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Ben Becker im Interview

"Ohne Voyeurismus"

published: 18.01.2006

Ben Becker (Foto: Public Address) Ben Becker (Foto: Public Address)

Wie ist es, als Jude mittleren Alters heute in Deutschland zu leben? Mit dieser Frage befasst sich der neue Film von Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“). Jetzt läuft „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ nach dem gleichnamigen Buch von Charles Lewinsky mit Ben Becker in der Hauptrolle in den Kinos.

Der Schauspieler, der eine jüdische Mutter hat, wurde während der Arbeit an dem Film auch mit seiner eigenen Identität konfrontiert. Ungewöhnlich viel Konzentration forderten die Dreharbeiten auch deswegen, weil es sich quasi um ein Ein-Personen-Stück handelt. Die von Becker gespielte Figur Emanuel Goldfarb wird vom Lehrer Herrn Gebhardt eingeladen, sich einer Schulklasse den Fragen über sein Leben als Jude in Deutschland zu stellen. Goldfarbs Absage wird zu einer Lebensbilanz - mit überraschendem Ausgang.

Haben Sie sich schon vor dem Film „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ mit dem Leben von Juden in Deutschland auseinandergesetzt?
Ben Becker: „Ich lebe in Berlin Mitte und da ist das durchaus Bestandteil des Lebens. Aber ich habe mich erst wirklich damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, ein 40-jähriger Jude in Deutschland zu sein, als der Film auf mich zukam. Es war sehr spannend. Meine Mutter ist auch jüdisch, ich bin aber nicht so erzogen. Ich musste mich nun zwangsläufig damit beschäftigen, was es bedeutet, Jude zu sein, und warum etwa meine Mutter plötzlich auf eine Schule in Dänemark gehen musste. Das Judentum ist ein weites Feld und unheimlich spannend. Ich bin dem Judentum näher gekommen und verstehe es etwas besser. Ich habe mich sozusagen durch den Film auch mit einem Teil meiner eigenen Geschichte konkreter befasst.“

Regisseur Oliver Hirschbiegel (Foto: Public Address)Regisseur Oliver Hirschbiegel (Foto: Public Address)

Wie war die Beschäftigung mit diesem Thema für Sie und welches Ergebnis haben Sie erreicht?
„Es war ein hoher Berg, den es zu besteigen galt. Es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen will. Ich habe die fiktive Figur kennen gelernt, die ich spiele, und sie mich. Das ist eine sehr persönliche Arbeit, bei der ich viel von mir zulassen musste. Die Möglichkeit, das so konzentriert zu machen, hat man nicht oft als Schauspieler. Nur ein Schauspieler und ein Regisseur - das ist Luxus. Dazu 30 Leute Team drum herum, die ohne einen faden Beigeschmack von Voyeurismus zulassen, dass man viel von sich preisgibt.“

Wie waren die Dreharbeiten?
„Die Dreharbeiten haben 16 Tage gedauert. Sie waren anstrengend. Ich musste pro Tag sieben bis acht Seiten nicht ganz unkomplizierten Text loswerden und nebenbei noch eine Kaffeemaschine auseinander nehmen. Ich war unheimlich konzentriert und bemüht, nicht die Contenance zu verlieren. Natürlich gab es Momente, wo ich gesagt habe: ‚Scheiße, ich fahr jetzt nach Hause. Es reicht!’“

Ist es schwerer, wenn man keinen zweiten Schauspieler als Gegenüber hat?
„Ja, das ist gewöhnungsbedürftig. Am Anfang hatte ich da Probleme. Es gab allerdings den imaginären Herrn Gebhardt und das ging irgendwann. Die ersten zwei Tage waren am schwersten. Da hatte ich auch Zoff mit dem Oliver (Hirschbiegel, dem Regisseur, Anm. d.A.). Es hat zwischen uns ordentlich geknallt. Aber danach hat es riesigen Spaß gemacht. Es ging wie ein Uhrwerk, sauber und konzentriert.“

Was ist da zwischen Ihnen und dem Regisseur Oliver Hirschbiegel passiert?
„Ich bin ein sehr eigener Mensch und er auch. Aber irgendwie interessieren wir uns gegenseitig. Mich interessieren die Geschichten, die er im Kopf hat, und er interessiert sich für meine. Wir sind neugierig und haben Lust aufeinander. Wir haben uns nach wie vor viel zu erzählen.“

Hatten Sie „Der Untergang“ gesehen, bevor das Projekt anfing?

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