Kino-Tipp

"Fluch der Karibik 2" mit Johnny Depp

published: 27.07.2006

Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) segelt wieder hart am Wind. (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) segelt wieder hart am Wind. (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)

Auf Produzent Jerry Bruckheimer ist Verlass. Wie wohl kein anderer Produzent hat sich der Mann aus Detroit in Hollywood als eigene Marke etabliert. „Branding“ nennen das die Experten. Und beim Branding bringt man nicht nur einfach eine Marke an den Kunden, sondern verkauft ihm auch ein Image. Im Falle von Bruckheimer sieht dieses Image bunt, schnell, und actionreich aus und riecht nach XXL-Popkorn-Portionen in riesigen Multiplex-Kinos.

Stets hat der 61-Jährige seine Filme für die ganz großen Säle mit den ganz großen Leinwänden gedreht. Ob die Kriegsfilme „Pearl Harbour“ und „Black Hawk Down“ oder den Historien-Schinken „King Arthur“ - immer versahen die PR-Leute seine Filme mit dem Stempel „Blockbuster“. Bruckheimer könnte das Wort, das ursprünglich die Sprengkraft von Fliegerbomben im zweiten Weltkrieg beschrieb, sogar höchstpersönlich für seine Filme zweckentfremdet haben.

Nun ist es ja so, dass die meisten Schreiberlinge im Kulturbetrieb der Feuilletons bei der bloßen Nennung des Wortes "Blockbuster" zusammenzucken und probieren, dieses Hollywood-Thema ihren Kollegen in den Terminkalender zu schieben. Ist doch traditionell der erzählerische Wert solcher Produktionen nicht sehr hoch angesiedelt. Höchstens finden die neusten Spezialeffekte an den Grenzen des technisch Machbaren in den Rezensionen der Kulturbewerter lobende Erwähnung.

Das Grauen des Meeres: Captain Davy Jones (Bill Nighy). (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)Das Grauen des Meeres: Captain Davy Jones (Bill Nighy). (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)

Bei „Pirates Of The Caribbean“ liegt der Fall anders. Schon der erste Teil begeisterte auch den einen oder anderen Programmkinogänger. Zwar wirft das Piraten-Märchen keine philosophische Frage auf, dafür erzählt es aber eine spaßig-phantastische Geschichte, die Produzent Bruckheimers Ruf deutlich verbessert hat. Der zweite Teil, der nun ins Kino kommt, könnte Produzent Bruckheimer zum König der Popkorn-Unterhaltung machen. Daran sind vor allem Johnny Depp und sein Charme Schuld. Als schräges, extrovertiertes Schlitzohr mit leicht tuntigen Zügen segelt der Schauspiel-Star als Captain Jack Sparrow durch „Fluch der Karibik 2“.

Depp muss sich an der Seite von Keira Nightley und Orlando Bloom gegen schier übermächtige Gegner zur Wehr setzten. Nachdem er sein Schiff, die Black Pearl, gegen den bösen Captain Barbossa zurückerobert hat, wartet schon der nächste übernatürliche Fiesling auf ihn. Davy Jones (Bill Nighy), Kapitän der legendären Flying Dutchman, fordert seinen Lohn für Sparrows Erfolg: Jacks Seele. Wenn der Pirat keinen Weg findet, den Bann zu brechen, ist er nach dem Tode zu einem höllischen Leben in ewiger Finsternis auf dem Meeresgrund verdammt.

Da kommen dem seefahrenden Lebenskünstler seine alten Freunde Will Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Nightley) gerade recht. Die wollten Jack eigentlich zur Herausgabe seines magischen Kompasses überreden, denn sollte der nicht als Pfand bei der englischen Regierung eingehen, endet die geplante Hochzeit von Will und Elizabeth am Galgen.

Während der von Davy heraufbeschworene Krake, ein riesiges Seeungeheuer, das Leben etlicher Seefahrern beendet, sieht Jack einen Weg, den Bann zu brechen: Wenn er die verborgene Schatztruhe mit dem schlagenden Herz von Davy Jones findet, kann er den übermächtigen Piraten und seine Furcht erregende Crew für alle Zeiten auf den Grund des Meeres schicken. Doch dafür brauchen Will und Jack den Schlüssel zu der Schatzkiste, den Jones Tag und Nacht um seinen Hals trägt.
Auch der zweite Teil der Piraten-Story ist ein echter Bruckheimer. Doch was unterscheidet eine guten von einem schlechten Bruckheimer? Im Falle von „Fluch der Karibik“ ist es definitiv der Humor, für den einmal mehr Johnny Depp in Form der Figur des Piratenkapitäns Jack Sparrow verantwortlich ist. Mit seiner facettenreichen Darstellung der schrägen Figur lässt Depp die Zuschauer im zweiten Teil noch mehr über ihre Sympathie für den hinterlistigen Halunken im Unklaren. Dabei überspielt der Mime sein Schurkentum, in dem ein guter Kern steckt, gekonnt mit jeder Menge Komik.

Auch als Kannibalen-Häuptling gibt Jack Sparrow (Johnny Depp) eine gute Figur ab. (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)Auch als Kannibalen-Häuptling gibt Jack Sparrow (Johnny Depp) eine gute Figur ab. (Foto: Peter Mountain/Disney Enterprises)

Auch sonst setzen Bruckheimer und sein Team im Vergleich zum ersten Teil noch eins drauf. Noch mehr Seemannsgarn, noch mehr Action und noch mehr Grusel in feucht-morbider Atmosphäre - kurz: Popkornkino in Vollendung. Glücklicherweise stehen bei dem ganzen Spektakel die realistischen Effekte nie über der Handlung der Disney-Produktion. Auch wenn diese in dem zweistündigen Werk gelegentlich nur mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt werden kann, erscheinen die ineinander verwobenen Handlungsstränge am Ende logisch. Und das Regisseur Gore Verbinski dramaturgisches Gespür besitzt, hat er schon in „The Ring“ bewiesen.

Freuen wir uns also auf den dritten Teil der Piraten-Saga, der im Frühsommer 2007 in die deutschen Kinos kommt. Dann taucht übrigens auch wieder ein alter Bekannter aus dem ersten Teil auf.

USA 2006 - Regie: Gore Verbinski - Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Geoffrey Rush, Stellan Skarsgård, Jack Davenport - FSK: ab 12 Jahren, Verleih: Buena Vista

[Jörg]

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www.fluch-der-karibik-2.de

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