Kino-Tipp

"Da Vinci Code"

published: 19.05.2006

Der Mönch Silas (Paul Bettany) bringt Sophie Neveu (Audrey Tautou) in seine Gewalt (Foto: Sony Pictures) Der Mönch Silas (Paul Bettany) bringt Sophie Neveu (Audrey Tautou) in seine Gewalt (Foto: Sony Pictures)

Eine nette Geschichte hat sich der amerikanische Autor Dan Brown da ausgedacht: Ein sympathischer und leicht unsicherer Wissenschaftler ist mit einer französischen Kriminologin einer riesigen, jahrhunderte-alten Verschwörung über den Ursprung der Kirche auf der Spur. Das Problem bei der Sache und damit bei Dan Browns Roman „Sakrileg“ ist, dass viele selbsternannte Mythenjäger von der Fiktion der Geschichte nicht wissen wollen und den unterhaltsamen Historien-Krimi für bare Münze nehmen. Inzwischen hat Dan Brown etwa 50 Millionen Exemplare seines Romans verkauft, sich erfolgreich vor Gericht gegen einen Plagiatsvorwurf gewehrt und die katholische Kirche sowie jeden Kunstgeschichts-Studenten und Historiker gegen sich aufgebracht.

Sophie (Audrey Tautou) und Robert Langdon (Tom Hanks) folgen den Spuren bis in die Londoner Westminster Abbey (Foto: Sony Pictures)Sophie (Audrey Tautou) und Robert Langdon (Tom Hanks) folgen den Spuren bis in die Londoner Westminster Abbey (Foto: Sony Pictures)

Dass bei so viel Rummel die Verfilmung des Buches nicht lange auf sich warten ließ, war klar. Nach anfänglichem Zögern entschloss sich das Oscar-gekrönte Team Regisseur Ron Howard und Produzent Brian Grazer („A Beautiful Mind“) den Film zum Buch zu drehen. Mit Tom Hanks, Audrey Tautou, Jean Reno und “Gandalf” Ian McKellen konnten bald ebenso hochkarätige wie internationale Schauspiel-Stars gewonnen werden.

In Browns Bestseller wird der Harvard-„Symbologe“ Robert Langdon, gespielt von Tom Hanks, bei einem Mordfall in Paris um Hilfe gebeten. Der Kurator des berühmten Louvre-Museums ist ermordet aufgefunden worden. Zusammen mit der Kriminologin Sophie Neveu (Audrey Tautou) soll er bei der Aufklärung helfen - denn der Direktor des Museums wurde in einer Pose gefunden, die an eine berühmte Zeichnung von Leonardo da Vinci erinnert.

Zusätzlich hat der Verstorbene kurz vor seinem Ableben einige merkwürdige Kritzeleien hinterlassen, die Langdon ruckzuck als verschlüsselte Hinweise entziffert. Weitere geheimnisvolle Mitteilungen verbergen sich in zwei Werken da Vincis, die ebenfalls im Louvre hängen. Doch bevor Langdon und Neveu weiter ermitteln können, müssen sie sich vor Inspektor Fache (Jean Reno) in Sicherheit bringen, der Langdon für den Mörder hält.

Bei ihren weiteren Nachforschungen stoßen die beiden auf einen merkwürdigen Geheimbund, der ein Geheimnis birgt, das der erzkonservativen Opus-Dei-Orden gerne bewahrt haben möchte: Offenbar hat Jesus mit Maria Magdalene ein Kind gezeugt, dessen direkte Nachfahren sich bis heute ermitteln lassen. Der Machtanspruch der Kirche wäre damit nicht mehr zu legitimieren. Eine Meinung, die auch der britische Kunsthistoriker Sir Leigh Teabing (Ian McKellen) vertritt, den Langdon und Neveu um Hilfe bitten.

Das Drehbuch von Akiva Goldsmann, mit der Howard arbeitete, hält sich sehr streng an die Romanvorlage von Brown. Lesefans werden womöglich enttäuscht sein, dass sie genau das sehen, was sie kurz vorher gelesen haben. Trotzdem wurde die Handlung leicht gestrafft. Bei über zwei Stunden Film eine notwendige Kürzung, die vor allem den historisch interessierten Verschwörungstheoretikern nicht schmecken wird. Denn die von Dan Browns Titelhelden unternommene Deutung der da-Vinci-Kunstwerke kommt bis auf das zentrale Werk „Das letzte Abendmahl“ zu kurz.

Sophie Neveu (Audrey Tautou) sieht Leonardo da Vincis berühmtes "Abendmahl" plötzlich mit ganz anderen Augen (Foto: Sony Pictures)Sophie Neveu (Audrey Tautou) sieht Leonardo da Vincis berühmtes "Abendmahl" plötzlich mit ganz anderen Augen (Foto: Sony Pictures)

Nimmt man die übertriebene Medienreaktion und die Proteste der Kirche, die sogar eine Dreherlaubnis für die Westminster Abbey in London verweigerte, einmal aus, bietet der Film solide Unterhaltung in Form eines spannenden Historien-Thrillers. Vor allem die Kamera-Arbeit von Salvatore Totino trägt zur düsteren Atmosphäre des Films bei. Die Bilder, eingefangen in dunklen Kirchen und Museen, wirken oft genauso morbide wie die uralten Kunstwerke an den Wänden. Totinos Kamera-Perspektive trägt die Spannung des Films, ohne zu überziehen.


Schauspielerisch glänzt vor allem Ian McNellen und macht damit seinem fabelhaften Ruf als einem der besten Bühnenschauspieler Englands alle Ehre. Seine von schwarzem, typisch britischem Humor geprägten Dialoge sind zusammen mit seiner großartigen Mimik sicher ein Highlight des Films. Tom Hanks dagegen agiert solide, lässt sein ganzes schauspielerisches Können nicht aufblitzen. Möglicherweise schnürten Drehbuch und Romanvorlage seinen Charakter zu sehr ein. Audrey Tautou dagegen profitiert von ihren riesigen Rehaugen, kann aber erwartungsgemäß an ihre Leistungen in „Die Fabelhafte Welt der Amélie“ nicht anknüpfen.

Unterdessen sitzt Dan Brown wahrscheinlich zu Hause in New Hampshire und reibt sich – ungerührt von Verschwörungstheoretikern, die in ihm schon den neuen Messias sehen - die Hände. Denn sein vermutlich größter Coup gelang ihm nicht mit der historisch unwahren aber dennoch glänzend recherchierten Geschichte, sondern mit der Tatsache, dass er über ihre Fiktionalität stets geschwiegen hat. Denn dass es sich bei der Story nur um gut zusammengesuchte Unterhaltung handelt, weiß er selbst am besten. Schließlich hat er mal in Sevilla Kunstgeschichte studiert.

[Jörg Römer]

Links

www.davincicode-derfilm.de

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