Kino-Tipp

„Walk The Line“

published: 03.02.2006

Johnny Cash (Joaquin Phoenix) beim legendären Auftritt im Folsom Gefängnis.  (Foto: 20th Century Fox) Johnny Cash (Joaquin Phoenix) beim legendären Auftritt im Folsom Gefängnis. (Foto: 20th Century Fox)

Country-Musik hat mit netten Geschichten für die weiße amerikanische Landbevölkerung zu tun. Zumindest bevor ein Mann namens Johnny Cash das erste Mal die Bühne betritt und das Genre revolutioniert. Denn ab diesem Zeitpunkt geht es vor allem um den täglichen Überlebenskampf, den Cash während seiner langen Drogensucht selber ausgeträgt hat...
Glaubt man vielen Fachleuten, machte der Sänger Zeit seines Lebens deutlich mehr durch als so mancher selbsternannter Gansta-Rapper.
Knapp drei Jahre nach Cashs Tod kommt nun seine Film-Biografie in die Kinos. Der Streifen von Regisseur James Mangold mit Hauptdarsteller Joaquin Phoenix zeigt ein amerikanisches Idol, das seinen Liebeskummer in Alkohol und Drogen ertränken wollte.

Johnny Cash (Joaquin Phoenix) auf der Bühne. (Foto: 20th Century Fox)Johnny Cash (Joaquin Phoenix) auf der Bühne. (Foto: 20th Century Fox)

Dabei verlief das Leben von Johnny Cash schon in seiner Jugend nicht besonders gut. Früh musste er mit seiner Familie bei der Baumwollernte mit ran. Ständig wurde der Familienfrieden von den unvorhersehbaren Wutausbrüchen seines Vaters bedroht. Das Verhältnis zu ihm blieb Zeit seines Lebens ein schwieriges. Daran ist vor allem der traumatische Unfalltod von Johnnys Bruder Jack Schuld, den der Vater immer Johnny in die Schuhe schieben wollte. Eine bittere Erfahrung, die Schauspieler Joaquin Phoenix auch machen musste. Sein älterer Bruder River starb 1993 an einer Überdosis.

Später mit seiner ersten Frau könnte das Leben für Johnny Cash in bürgerlichen Bahnen verlaufen. Das erste Kind ist unterwegs, ein kleines Haus gemietet, nur mit dem Job als Vertreter will es nicht so recht klappen. Doch insgeheim hat Johnny Cash sowieso andere Pläne. Seit er seine erst Gitarre in einem kleinen Laden im besetzen Deutschland gekauft hat, träumt er heimlich vom großen Bühnenerfolg. Und so steht er eines Tages im Jahr 1955 in den Studios des noch unbekannten Labels Sun Records. Der Rest ist Geschichte.


Die wohl größte Überraschung an „Walk The Line“ ist die schier unglaubliche Leistung von Joaquin Phoenix als Johnny Cash, die völlig zurecht mit einem Golden Globe belohnt wurde. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob Phoenix dem realen Johnny Cash irgendwie nahe kommt, die Brillanz seiner Leistung liegt in der ungeheuren Intensität, Tiefe und Präsenz, mit der er die Leinwand einnimmt. Da bleibt nur noch wenig Platz für andere, aber gerade genug für Partnerin Reese Witherspoon als June Carter, die ebenfalls einen Golden Globe einheimsen konnte.

Die unerfüllte Liebesgeschichte zwischen dem Newcomer Cash und der Anfang der 60er Jahre bereits bekannten Künstlerin June Carter ist es dann auch, die Regisseur Mangold in den Focus seiner Johnny-Cash-Story rückt. Als sich die beiden das erste Mal treffen und es zwischen ihnen funkt, sind beide noch verheiratet. Immer und immer wieder begegnet Cash seiner großen Liebe ab dann auf der Bühne und auf Tour. Doch seine Heiratsanträge werden immer wieder abgewiesen. Eine Situation, an der der inzwischen zum Star herangereifte Künstler fast zerbricht und die er in Unmengen Alkohol und Drogen zu ertränken sucht. Und die er erst nach mehren Entziehungen und dem endlich erfolgreichen Antrag überwindet.

Ein Originalbild von Johnny Cash und seiner Frau June Carter Cash. (Foto: 20th Century Fox)Ein Originalbild von Johnny Cash und seiner Frau June Carter Cash. (Foto: 20th Century Fox)

Für eingefleischte Cash-Fans wird der Film allerdings nur wenig neues bieten. Weder die musikalische Bedeutung des Man In Black wird erklärt, noch sein Leben nach dem legendären Auftritt im Folsom Gefängnis 1968 gezeigt, der gleichzeitig Anfang, Ende und Höhepunkt des Films darstellt. Was bleibt, sind intensive Momentaufnahmen seines Lebens, in Szene gesetzt von tollen Schauspielern. Den Segen zu der Rolle bekam Joaquin Phoenix übrigens noch zu Lebzeiten des Meisters von Johnny Cash selbst. Also studierte er im Laufe der Zeit einige der wichtigsten Songs von Cash für den Film ein und erreichte sogar die Tiefen seiner Bariton-Stimme. Auch Reese Witherspoon hat nach intensivem Training mit einem Gesangscoach alle Songs selbst gesungen. So gelangt das neue Traumpaar Hollywoods zumindest im Film zu einem Happy-End. Ob das im realen Leben auch klappt, werden die kommenden Oscar-Verleihungen zeigen, für die Witherspoon/Phoenix ganz heiße Favoriten sind.

USA 2005 - Regie: James Mangold - Darsteller: Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin, Robert Patrick, Dallas Roberts, Dan John Miller, Larry Bagby, Shelby Lynne, Tyler Hilton, Shooter Jennings, ab 6 Jahren, Verleih: 20th Century Fox

[Jörg]

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www.walkthelinethemovie.com

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