Senta Berger, die Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek der ZDF-Reihe "Unter Verdacht", steht Unikosmos Rede und Antwort (Foto: Public Address) Senta Berger, die Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek der ZDF-Reihe "Unter Verdacht", steht Unikosmos Rede und Antwort (Foto: Public Address)
"Ich wollte Clark Gable küssen"

Senta Berger im Interview

Am 30. Dezember ist Senta Berger in der Folge "Ein neues Leben" der ZDF-Krimireihe "Unter Verdacht" zu sehen. Diesmal gerät sie als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek selbst in Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Ihr Vorgesetzter, der opportunistische Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), schlägt sich auf die Seite der Staatsanwaltschaft und nur Hauptkommissar André Langner (Rudolf Krause) glaubt ihre Version der Ereignisse. Das ZDF sendet "Unter Verdacht – Ein neues Leben" am Samstag, 30. Dezember, um 20.15 Uhr.

Im Interview spricht Senta Berger bei einem Glas Wein und einer seltenen Zigarette über Angelina Jolie und Brad Pitt, ihre Kinder und darüber, wie es war, eine Filmszene mit ihrem Ehemann Michael Verhoeven zu drehen, mit dem sie seit 40 Jahren verheiratet ist. Sie spricht u.a. über moralische Bedenken bei der Reproduktionsmedizin, Adoptionen, den Wunsch, Clark Gable zu küssen und ihre Begegnung mit ihrem Jugendidol Sophia Loren.

Herzlichen Glückwunsch zu den neuen Filmen der Reihe "Unter Verdacht".
"Dankeschön, ich freue mich. Es sind komplizierte Filme. Man muss auch mitgehen wollen und mithören wollen und mitlösen wollen. Das stellt einen gewissen Anspruch."

Es war wahrscheinlich gerade bei "Ein neues Leben" für Sie als Schauspielerin nicht ganz einfach, die Rolle darzustellen?
"Ich hab mir gedacht, da muss man sehr viel an verschiedenen Gefühlsebenen zusammenbringen. Es reicht nicht, dass die Eva nur verzweifelt oder nur erschöpft ist oder dass sie sich nur verteidigt. Man darf auch nicht vergessen, wie verstört die Eva sein muss, nachdem was sie erlebt hat. Diese verschiedenen Ebenen zusammenzubringen, das ist sehr interessant, aber nicht einfach. Warum soll es auch einfach sein? Es ist schön, wenn Ansprüche an mich gestellt werden. Und diese spezielle Folge hat diese Ansprüche wirklich gestellt. Die Eva kennt man ja als sehr kontrollierte Person, die auf jeden Fall versucht, eine Situation in den Griff zu kriegen. In dieser Szene läuft bei ihr alles total auseinander. Ich hab mir vorgestellt, dass sie auch optisch ganz auseinanderläuft: Ich wollte also bitte kein Make-Up, kein Haar-Styling. Man sollte mich in Ruhe lassen, das musste alles so sein."

Eine Szene des Filmes "Unter Verdacht – Atemlos" drehten Sie mit Ihrem Ehemann. Wie war denn das?
"Das war ein Gag. Ich habe das Drehbuch nach Hause gebracht und gesagt: ‚Du, nächste Woche drehe ich da eine Szene und da sagt ein Arzt zu mir: ‚Machen Sie sich mal frei, ich will Ihre Lunge abhören.’ Und der Michael sagte: ‚Was sagt der? ‚Machen sie sich mal frei?’ Das sage ICH!’ Und dann haben wir das der Produktion vorgeschlagen und die fanden das wunderbar. Sie haben ihn ein bisschen professoral verkleidet, mit Hemd und kleinem komischen Schleifchen. Und dann hat er die zwei Zahlen 66 und 99 ins Spiel gebracht, was eben nur ein Arzt weiß. Das hat den Sinn, dass die Lunge sich in ihrer ganzen Resonanz ausbreitet. Bei der 66 werden die unteren Frequenzen abgehört und bei 99 die oberen Frequenzen. Wenn der Patient diese Zahlen ausspricht, hört man, was sich öffnet und was sich nicht öffnet. Und was sich in der Lunge nicht öffnet, da ist was. Das hat er sehr schön gemacht und uns hat es Spaß gemacht. Der Michael war ja einmal als junger Bursche Schauspieler, sogar ein sehr bekannter und sehr guter Schauspieler. Er kommt auch vom Theater. Da hat er schon als Kind gespielt: In ‚Pünktchen und Anton’ war er der Anton, in der ‚Schneekönigin’ war er der Prinz. Da gibt es entzückende Fotos von ihm… Also er ist ein Theaterkind, hat sich dann aber ganz der Regie zugewandt. Jetzt hat er zum ersten Mal nach langer, langer Zeit diese kleine Rolle gespielt - als Pointe."

