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Kino-Tipp

„We Feed The World“

published: 27.04.2006

Täglich werden aus Südspanien Treibhaus-Tomaten importiert  (Foto: Public Address) Täglich werden aus Südspanien Treibhaus-Tomaten importiert (Foto: Public Address)

„Ein Konzern ist eben ein Konzern. Und ein Konzern hat kein Herz“, sagt Karl Otrok, Produktionsleiter bei Pioneer, dem weltgrößten Saatguthersteller. So nah liegend wie simpel diese Aussage auch ist: Viel mehr Informationen bietet der Film des Österreichers Erwin Wagenhofer leider nicht. An mehreren Fallbeispielen dokumentiert der Regisseur in seinem Film, dass in unserer globalisierten Ernährungs-Welt etwas schief läuft.

Will den Marktwert von Trinkwasser ermitteln: Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck (Foto: Delphi)Will den Marktwert von Trinkwasser ermitteln: Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck (Foto: Delphi)

Wenn der Film offenbart, dass täglich in Wien genauso viel Brot vernichtet wird wie alle Bewohner von Graz für ihren täglichen Bedarf brauchen, dann löst das Empörung beim Betrachter aus. Oder der Fall des Anbaus von Sojabohnen in Brasilien, die dort nur durch die Zugabe von künstlichen Nährstoffen wachsen. Nicht dass das schon paradox genug wäre: Nach der Ernte wird nicht etwa die hungernde Lokalbevölkerung versorgt, sondern die Bohnen werden an österreichische Hühner verfüttert. All das löst sicher zurecht Kopfschütteln beim Kinogänger aus.

Immerhin: „We Feed The World“ sucht nicht den großen Lebensmittel-Skandal. In der Anmerkungen zu seinem Film stellt der Regisseur klar, dass er einfach nur den Wahnsinn der alltäglichen Produktion unserer hoch technisierten Lebensmittelindustrie zeigen will. Das gelingt stellenweise gut, etwa wenn er die Auswüchse des weltgrößten Plantagen-Anbaus in Südspanien dokumentiert. Dort werden unter Zeltplane und mit künstlicher Bewässerung Tonnen von Tomaten angebaut, die dann auf die lange Reise nach Nordeuropa gehen. Wagenhofer stieß auf die Plantagenlandschaft, weil er sich zu Beginn der Dreharbeiten fragte, warum die Tomaten auf dem Wiener Großmarkt überwiegend aus dem 3000 Kilometer entfernten Spanien kommen, statt aus den heimischen Gärten. Er begann mit den Recherchen, stieß auf die spanischen Plantagen und entschloss sich zu einem Kinofilm.

Leider beschäftigt sich „We Feed The World“ dann nicht mehr mit den Ursachen für die Tomaten-Exporte. Die liegen nämlich nicht nur bei den Konzernen sondern vor allem beim Konsumenten. Wenn die Verbraucher nicht das ganze Jahr über Tomaten auf ihrem Tisch haben wollten, müsste das Gemüse auch nicht importiert werden. Dann gäbe es in Nordeuropa Tomaten aber eben nur zur spätsommerlichen Erntezeit.

Dass bei solchen Massenproduktionen mit langen Exportwegen die Qualität auf der Strecke bleibt, ist nichts Neues und wird inzwischen von jedem TV-Koch beschworen. Ebenso überflüssig erscheint die Episode von nordfranzösischen Fischern, die mit ihrer Top-Ware gegen die übermächtige Konkurrenz der industrialisierten Fischflotten antreten müssen: Dass ein frischer Fisch besser schmeckt als ein drei Wochen altes Produkt von den Fangflotten, kann sich jeder selber ausrechnen. Billige Tiefkühlware für gleichwertig mit frischer Ware zu halten, wäre reichlich naiv.

Auch sonst ist der Film reichlich dünn. Zwar bildet ein Interview mit dem UNO-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung, Jean Ziegler, die Rahmenhandlung. Seine Aussagen, die alle richtig sein mögen, beziehen sich aber nur selten auf die einzelnen Fallbeispiele oder bieten Lösungen dazu an.

Leider verpasst die Dokumentation eine echte Chance, sich mit den Problemen der politischen Ökologie und denen der Globalisierung tief greifend zu befassen. Auch wenn Wagenhofer mit „We Feed The World“ laut eigener Aussage ausdrücklich keine Stellung beziehen sondern nur dokumentieren will, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Beitrag eben nur äußerst selten über das Niveau einer Reportage á la „Stern TV“ reicht.

Österreich 2006 - Regie: Erwin Wagenhofer - FSK: ohne Altersbeschränkung, Verleih Delphi

[Jörg Römer]

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www.essen-global.de

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