TV-Tipp

„Henning Mankell - Mittsommermord“

published: 22.12.2005

Henning Mankell (Foto: Public Address) Henning Mankell (Foto: Public Address)

In seinen Büchern hat Erfolgsautor Henning Mankell den Kommissar Kurt Wallander längst in Rente geschickt. Im letzten Roman der achtteiligen Buch-Serie, “Vor dem Frost“, tritt Tochter Linda in Wallanders Fußstapfen. Trotzdem gehört der schrullige Ermittler zu den beliebtesten der fiktiven Zunft, was sicher auch an Rolf Lassgard liegt, dem Schauspieler, der Wallander auf der Leinwand Leben einhaucht. Seit nunmehr fünf Jahren spielt der populäre Schwede jährlich in einer Folge den couragierten Polizisten, der stets mit Mördern, seiner Gesundheit und seinem Privatleben kämpft.

So auch in der neusten Episode „Mittsommermord“, die das ZDF wie alle Episoden seit „Die Hunde von Riga“, der ersten Folge 2001, zum Jahresbeginn ausstrahlt. Dieses Mal untersucht Kurt Wallander zunächst einen Mord an drei Jungendlichen, die im Wald Mittsommer feierten und auf grausame Art und Weise ermordet wurden. Die Leichen wurden vom Täter nicht einfach am Tatort zurückgelassen, sondern gemäldeähnlich drapiert. Das Fruchtbarste, was der Kommissar in seinem Leben gesehen hat, denkt er.

Wallander (Rolf Lassgard) bei der Trauerfeier für seinen Kollegen  (Foto:  ZDF/Nille Leander)Wallander (Rolf Lassgard) bei der Trauerfeier für seinen Kollegen (Foto: ZDF/Nille Leander)

Kurz darauf macht er eine noch schlimmere Enddeckung: Er findet seinen Kollegen Svedberg (Christer Fant) in dessen Wohnung tot auf, erschossen von einem Unbekannten. Ganz offensichtlich haben die Morde einen Zusammenhang. Doch obwohl er seit über 20 Jahren Seite an Seite mit Svedberg gearbeitet hat, muss Wallander feststellen, dass er nur sehr wenig über seinen Kollegen weiß. Der Kommissar merkt schnell: Will er den Fall lösen, muss er sein persönliches Verhältnis zu Svedberg rückwirkend klären.

Damit steht einmal mehr das komplizierte Privatleben des Polizisten im Mittelpunkt des Films. Denn das ist alles andere als perfekt, wie die Zuschauer aus den ersten fünf Krimi-Verfilmungen wissen. Er landet schon mal mit einer Frau im Bett, die sich später als Prostituierte entpuppt, und bringt damit seine eh schon arg strapazierte Beziehung an den Rande des Zusammenbruchs. Angeknackst ist auch das Verhältnis zu seiner Tochter. Und gesundheitlich ist der Kommissar eh nie auf der Höhe: Diesmal ignoriert er die Vorzeichen einer herannahenden Diabetes, eine Folge seines ungesunden Lebens.

Doch vielleicht machen ihn gerade diese menschlichen Schwächen bei Zuschauer wie Lesern so beliebt, weil sie ihn von den perfekten Spürnasen seiner Zunft unterscheiden. Mankell selbst glaubt, dass die Beliebtheit seiner Romanfigur durch seine Wandelbarkeit und seine Widersprüchlichkeit zustande kommt. Der schwedische Autor, der in Mosambik ein Theater leitet, vermutet, dass sich die Leser mit Wallander besser identifizieren können als mit dem genialen Geist eines Sherlock Holmes.

Das eigentliche Motiv für die Entwicklung der Romanfigur sei aber Rassismus gewesen, erklärte Mankell in einem Vortrag, den er in Schweden hielt. Als er nach einem längeren Aufenthalt in Afrika 1989 nach Schweden zurückgekehrt sei, habe er dort mit Schrecken die Zunahme der Fremdenfeindlichkeit wahrgenommen. Da Rassismus für ihn ein Verbrechen sei, habe er sich entschlossen, eine Kriminalintrige zu schreiben. Daraus sei die Figur des Kommissar Wallander entstanden.

„Mittsommermord“ läuft am Sonntag, den 8. Januar 2006, um 22.00 Uhr im ZDF.

[Jörg Römer]

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