Kino-Tipp

"Bandidas"

published: 07.09.2006

Die "Bandidas" Maria (Penélope Cruz) (l.) und Sara (Salma Hayek) werden bald im ganzen Land gesucht (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa) Die "Bandidas" Maria (Penélope Cruz) (l.) und Sara (Salma Hayek) werden bald im ganzen Land gesucht (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)

Sara (Salma Hayek) ist die Tochter eines reichen Bankiers (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)Sara (Salma Hayek) ist die Tochter eines reichen Bankiers (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)

Wenn Frauen in einem Western schon eine Hauptrolle übernehmen, sollten es A) natürlich sexy Revolverheldinnen in engen Korsagen sein und B) der Film maximal eine Komödie. Diese beiden Voraussetzungen erfüllt der Streifen "Bandidas" mit Salma Hayek und Penélope Cruz nur allzu gut, wobei ihm, trotz aller bedienten Klischees, der Humor glücklicherweise nicht abhanden kommt.

Ja, natürlich könnte man von einem Drehbuchautor wie Luc Besson ("Léon der Profi", "Das fünfte Element") Größeres erwarten. Und ja, Glanzleistungen bietet der Film trotz Nebendarstellern wie Steve Zahn und Sam Shepard auch nicht. Und nein, selbst die Regiedebütanten Joachim Roenning und Espen Sandberg liefern, als vielleicht enthusiastische Newcomer, keine aufregenden Inszenierungen. Die Musik von Eric Serra ("Goldeneye")? Okay, auch kein Knaller. Aber: Wer ins Kino geht, um sich einen Abend lang unterhalten zu lassen und dabei herzlich lachen möchte, der liegt mit "Bandidas" genau richtig. Auch, wenn man den Film mit Verlassen des Kinos schon halb vergessen hat.

Inspektor Quentin (Steve Zahn) wird von den "Bandidas" (Penélope Cruz (l.)  und Salma Hayek) als Geisel genommen (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)Inspektor Quentin (Steve Zahn) wird von den "Bandidas" (Penélope Cruz (l.) und Salma Hayek) als Geisel genommen (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)

Mexiko, spätes 19. Jahrhundert. Die wohlerzogene, gebildete Sara, gespielt von Salma Hayek, ist die Tochter eines steinreichen Bankiers. Ein Schlag des Schicksals führt sie mit der trampeligen, kaltschnäuzigen Bauerntochter Maria zusammen, dargestellt von Penélope Cruz. Im Widerstand gegen den Bau einer Eisenbahnstrecke fallen ihre Väter denselben dunklen Machenschaften des Bösewichts Tyler Jackson (Dwight Yoakam), Repräsentant einer New Yorker Bank, zum Opfer. Die beiden Ladys beschließen, sich auf eigene Faust zu rächen. Was als privater Rachefeldzug mit einer Reihe von Banküberfällen beginnt, gedeiht in Windeseile zu einer revolutionären Bewegung im Kampf für bäuerliche Rechte. Die zwei Grazien avancieren zu gefeierten Heldinnen der Unterschicht.

Zunächst erweist sich ihre Zusammenarbeit jedoch als problematisch, weil zwischen den ungleichen Frauen ein großkalibriger Zickenkrieg ausbricht. Erst ihr Lehrmeister in Sachen "korrekte Bankräuberei", Sam Shepard alias Bill Buck, vermag diesen zu schlichten. Schließlich tritt der steife Kriminalexperte Quentin (Steve Zahn) auf den Plan, aus New York entsandt, um den beiden Bandidas den Garaus zu machen. Schnell wickeln die Schönen ihn um den Finger und haben nichts Besseres zu tun, als um Quentins Gunst zu wetteifern..

Bauerntochter Maria (Penélope Cruz) (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)Bauerntochter Maria (Penélope Cruz) (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)

Und wieder: Ja, natürlich siegt Gut über Böse. Und natürlich ist es nicht überzeugend, dass zwei Frauen wie Miss Cruz und Miss Hayek um einen verschrobenen Hanswurst wie Quentin konkurrieren. Zugegeben, es wird wenig Stereotypes ausgelassen. So lässt der Kusswettbewerb von Sara und Maria Männerfantasien wahrscheinlich ins Uferlose entschweben. Ganz zu schweigen von dem hübsch anzusehenden Kampf der Hauptdarstellerinnen im Gotteshaus, der nicht ohne den obligatorischen Eimer Wasser auskommt, der die Kleider so schön am Körper kleben lässt. Aber selbst bei allen angedeuteten Verfänglichkeiten bewegt sich der Film durchwegs auf einem so harmlosen Niveau, dass auch ein Sechsjähriger seine helle Freude hätte.

Und nicht nur der. Denn auch, wenn "Bandidas" nicht die Erleuchtung bringt, gelingt es dem Duo Hayek-Cruz, die Leinwand mit sprühendem Witz und Charme zu füllen, die nur zwei Menschen ausstrahlen, denen ihre Arbeit großes Vergnügen bereitet. Die durch Rodriguez-Filme bereits westernerprobte Salma Hayek und ihre Partnerin Penélope Cruz verwirklichen mit dem Buddy-Movie ihren langjährigen Wunsch, einmal gemeinsam vor der Kamera zu stehen. Und so wird der alberne Schluckauf, den Sara bei jedem Kontakt mit Schusswaffen bekommt, durch Hayeks Darstellung tatsächlich komisch und der ständige, plumpe Dialog zwischen Maria und ihrem Pferd durch Cruz´ mädchenhafte Naivität zu einem amüsanten Geplänkel. Die Nachhilfestunden im Küssen, bei denen Quentin lediglich als Opfer dient, zeigen ein absolut harmonisches Hauptakteurinnen-Gespann und befördern einen blassen Steve Zahn vollends ins Hintertreffen.

Inspektor Quentin (Steve Zahn) hat sich auf die Seite der Rächerinnen geschlagen. Gemeinsam erleichtern sie die Bank and Trust um ihre Gold-Reserven (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)Inspektor Quentin (Steve Zahn) hat sich auf die Seite der Rächerinnen geschlagen. Gemeinsam erleichtern sie die Bank and Trust um ihre Gold-Reserven (Foto: Europacorp – TF1 Films Production/Daniel Dasa)

Es ist schade, dass die teils überspitzten, parodistischen Elemente nicht durchgehalten werden, was zwischendurch immer wieder verunsichert, welche Intention der Film verfolgt. Irgendwo zwischen Western, Komödie und Parodie geht so die Zielstrebigkeit verloren, die dem Movie ein wenig mehr Pfeffer verliehen hätte. Die Kameraführung trägt wenig zur Belebung bei. Lediglich die eingefrorenen Messer und Kugeln der letzten Szene verraten, welches Potenzial in dem Regie-Doppel Roenning und Sandberg steckt. Der in Bullet Time gedrehte Schusswechsel wirkt fast wie ein Findelkind, das unbedingt noch einen Platz im Werk der beiden Norweger ergattern wollte.

Vielleicht könnte man diesen Film mit einem Zitat Sam Shepards erklären, der, kurz nach seiner Ankunft in den felsigen Canyons von Durango, Mexiko, folgende Nettigkeit zum Besten gab: "Ich frage mich, was ich hier tue: einen Western drehen, der von Franzosen produziert wird, mit zwei Norwegern als Regisseuren". Im Anschluss an diesen Ausspruch betrank er sich und verlängerte aus lauter Spaß an dem Projekt seinen Aufenthalt um ein paar Tage.

[Franzisca Teske]

Links

www.bandidas-film.de

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