Dann passte die Rolle für ihn als echten Arzt ja sehr gut. Würden Sie auch gerne mal zusammen mit Ihren Söhnen drehen?
"Wenn es gut ist und passt und wenn es nicht nur aus den offensichtlichen Gründen ein Familientreffen sein soll, schon. Aber bis jetzt hatten wir keine Gelegenheit. Ich denke, dass Simon, der sicherlich jetzt ganz und gar in das Regiefach gehen wird, nichts dagegen hätte, es aber auch nur unter ganz bestimmten Konditionen akzeptiert. Und das ist auch richtig so."

Ist Ihr Sohn Luca eigentlich auch in der Filmbranche tätig?
"Der weiß es noch nicht genau. Der Luca war jetzt acht Monate in Vietnam mit Plan International und hat da als Praktikant oder Volontär gearbeitet. Jetzt ist er ganz verunsichert über seine Zukunft. Auf der einen Seite hat er diese große Kommunikationsfähigkeit: Er kann besonders gut mit Kindern arbeiten, ihr Vertrauen erwerben. Er hat überhaupt eine mitfühlende Seele. Und während er eigentlich gut spielt, hat er sich noch nicht große Gedanken gemacht. Er hat sich allerdings schon Gedanken gemacht, ob ein Leben in der Öffentlichkeit überhaupt etwas für ihn ist. Und, ich glaube, er sagt nein. Das, glaube ich, möchte er nicht. Kann ich auch verstehen. Also der Luca probiert noch aus und probiert noch herum."

Bei amerikanischen Stars ist es ja zurzeit praktisch in Mode, sich für Hilfsaktionen in Afrika zu engagieren. Auch die Adoptionen von Madonna und Angelina Jolie gingen durch die Presse und sind dort oft hämisch kommentiert worden. Wie finden sie diese Adoptionen eigentlich?
"Das hat Tradition in Amerika. Das können wir nur mit amerikanischen Augen betrachten. Wir in Mitteleuropa haben sehr strenge Gesetze, was die Adoptionen angeht, die jetzt so langsam bröckeln. Da ist man in Amerika schon immer sehr freizügig gewesen. Auch mit anderen naturwissenschaftlichen Technologien ist es der Annie Leibovitz gelungen, zwei Kinder zu bekommen. Da würden wir sagen, dass wir nicht wissen, ob das richtig ist. Das Kind wird die Folgen dessen dann eben durchleben und wir als Staat wissen nicht, ob wir das zumuten können. Ich finde das eine richtige Entscheidung, dass der Staat sich da einmengt und dass das nicht nur nach individuellen Sehnsüchten gehen kann. Der Staat trägt schlussendlich die Verantwortung für die kommenden Generationen. Aber Adoptionen waren in Amerika schon immer etwas sehr Populäres und man hat damit einen viel unsentimentaleren Umgang und vielleicht auch nicht immer den richtigen Umgang, aber ich sehe das unter dem Aspekt, dass diese berühmten Ehepaare, die im Vordergrund stehen wie Brad Pitt und Angelina Jolie, vielleicht etwas weitergeben wollen, was sie empfangen haben. Die haben finanzielle Möglichkeiten, sich auszudrücken, und sie drücken sich aus, indem sie diese Projekte in Afrika machen. Sie bringen sie an die Öffentlichkeit, damit sie nicht immer um sich selbst kreisen oder um den Kosmos Hollywood. Das ist nämlich nicht der Kosmos, der schaut ganz anders aus, das sagen sie uns und das können sie uns sagen, denn sie sind Brad Pitt und Angelina Jolie. Dass sie diese beiden Kinder adoptiert haben, finde ich ganz großartig. Man sieht ja auch, dass sie gut umgehen mit den Kindern, oder?"

Ich weiß es nicht.
"Ich auch nicht, aber ich nehme es doch an."

Könnten Sie sich unter anderen Umständen so etwas auch für sich selbst vorstellen?
"Ja, durchaus, ja."

