TV-Tipp

„Neger, Neger, Schornsteinfeger“

published: 27.09.2006

Veronica Ferres glänzt als tapfere Mutter (Foto: Public Address) Veronica Ferres glänzt als tapfere Mutter (Foto: Public Address)

Der zweiteilige TV-Film „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ erzählt die wahre Geschichte eines dunkelhäutigen Jungen, der sich durch die lebensbedrohlichen Schikanen des dritten Reichs schlagen musste. Mit dieser bewegenden Produktion setzt das ZDF die gleichnamige Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi um, dessen Vater Liberianer und dessen Mutter Deutsche ist. Für die Rolle der Mutter wurde Veronica Ferres ausgesucht, die die ZDF-Redaktion als "die ideale Besetzung" bezeichnet. Auch Hans-Jürgen Massaquoi zeigt sich begeistert von Ferres' Darstellung und sagt, sie spiele die Rolle seiner Mutter authentisch und sensibel. Ferres ist aber nicht die Einzige, die durch hervorragende schauspielerische Leistung brilliert.

Um Hans-Jürgen Massaquoi in verschiedenen Altersstufen darzustellen, wurde das Trio der Jungschauspieler Luka Kumi, Steve-Marvin Dwumah und Thando Walbaum engagiert. Mit hohem Einfühlungsvermögen verkörpern sie den tapferen und gutgläubigen Jungen, dem im Laufe der Zeit eine zunehmende Anzahl an rassistischen Anfeindungen und Drohungen begegnet. Besonders frappierend ist der Wunsch des Jungen, wie alle anderen zu sein und somit auch zu den Nazis zu gehören. Die menschenverachtende Ideologie des NS-Regimes nimmt Massaquoi erst als junger Erwachsener wahr. In dieser Hinsicht veranschaulicht der Film, wie Hitler den Menschen seine Propaganda eingeflößt hat.

Trotz aller Probleme überlebt Massaquoi alle Gefahren des dritten Reichs. Es gibt immer wieder Menschen, die dem aufgeweckten, intelligenten Jungen zur Seite stehen: seine Freunde, sein Kindermädchen (Petra Kelling), die Lehrerin (Sabine Wolf), der Boxtrainer (Tim Wilde). Nicht zuletzt rettet ihm der Blockwart der Nachbarschaft (Jürgen Tarrach) das Leben. Allen voran kämpft aber seine Mutter mit geballter Kraft für das Wohl ihres Kindes. Sie verlässt ihren Lebensgefährten (Götz Schubert), weil ihm als NSDAP-Mitglied der Kontakt zu dem dunkelhäutigen Jungen peinlich ist. Mit den authentischen Kulissen und den überzeugenden Schauspielern gelingt es dem Regisseur Jörg Grünler, die Alltagswelt der einfachen Leute im dritten Reich zu illustrieren. Schließlich vergisst die Filmbiografie nicht den Optimismus und die Anekdoten darzustellen, die Massaquoi durch die harte Zeit begleiten.

Ein NSDAP-Mitglied stellt in der 	Öffentlichkeit Hans-Jürgen (Steve-Marvin Dwumah) als „Rassenschande“ dar. (ZDF/Maria Krumwiede)Ein NSDAP-Mitglied stellt in der Öffentlichkeit Hans-Jürgen (Steve-Marvin Dwumah) als „Rassenschande“ dar. (ZDF/Maria Krumwiede)

Mit der TV-Produktion „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ setzt das ZDF ein Zeichen gegen Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Am Drehort in Wittenberge erlebten zwei der drei dunkelhäutigen Darsteller rassistische Äußerungen und Handgreiflichkeiten von ansässigen Jugendlichen sowie Erwachsenen. Diese Erfahrungen beweisen, dass die Themen des Films nicht der Vergangenheit angehören, sondern noch immer präsent sind. Der Regisseur Grünler erhofft sich, dass sein rührender Film die Zuschauer nicht nur mitreißt, sondern sie auch zu gemeinsamer Zivilcourage bewegt. Wie Veronica Ferres es ausdrückt, versucht der Zweiteiler, auf der emotionalen Ebene still und leise aufzuklären. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass die grandiose Produktion ihre Ziele erreichen wird und für mehr Menschlichkeit unter den Mitbürgern sorgt.

„Neger, Neger, Schornsteinfeger“
Teil 1: Sonntag, 1.10.2006, 20.15, ZDF
Teil 2: Montag, 2.10.2006, 20.15, ZDF

[Judith Praßer]

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