alles haben.“

 (Foto: United International Pictures)(Foto: United International Pictures)

Zum ersten Mal hast du einen Psycho-Thriller gedreht. Warum wolltest du in diesem Film mitspielen?
„Als ich das Drehbuch las, hatte ich solchen Spaß! Es war eine tolle Variation dieses Genres – ein spannender Thriller. Der Autor Ehren Kruger hat großartige Arbeit geleistet: Er versteht die Figuren. Die Geschichte hebt ab, breitet sich aus und knallt dir dann auf den Kopf, wenn das Ende kommt. Es ist total unerwartet und man sagt: ‘Oh Shit, das habe ich jetzt gar nicht erwartet!’ Und es ist genau dieses Erlebnis, das eine Kinoerfahrung ausmacht. Das ist der Grund, warum ich ins Kino gehe! Ich wollte bei diesem Film nicht deshalb mitwirken, weil ich noch nie einen Thriller gedreht habe. Ich habe mich vielmehr auf eine Herausforderung gefreut und war mir sicher, dass es interessant würde, Spaß machen und mich zum Nachdenken anregen würde.”

Glaubst du jetzt an Hoodoo?
“Ich habe schon immer daran geglaubt, dass man Geister oder Energie manipulieren kann.”

Gab es einen Medizinmann am Set, der dich beschützt hat?
“Ich war der Medizinmann (lacht)! Aber ja, es gab dort Leute, die alles über Hoodoo wussten, damit aufgewachsen sind und auch danach lebten. Ich habe viele Leute kennen gelernt, die in New Orleans aufgewachsen sind und seit Generationen mit Hoodoo leben. Der Grundgedanke ist eine Manipulation des Glaubens. Aber Hoodoo ist nicht so negativ wie schwarze Magie. Allerdings kann man es zur Erlangung eines negativen Ziels einsetzen. Aber das trifft für jede Religion und jeden Glauben zu.”

Welcher Moment bei den Dreharbeiten war für dich persönlich der schwerste?
“Die schwierigste Herausforderung bestand darin, dass es eine völlig neue Phase in meinem Leben war. Ich hatte gerade Ryder, meinen Sohn, geboren und musste direkt anfangen zu arbeiten. Ich musste viel Gewicht verlieren und das war sehr schwer. Es war schwierig, mich um mich selbst zu kümmern, wo ich mich doch am liebsten nur auf meinen Sohn konzentrieren wollte.”

Welche Schwierigkeiten hat die Rolle für dich als Schauspielerin mit sich gebracht?
“Das waren eher die Kräfte der Natur als die beruflichen Herausforderungen. Es waren die Moskitos. Ich bin ja jemand, der für seinen Beruf alles zu geben bereit ist. Aber wir waren in New Orleans in einer Wahnsinns-Hitze, die die Mosikotos liebten. Wir drehten draußen, wo es Schwärme von ihnen gab. Der Regisseur und die ganze Crew waren von Kopf bis Fuß in Moskitonetze eingehüllt. Sogar der Kameramann, der schon in Afrika gearbeitet hatte, hatte noch nie etwas erlebt, das so schlimm war. Und ich stand da ohne Moskitonetz, ohne jeden Schutz. Ich habe versucht, nichts Süßes zu essen, damit ich nicht bei lebendigem Leib aufgefressen würde. Das war wirklich eine Herausforderung. Ich sollte meinen Text überzeugend sagen, wurde aber gleichzeitig von vier Moskitos gestochen! ‘Gottverdammt’, dachte ich da nur. ‘Da haben mich ja schon wieder hundert Moskitos gebissen!’ Ich konnte ja keinen Moskitoschutz auf meine Haut auftragen, weil ich stillte. Ich habe mir gesagt: ‘Okay, sie werden mich jetzt stechen, aber sie werden sich schon an mich und ich mich schon an sie gewöhnen.’ Das ist leider nie wirklich eingetreten...“

In einer Szene trägt Caroline - die Figur, die du spielst – einen Schlüsselanhänger mit der Aufschrift “Live fast, die young”. Du bist verheiratet und Mutter. Wie stehst du zu diesem Motto?


“Diese Vorstellung gilt teilweise als glamourös. Ich halte sie nur für dumm. Ich bekomme diese Einstellung durch Freunde mit, die in meinem Alter sind. Wir leben wirklich in einem selbstzerstörerischen Zeitalter. Das gilt besonders für junge Leute. Drogen sind riesig beliebt. Sehr viel beliebter noch als zu der Zeit, als ich noch in die Schule ging. Wenn ich das sehe, denke ich, dass wir uns zurückentwickeln. Aber die Menschen betäuben sich eben gerne. Ich war immer jemand, der lieber großartig leben und im hohen Alter sterben will: ‘Live great, die old’. In meinem Leben gibt es außerdem etwas, das wichtiger ist als ich, und das ist mein Baby.”