Schauen Sie eigentlich auch privat gerne Krimis?
"Selten. Ich bin überhaupt keine große Fernsehguckerin, das ist schon immer so gewesen. Wer in dem Metier arbeitet, der guckt eben ein bisschen weniger."

Sie sitzen also sonntagabends nicht auf der Couch und schauen sich den "Tatort" an…
"Auch mal und auch mit großem Vergnügen und natürlich auch immer mit Hintergrundwissen. Zum Beispiel war bei dem Zweiteiler ‚Emilia’, den ich vor zwei Jahren gemacht habe, eine junge Schauspielerin dabei - ganz jung, sie stand kurz vorm Abitur: die Rosalie Thomass. Die hat jetzt den Nachwuchspreis des deutschen Fernsehpreises bekommen. Das finde ich wunderbar und das habe ich mit großer Freude gesehen. Man konnte damals schon sehen, dass aus der was wird, dass sie etwas hat. Sie hat eine große Kraft und Phantasie. Sie war damals noch unsicher, ob sie überhaupt in den Beruf gehen sollte. Ich habe sie stark gedrängt und sie hat immer gesagt: ‚Moment, ich will jetzt erst einmal mein Abitur machen.' Und dann war sie in diesem Dominik-Graf-Film ganz großartig. Das macht mir Spaß zu verfolgen, wie die jungen Schauspieler in Deutschland an den Aufgaben, die man ihnen stellt, wachsen."

Sie haben kürzlich mit viel Erfolg Ihre Autobiographie geschrieben. Wenn sie nun verfilmt würde, wen könnten Sie sich in der Rolle der Senta Berger vorstellen?
"Darüber habe ich nicht weiter nachgedacht. Ich rätsele, wie diese Nachricht als Tatsache in die Zeitung kommt, denn das ist an einem privaten Abendessenstisch mal diskutiert worden und ich habe keine Ahnung, wer daraus eine dpa-Meldung gemacht haben könnte. Das ist so eine Idee eines sehr ernstzunehmenden Produzenten gewesen, der gesagt hat: ‚Das ist ja eigentlich keine Autobiographie in diesem Sinne. Für mich ist das ein Zeitdokument der 50er und 60er Jahre geworden und das würde ich gerne machen. Das kleine Mädel, das aus Unwissenheit mutig ist und fliegt.’ In diesem Stadium de Gespräche kann man daraus noch nicht eine Tatsache schaffen. Und ich habe wirklich gar keine Ahnung, wer das spielen könnte. Eigentlich müsste es ja eine Wienerin sein - auf jeden Fall, natürlich."

Ich habe gelesen, dass früher Sophia Loren ein Vorbild für Sie war und dass Sie sie dann in Italien kennen gelernt haben. Wie war das damals genau?
"Das war deshalb so witzig, weil sie ja eine ganz ähnliche Geschichte hat wie ich. Ich weiß jetzt nur nicht mehr, wer ihr Vorbild war... Auf jeden Fall eine große italienische Schauspielerin, die durch eine Misswahl berühmt geworden ist - vielleicht war es die Lollobrigida. Auf jeden Fall starten heute sehr oft Karrieren als Fotomodell und damals in den 50er und 60er Jahren starteten Filmkarrieren des öfteren durch eine Misswahl. Also war sie so sehr beeindruckt, dass sie auch zu einer Misswahl gegangen ist und, ich glaube, sie hat sie noch nicht einmal gewonnen. Wir haben uns gegenseitig diese Geschichte erzählt und ich sagte, ich war bei diesem Wettbewerb und sie sagte:' Das rührt mich, denn ich war aus den gleichen Gründen bei diesem Wettbewerb.’ Sagen wir mal auch aus einer jugendlichen Naivität: Weil man selbst noch gar nicht weiß, wer man ist, will man lieber jemand anderes sein. Ich wollte halt mit 15 die Sophie Loren sein und ich nehme mir das heute gar nicht übel."

Was hat Sie damals noch gereizt?
"Mich hat der Film "Vom Winde verweht" sehr stark beeinflusst. Kürzlich habe ich ihn im Fernsehen wieder gesehen und da wusste ich plötzlich wieder, warum: Ich wollte auch von Clark Gable geküsst werden! Ich habe mich damals natürlich total mit der Scarlett O`Hara identifiziert. Das hat mich aber auch weitergebracht, das hat mich in die Richtung gebracht zu sagen: ‚Ich möchte das auch probieren. Ich möchte schauspielerisch so gefordert werden.’"

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Die Autorin: Heike Kevenhörster
Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Karateka, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.