Kino-Tipp

"Flying Scotsman - Allein zum Ziel"

published: 06.07.2007

Mit einer ungewöhnlichen Sitzposition überraschte Graeme Obree (Jonny Lee Miller) 1993 die Radsportwelt (Foto: Central)Mit einer ungewöhnlichen Sitzposition überraschte Graeme Obree (Jonny Lee Miller) 1993 die Radsportwelt (Foto: Central)

Geschichten wie die von Graeme Obree sind wie gemacht für das Kino: Der schottische Radrennfahrer, der scheinbar aus dem Nichts kam, sah und siegte, dann gegen Funktionäre und die eigenen Dämonen kämpfte, bietet die ideale Story für die große Leinwand. In der Regel laufen solche Sportfilme immer nach dem gleichen Schema ab: Der Underdog schlägt im großen Finale den haushohen Favorit. Das ist auch bei "Flying Scotsman" nicht anders. Durch Obrees psychische Probleme könnte der Film aber tief unter die Oberfläche eines Standard-Sportfilms gehen. Das er daran allenfalls kratzt, ist nicht den Schauspielern anzulasten. Jonny Lee Miller ("Trainspotting") spielt den schottischen Radsport-Dickschädel überzeugend.

Der muss sich schon in seiner Jugend ordentlich abstrampeln. Regelmäßig wird der Sohn eines Streifenpolizisten von seinen Mitschülern verprügelt. Rechtzeitig flüchten kann er erst, als seine Eltern ihm sein erstes Fahrrad schenken. In den folgenden Jahren wird er zu einem passablen Radsportler, der einige regionale Rennen gewinnt, von einer Karriere im bezahlten Radsport aber so weit weg ist wie seine Heimat Glasgow von den steilen Rampen der Alpen. Als auch noch sein kleiner Radsportladen bankrott geht, muss Graeme, inzwischen Vater eines Kindes, sich als Fahrradkurier verdingen. Während einer Trainingsfahrt kommt ihm dann die Idee: Wenn er seine Sitzposition so verändert, dass er deutlich aerodynamischer auf dem Rad sitzt, kann er viel schneller fahren. Besessen von der Idee, so den Stundenweltrekord von Francesco Moser zu brechen, baut Graeme Obree in einer Scheune an einem neuen revolutionären Rad. Unterstützt wird er von seinem Freund Malky (Billy Boyd) und dem Priester Baxter (Brian Cox). Beim Rekordversuch gelingt ihm im zweiten Anlauf die Sensation: Vor den Augen der ungläubigen Funktionäre verbessert der bis dahin völlig unbekannte Fahrer den Stundenweltrekord. Kurz darauf wird der "Flying Scotsman" auch noch Weltmeister in der Einer- verfolgung. Doch die mächtigen Funktionäre des Radsport-Verbandes UCI haben etwas gegen die Ideen des Schotten. Kurzerhand verbieten sie mit fadenscheinigen Argumenten die neue Sitzposition. Dazu plagen Graeme seit Jahren immer wieder Depressionen...

Selbst kurz vor dem Start wusste Obree (Jonny Lee Miller) manchmal nicht, ob er starten darf (Foto: Central)Selbst kurz vor dem Start wusste Obree (Jonny Lee Miller) manchmal nicht, ob er starten darf (Foto: Central)

Keine Frage, die Geschichte des schottischen Radsportlers, der in einer kleinen Werkstatt ein Rekord-Rad bastelte, in dem sogar Teile einer Waschmaschine Verwendung fanden, ist absolut erzählenswert. Schade nur, das dem Drehbuch bei dem Versuch, allen Facetten der Story gerecht zu werden, auf halber Strecke der Saft ausgeht. Zwar strampeln sich Jonny Lee Miller und auch Billy Boyd recht flott durch den Stoff, gegen die Schwächen des Drehbuchs aber sind sie machtlos. Mit knapp 90 Minuten hat Regisseur Douglas Mackinnonist die Handlung vielleicht zu stark komprimiert. Radsportfans werden aber sicher trotzdem auf ihre Kosten kommen. Vielleicht ein kleiner Trost in Zeiten von reihenweisen Doping- geständnissen der Profis.

Deutschland / Großbritannien 2006 - Originaltitel: The Flying Scotsman - Regie: Douglas Mackinnon - Darsteller: Jonny Lee Miller, Billy Boyd, Laura Fraser, Morven Christie, Steven Berkoff, Brian Cox, Sean Brown, Joseph Carney - FSK: ab 6 Jahren, Verleih: Central

[Jörg]

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