Bist du abergläubisch?
„Ja schon, irgendwie. Ich gehe nicht gerne unter Leitern hindurch und trage immer Kristalle bei mir, die mich beschützen. Und ich glaube an Geister. Ich glaube nicht, dass Geister schlecht sind.“

Inwiefern glaubst du an Geister?
„Ich glaube an Geister, an das Spirituelle, an vergangene Energie – nicht plakativ an tote Menschen. Ich glaube, dass man diese Energie anzapfen kann. Und ich glaube, dass Dinge existieren, die sich in einer anderen Dimension abspielen. Wenn man seine Gedanken dafür öffnet, wird man erkennen, dass wir ständig davon umgeben sind. Ich glaube, dass es vieles im Universum gibt, wovor wir gerne die Augen verschließen. Aber es geschieht trotzdem, überall und in jedem Augenblick. Und ich glaube, dass es Menschen gibt, die diese Dinge verstehen. Wenn man in einen alternativen Buchladen geht, wird man feststellen, wie viele Leute sich schon mit dem Gedanken an Geister und Energie beschäftigt haben. Und ich glaube nicht, dass das Zufall ist. Ich glaube, das entspringt einer sehr ehrlichen Quelle, die in uns allen ist.“

Ach ja?
„Warum sonst sind die Leute so fasziniert von psychedelischen Erfahrungen? Okay, man könnte sagen, da sind diese Drogen, die die Gedanken befreien und das Bewusstsein verändern. Die docken an Erfahrungen an wie Geborenwerden und Sterben. Gut, ich bin gegen bewusstseinsverändernde Drogen. Ich bin nicht der Meinung, dass man Acid einschmeißen sollte, um den Tod zu erleben. Der kommt schon so (lacht). Aber was ich meine, ist, dass es einen Grund gibt, warum Drogen diese Erfahrungen anzapfen können: Sie sind an einer bestimmten Stelle in unser Hirn eingeschrieben. Darüber werden Studien durchgeführt. Man nennt das ‚Spirit Molecules’, so wie DMT. Wir haben in unserem Körper bereits das Endorphin, das DMT heißt. Das wird nur dann freigesetzt, wenn man geboren wird und wenn man stirbt und manchmal, wenn Frauen auf natürliche Weise gebären. Und niemand weiß, was das ist und woher es kommt. Also muss es von einem anderen Ort kommen. Es gibt viele Bücher darüber. Das ist wirklich faszinierender Kram, das verspreche ich. Es wird euer Bewusstsein für viele neue Dinge öffnen.”

Kate Hudsons Mutter Goldie Hawn (Foto: Public Address)Kate Hudsons Mutter Goldie Hawn (Foto: Public Address)

Wirklich?
“Nimm Meditation: Öffne dich der Vorstellung, dass wir alle durch Schwingungen existieren. Energie ist eine Schwingung. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Wir alle existieren durch Schwingungen. Es gibt alle möglichen Schwingungen, die wir nicht kennen. Und unter dieser Energie sind Geister. So.”

Du scheinst viel über so etwas nachzudenken…
„Ja, das tue ich. Sind wir nicht auf der Welt, um unsere Erfahrungen zu verstehen? Das glaube ich zumindest. Ich denke, wenn man das nicht tut, ist es Verschwendung. Warum liebt man etwas? Warum hasst man etwas? Warum haben wir Angst vor etwas? Über all diese Dinge sollten wir ständig nachdenken und sie in unserem Leben einsetzen. Ich bin total besessen davon. Jaja, ich weiß schon. Bald heißt es in Deutschland: ‘Sie hat den Verstand verloren!’ Aber wenn man ein Kind bekommt, weiß man, dass das Leben das ist, was dem Tod am nächsten kommt. Und wenn man ein Baby gebiert, versteht man Sterblichkeit zum ersten Mal in seinem Leben. Das wirft so viele Fragen darüber auf, was wir alle auf der Erde machen. Das ist eine großartige, wunderbare Sache.“

Welchen Einfluss hat die Mutterschaft auf deinen Beruf als Schauspielerin?
“Ich muss die ganzen Erfahrungen erst mal verdauen. Jede Erfahrung verändert mich als Schauspielerin. Ich bin immer noch in einem Alter, wo ich vieles in schneller Folge erlebe. Ich denke, wenn ich über 40 bin, werden die Rollen interessanter werden. Weil man dann schon länger gelebt hat, nehmen die Menschen einen ernster. Ich bin jetzt noch gar nicht richtig erwachsen. Ich bin eine Mutter und eine Ehefrau, aber ich bin auch noch ein Kind. Und ich liebe das und gehe darin auf. Sicherlich wird die Geburt meines Sohnes mich und meine Schauspielerei noch sehr beeinflussen. Ich werde furchtlos werden. Und alles, was ich tue, muss etwas Besonderes werden – weil es mich aus meiner Familie herausreißt. Dann sollte es das schon wert sein.”

Was hast du aus der Zusammenarbeit mit Gena Rowlands gelernt?
„Ihr Film ‚Eine Frau unter Einfluss’ hat mich damals sehr inspiriert. Sie hat diese verblüffende Fähigkeit, in fiktive Figuren schlüpfen zu können. Ihr bei diesem Prozess zusehen zu dürfen, war großartig. Und dann habe ich festgestellt, dass sie außerdem noch großherzig und wunderschön ist. Sie war für mich da und hat mich als Schauspielerin respektiert. Das war eine unglaublich lehrreiche Erfahrung für mich.“

Du stammst ja aus einer Hollywood-Familie. Hast du nicht schon als Kind viele berühmte Schauspieler kennen gelernt?
„Ja, ich habe viele berühmte und inspirierende Leute getroffen, als ich noch ein Kind war. Aber meine Eltern wollten, dass wir aus dieser Welt weitestgehend herausgehalten wurden. Wir lebten in Colorado. Der einzige, den ich als Schauspieler wegen seiner phänomenalen Werke verehre, ist Warren Beatty. Er war oft da, war viele Jahre lang ein guter Freund meiner Mutter. Aber er ist der einzige, den ich privat kannte und gleichzeitig beruflich bewundere.“

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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