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DVD-Tipp

"Trainspotting"

published: 30.11.2006

"Trainspotting" (Foto: Universal) "Trainspotting" (Foto: Universal)

Zehn Jahre nach dem Kinostart kommt eine Special-Edition-Steelbox-DVD zu einem der besten britischen Filme überhaupt heraus. "Trainspotting" ist ein Film über Freundschaft, Zusammenhalt und den Alltag einer Bande junger Schotten, aber auch über Heroin, das Leben mit der Sucht und gnadenlosen Abstürzen. „Trainspotting“ wurde zu Regiseur Danny Hodges Meisterwerk und avancierte 1996 trotz seines geringen Budgets von 3,5 Millionen Dollar zu einem der erfolgreichsten britischen Filme aller Zeiten.

Wie das bei einem Film über das Leben und Leiden einer Hand voll Junkies passieren konnte? Hodges schaffte das, was nur wenigen, wie etwa dem Schriftsteller Charles Bukowski, gelang: Er zeigt eine Welt, die am Rande unserer eigenen existiert, eine klassische Parallelgesellschaft, und bleibt dabei authentisch. Er glorifiziert nicht, aber ebenso wenig deformiert er.

Mark Renton (Ewan McGregor) und seine Freunde Spud (Ewen Bremner) und Sick Boy (Jonny Lee Miller) hängen an der Nadel, aber auch Rentons einzige nicht drogenabhängige Kumpel, der gewalttätige Begbie (Robert Carlyle) und Tommy (Kevin McKidd), gehören zum bitteren Bodensatz unserer Gesellschaft. Gelangweilt und gleichgültig vegetieren sie in der Stadt Edinburgh vor sich hin. Ohne einen Sinn in ihrer Existenz zu erkennen, scheint es für sie auch keinen Grund zu geben keine Drogen zu konsumieren. Berauschende Höhenflüge und abgrundtiefe Downs, Entzüge und Exzesse wechseln sich ab.

Zwischendurch schafft es Renton, von dem Heroin loszukommen, nur um bei der nächsten Gelegenheit wieder abzustürzen. Weil seine Freundin ihn verlässt, hängt auch der bis dato saubere Tommy irgendwann an der Nadel. Und irgendwann zwischen Beschaffungskriminalität und dem Tod eines Babys zerbricht die Freundschaft der Jungs, wegen der einzigen wirklich wichtigen Sache im Leben eines Abhängigen: Geld.

Der Film brilliert mit tiefschwarzem Humor, durchweg ehrlichen und anschaulichen Dialogen und lebt von der Tiefe der gezeigten Charaktere. Die Musik im Film wird von Brit-Pop wie Blur und Pulp dominiert. Die Hymne des Filmes ist die Dancefloor-Nummer "Born Slippy". Sie unterstreicht das latente Gefühl, dass der Film einem Blick aus einem Zugfenster, mit immer schneller an einem vorbei ziehnden Ausschnitten einer anderen Welt, gleicht, sehr gut.

Auf der DVD „Trainspotting“ erfährt man unter dem Punkt "Extras" auch einen Einblick in die Entstehung von Szenen-Kompositionen des Regisseurs. Sein Schaffen beginnt mit Bildern, die Stimmungen transportieren, und das ist bei „Trainspotting“ in jeder Szene bemerkbar. Eindrucksvoll die Perspektive, aus der die Szene gedreht wurde, in welcher Renton von seinen Eltern zu einem kalten Entzug in seinem Kinderzimmer genötigt wird. Die Kamera schaut vom Fußende des Bettes aus zu. So nah dran, taucht der Zuschauer ein in Rentons Welt, die auf die Größe seines Bettes zusammenschrumpft. All seine verdrängten Tragödien tauchen in Form von Halluzinationen unter der Decke wieder auf. Plötzlich wird einem bewusst: Näher möchte man Renton nicht sein.

Der Film überschreitet Grenzen - Grenzen der Wahrnehmung und des guten Geschmacks. Er öffnet Türen zu Kellergewölben unserer Gesellschaft, in diffuses Licht getaucht, lernen wir verwundert Probleme von Menschen kennen, die wir niemals kennenlernen wollten. Wir werden geblendet von Spotlights, die Schicksale kalt und unerbittlich ausleuchten. Ohne Schnörkel, Verschönerung oder Zensur zeigt uns „Trainspotting“ Abgründe der menschlichen Seele. Der Film bietet keine Lösungen an und trotzdem hilft er weiter - nicht den Betroffenen, sondern uns Gaffern aus einer anderen Welt. Nämlich nachzuvollziehen, was nie verständlich sein wird.

[Birte Frey]

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