Kino-Tipp

„Walk The Line“ mit Joaquin Phoenix

published: 02.02.2006

Der „Man in Black“ (Joaquin Phoenix) mit seiner Gitarre (Foto: 20th Century Fox)Der „Man in Black“ (Joaquin Phoenix) mit seiner Gitarre (Foto: 20th Century Fox)

Das Image von Country-Musik hat nicht viel mit Rebellentum und Drogenexzessen zu tun. Bei solchen Eskapaden denkt man eher an den guten alten Rock`n´Roll. Dass davon auch eine ordentliche Portion durch die Adern von Musik-Legende Johnny Cash rauschte, zeigt die verfilmte Biografie des "Man In Black".

Cash ist heute, knapp drei Jahre nach seinem Tod, der bekannteste Vertreter einer Musikrichtung, die vor allem mit Cowboyhüten und netten Geschichten für die weiße amerikanische Landbevölkerung in Verbindung gebracht wird. Das passt an kaum einer Stelle zu dem Bild, dass Regisseur James Mangold und sein Hauptdarsteller Joaquin Phoenix in ihrem Film von dem amerikanischen Idol zeichnen.

Die Originale: Johnny und June Carter Cash (Foto: 20th Century Fox)Die Originale: Johnny und June Carter Cash (Foto: 20th Century Fox)

Cashs Leben verlief alles andere als glatt. Schon früh musste er mit seiner Familie bei der Baumwollernte ran. Ständig wurde der Familienfrieden von den Wutausbrüchen seines Vaters bedroht. Das Verhältnis zu ihm blieb Zeit seines Lebens schwierig. Daran ist vor allem der traumatische Unfalltod von Johnnys Bruder Jack Schuld, den der Vater Johnny in die Schuhe schieben wollte. Der Tod eines Bruders - eine bittere Erfahrung, die Schauspieler Joaquin Phoenix auch machen musste: Sein älterer Bruder River starb 1993 an einer Überdosis.

Später hätte das Leben für Johnny Cash mit seiner ersten Frau in bürgerlichen Bahnen verlaufen können. Das erste Kind ist unterwegs, ein kleines Haus gemietet, nur mit dem Job als Vertreter will es nicht so recht klappen. Doch insgeheim hat Johnny sowieso andere Pläne. Seit er seine erst Gitarre in einem kleinen Laden im besetzen Deutschland gekauft hat, träumt er heimlich vom großen Bühnenerfolg. Und so steht er eines schönen Tages im Jahr 1955 in den Studios des noch unbekannten Labels Sun Records. Der Rest ist Geschichte.

Die wohl größte Überraschung an „Walk The Line“ ist die schier unglaubliche Leistung von Joaquin Phoenix als Johnny Cash, die völlig zurecht mit einem Golden Globe belohnt wurde. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob Phoenix dem realen Johnny Cash irgendwie nahe kommt; die Brillanz seiner Leistung liegt in der ungeheuren Intensität, Tiefe und Präsenz, mit der er die Leinwand einnimmt. Da bleibt nur noch wenig Platz für andere, aber gerade genug für Partnerin Reese Witherspoon als June Carter, die ebenfalls einen Golden Globe einheimste.

Johnny Cash (Joaquin Phoenix) trifft beim Auftritt im Folsom-Gefängnis mit seiner Gitarre die Herzen der Zuschauer (Foto: 20th Century Fox)Johnny Cash (Joaquin Phoenix) trifft beim Auftritt im Folsom-Gefängnis mit seiner Gitarre die Herzen der Zuschauer (Foto: 20th Century Fox)

Die unerfüllte Liebesgeschichte zwischen dem Newcomer Cash und der Anfang der 60er Jahre bereits bekannten Künstlerin June Carter ist es dann auch, die Regisseur Mangold in den Focus seiner Story rückt. Als sich die zwei das erste Mal treffen und es zwischen ihnen funkt, sind beide noch verheiratet. Immer und immer wieder begegnet Cash seiner großen Liebe auf der Bühne und auf Tournee. Seine Heiratsanträge werden immer wieder abgewiesen. Eine Situation, an der der inzwischen zum Star herangereifte Künstler fast zerbricht und die er in Unmengen Alkohol und Drogen zu ertränken sucht. Erst nach mehren Entziehungen und einem endlich erfolgreichen Antrag überwindet er seine Sucht.

Für eingefleischte Cash-Fans wird der Film nur wenig Neues bieten. Weder die musikalische Bedeutung des "Man In Black" wird erklärt, noch sein Leben nach dem legendären Auftritt im Folsom-Gefängnis 1968 gezeigt, der gleichzeitig Anfang, Ende und Höhepunkt des Films darstellt. Was bleibt, sind intensive Momentaufnahmen seines Lebens, in Szene gesetzt von tollen Schauspielern. Den Segen zu der Rolle bekam Joaquin Phoenix übrigens noch zu Lebzeiten des Meisters vom Sänger selbst. Er studierte im Laufe der Zeit die wichtigsten Cash-Songs für den Film ein und erreichte sogar die Tiefen der berühmten Bariton-Stimme. Auch Reese Witherspoon sang nach intensivem Training mit einem Gesangscouch alle Songs selbst. Für die kommenden Oscar-Verleihungen sind Witherspoon/Phoenix heiße Favoriten.

USA 2005 - Regie: James Mangold - Darsteller: Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin, Robert Patrick, Dallas Roberts, Dan John Miller, Larry Bagby, Shelby Lynne, Tyler Hilton, Shooter Jennings, ab 6 Jahren, Verleih: 20th Century Fox

[Jörg Römer]

Links

www.walkthelinethemovie.com

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