Reinhold Beckmann im Interview

Von Elton John geküsst

published: 21.09.2001

Reinhold Beckmann im Interview  (Foto: Public Address) Reinhold Beckmann im Interview (Foto: Public Address)

Seit 1999 talkt Reinhold Beckmann Montag abends nach den Tagesthemen in der ARD. Dabei muss sich der gelernte Sportjournalist immer wieder gegen seinen Dauer-Rivalen J.B. Kerner behaupten. Es gibt wenig, das der Medienprofi noch nicht gehört, und noch weniger, das er noch nicht gefragt hätte. Doch manchmal wird auch ein Beckmann nervös – wenn er nämlich die skandalumwitterten Helden seiner Jugend trifft.

Was waren neben der Albumveröffentlichung von Elton John die Gründe für Sie, ihn in Ihre Sendung einzuladen?
Reinhold Beckmann: „Mich interessiert die Albumveröffentlichung weniger, auch wenn wir ein bisschen über das Album geredet haben. Für mich ist er in den 70-er Jahren eine musikalische Leitfigur gewesen. Die ersten Platten von ihm habe ich alle. Elton John war richtig prägend, als er noch, mit wilden Klamotten und Kostümen ausgestattet, wie ein Derwisch über die Bühne sprang.“

Elton John - Live (Foto: Public Address)Elton John - Live (Foto: Public Address)


Wie haben Sie sich auf das Treffen vorbereitet?
„Es ist ja nun so, dass Elton John nicht nur ein bewegtes musikalisches Leben, sondern auch ein bewegtes gesellschaftliches Leben hatte, mit einigen großen Lebensbrüchen und Krisen. Es war mein Ziel, ihn im Gespräch dahin zu bringen, dass er in großer Offenheit darüber redet - was er dann auch getan hat: über seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit, seine Bulimie und auch andere Dingen bis hin zu seinem Kaufrausch, der ihn heute ab und zu packt. Das waren Dinge, die mich eher interessiert haben als detailliert über seine Kompositionen zu reden. Obwohl wir das zum Teil auch gemacht haben, weil er der Meinung ist, dass er seit 1976 kein vernünftiges Album mehr gemacht hat.“

Hat er gesagt?
„Ja.“

Wie haben Sie es denn geschafft, ihn dazu zu bringen?
„Er kam nachmittags an und es hieß vom Management: ‚Oh, Elton ist ganz schlecht drauf. Elton hat wieder seine little moments. Man kann über das nicht reden und über jenes nicht reden und überhaupt: ganz vorsichtig sein.’ Und wie so oft ist es vorher ein Getue und dann sieht es in der Situation ganz anders aus. Wir haben das Interview komplett auf Englisch geführt, mit einem Simultanübersetzer, was ihm sicherlich geholfen hat. Bevor es mit der Sendung losging, habe ich mit ihm erst mal zwei Minuten lang über Fußball geredet. Seine Augen leuchteten, als wir über den FC Oxford geredet haben, über seinen Verein. Dann wurde es Stück für Stück leichter, weil er Vertrauen gefasst hat, ein Stück entspannter wurde und mit großer Offenheit über all die Bruchstellen seines Lebens geredet hat.“

Stimmt es, dass Sie einander beim Abschied in den Arm genommen haben?
„Oh, er hat mich lange geküsst. Er hat mich eingeladen, nach London zu kommen und mit ihm zum FC Oxford zu gehen und zusammen Fußball zu gucken. Ich muss bald zu Sir Elton nach Hause. Meine letzte Frage war über seine finanziellen Schwierigkeiten. Da sagte er: ‚Darling, mach dir keine Sorgen.’ Ich sagte: ‚Wirklich nicht?’ Und er: ‚Nein, Darling, weißt du was, ich lade dich jetzt zum Essen ein - lass uns gehen.’ Das war der Schluss der Sendung. Er ist, wenn er Vertrauen gefasst hat, tatsächlich ohne Zicken. Er ist dann sehr angenehm, ein richtiger Kumpel.“

Gab es Momente während des Gesprächs, in denen Sie überrascht oder geschockt waren? Haben Sie beispielsweise geschluckt, als er über seine Bulimie geredet hat?

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