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Kino-Tipp

"Couchgeflüster"

published: 03.01.2006

Kinoplakat zu "Couchgeflüster"  (Foto: Tobis) Kinoplakat zu "Couchgeflüster" (Foto: Tobis)

Eine dominante Mutter und fürsorgliche Psychologin, dazu eine New Yorkerin mit Torschlusspanik und ein gutaussehender junger Mann, der gerade erst richtig erwachsen geworden ist: All diese Charaktere findet man in "Couchgeflüster", dem neusten Werk von Regisseur Ben Younger. Untertitel des Films: Die erste therapeutische Liebeskomödie.

Rafi (Uma Thurman) und David (Bryan Greenberg) kommen sich trotz des Altersunterschieds näher (Foto: Tobis)Rafi (Uma Thurman) und David (Bryan Greenberg) kommen sich trotz des Altersunterschieds näher (Foto: Tobis)

Die Hauptdarstellerin Rafi (gespielt von Uma Thurman) ist 37, bildhübsch, hat einen gutbezahlten Job- und ist gerade frisch geschieden. Da sie ihre biologische Uhr ticken hört und glaubt, vor einer Lebenskrise zu stehen, geht sie wie jeder Zweite in New York regelmäßig zu einer Psychologin „auf die Couch“ und quatscht sich aus. Die jüdisch-gläubige Dr. Lisa Metzger (Meryl Streep) hat immer ein Ohr für ihre Patientin und rät ihr, sich zu amüsieren und nach netten Männern Ausschau zu halten. Das macht Rafi und verguckt sich auch auf der Stelle.

David (Bryan Greenberg) ist ein Traumtyp: sportlich, gutaussehend, humorvoll. Rafi ist hin und weg, wäre da nicht dieses klitzekleine Problem... , denn David ist erst 23 und wohnt noch bei seinen Großeltern. Eigentlich viel zu jung für sie, klagt Rafi Lisa ihr Leid, die ihr draufhin empfiehlt, es erstmal einfach zu genießen. Doch der gute Rat ist teuer: Bald merkt Lisa in den Gesprächen, dass Rafis David kein Geringerer ist als ihr eigener Sohn! Lisa, vollkommen außer sich, befindet sich in einem Zwiespalt: Therapie abbrechen oder beichten, was sie weiß? Sie entscheidet sich aus Plichtbewusstsein und Ratlosigkeit weiter für die Therapie und muss sich anhören, wie Rafi ungehemmt Details aus dem Liebesleben mit ihrem jungen Lover preisgibt. Nun steht die Psychologin selbst am Rande eines Nervenzusamenbruches: Ihr "Kind" in den Fingern einer viel älteren, dazu noch nicht-jüdischen Frau! Das muss verhindert werden...

Lisa (Meryl Streep) steht Rafi (v.l.) jede Woche mit Rat und Tat zur Seite (Foto: Tobis)Lisa (Meryl Streep) steht Rafi (v.l.) jede Woche mit Rat und Tat zur Seite (Foto: Tobis)

Ab auf die Couch: 105 Minuten geballte Therapie aus Hollywood. Da könnte man zunächst denken, es handele sich um einen seichten Schinken. Doch der Film entpuppt sich als tiefgründiger. Schon bald stellt sich dem Zuschauer die zentrale Frage: Reicht Liebe alleine aus, um auf Dauer eine gute Beziehung zu führen? Oder benötigt man doch noch mehr? Soll man etwas wagen, von dem man eigentlich weiß, dass es nicht gutgehen kann? Lebt man für den Moment oder schaut man in die Zukunft? Fragen, die sich sicher jeder Mensch im Laufe des Lebens und Liebens schon gestellt hat.

Ben Younger schickt in seinem Film die Hauptcharaktere in eine Achterbahn der Gefühle, der Vernunft und der Leidenschaft. Man fiebert mit Rafi und David, wenn die beiden immer wieder Versuche starten, die riesigen Unterschiede zwischen einander zu überbrücken und miteinander glücklich zu sein.

Noch komplizierter wird es, als Davids Mutter Lisa mit ins Spiel kommt, die zwischen ihrer Patientin und der eigenen Familie steht. Mit viel Herz, Gefühl und köstlichem Humor ist in „Couchgeflüster“ das Thema „überwindet Liebe wirklich alle Hindernisse?“ verpackt. Während der Zuschauer an einigen Stellen schallend lacht oder dezent kichert, weil Lisa bei Rafis Schilderungen vom „kleinen David“ immer blasser wird, regen andere Stellen zum Nachdenken über die eigenen Wünsche und Prioritäten an. Dass der Unterschied zwischen den beiden Verliebten nicht nur im Alter und Lebensstil, sondern auch in ihrer Religion besteht, macht das Ganze noch interessanter.

Eine schöne Komödie mit grandiosen Schauspielern: eine bezaubernde, herzerfrischende Uma Thurman, der Newcomer Bryan Greenberg als verliebtes Muttersöhnchen und eine geniale Meryl Streep als Psychologin, die ihre Ruhe verliert und zur Furie wird, wenn es um ihren Sohn geht.

[Laura Zangl]

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