TV-Tipp

"Berlin – Saigon"

published: 26.03.2007

In der Stadt Miany beginnt der Tag in der Regel mit Gymnastik (Foto: shutterstock.com/vanHurck) In der Stadt Miany beginnt der Tag in der Regel mit Gymnastik (Foto: shutterstock.com/vanHurck)

"Berlin - Saigon" zeigt in vier Teilen die Reise von Dirk Sager von Berlin nach Saigon. Der Weg des ehemaligen ZDF-Russland-Korrespondenten ist mit 16.000 Kilometern die von Berlin aus längste Strecke, die mit dem Zug zu bewältigen ist. Sagers Fahrt führte über die Wolga nach Kasachstan, durch das Reich der Mitte bis tief hinein in den Süden Vietnams. Auf diesem vielseitigen Weg traf er Fischer, führte Gespräche mit Fahrgästen in den Zügen, besuchte brachliegende Dörfer und - wie könnte es anders sein - eine Wodka-Probe in Tambow.

Die muslimischen Minderheiten im Westen pflegen eine kunstvolle Friedhofskultur (Foto: ZDF/Karin Köhler)Die muslimischen Minderheiten im Westen pflegen eine kunstvolle Friedhofskultur (Foto: ZDF/Karin Köhler)

Tambow? Noch nie davon gehört? Kein Wunder, die kleine russische Provinzstadt liegt so weit ab, dass selbst die Wehrmacht nicht bis dorthin gelangte. Doch wo nicht die zerstörerische Kraft des Krieges wütete, beeinflusste der Kommunismus das Stadtbild. Fade Plattenbauten säumen die Straßen des Ortes, der in Russland einzig und allein für seinen herausragenden Wodka bekannt ist.

Auch zu vielen anderen Orten wurde Sagers Team von ortskundigen „Pfadfindern“ geführt. Auf seinem Weg sprach er mit den „kleinen Leuten“. Dabei entstanden viele kleine Portraits, die in in ihrer Gesamtheit von politischen Irrwegen in der Vergangenheit und deren Auswirkungen in der Gegenwart erzählen. Dass das Leben der Menschen aber nicht nur von einstigen Diktatoren wie Mao oder Stalin bestimmt wird, zeigt sich daran, dass das Team in China und Vietnam nur unter Aufsicht drehen durfte.

Berlin-Saigon deckt keine Staatsgeheimnisse auf und befriedigt keine Sensationsgelüste, aber es zeigt eine Realität, deren Ursprünge wir aus Büchern kennen und schafft es so, Geschichte sichtbar zu machen.

Zu Gast in der Sechuan-Oper in Chengdu (Foto: ZDF/Karin Köhler)Zu Gast in der Sechuan-Oper in Chengdu (Foto: ZDF/Karin Köhler)

Einzig bleibt die Frage, ob Dirk Sager mit seiner Reportage den durchreisten Länder einen Gefallen erweist. Er zeigt Ausschnitte und Momentaufnahmen, die ohne einen Bezug unverständlich blieben. Die sind das Ergebnis vergangener Zustände, welche an den meisten Orten noch nicht überwunden wurden, teilweise sogar noch normale Gegenwart sind. Und so erzählt er von der politischen Vergangenheit der Orte, die er besucht, manchmal etwas zu übereifrig.

Die Aufmerksamkeit des Zuschauers kehrt immer dann zurück, wenn es dem Kameramann Heinz Kerber gelingt, absurde Bilder einzufangen, wie beispielsweise beim Besuch bei kasachischen Fischern. Der versiegende Aralsee schafft nicht nur eine hohe Arbeitslosenzahl, sondern auch shagallhafte Bilder von Schneewüsten, in denen sich Kamele ganz natürlich zu Schiffswracks gesellen. Die Reportage Berlin-Saigon ist genauso schlicht wie die Länder, die sie zeigt, und ermöglicht dem Zuschauer damit einen ganz ehrlichen Eindruck.

Sendezeiten "Berlin-Saigon: Dirk Sagers Eisenbahnreise um die halbe Welt":

"Aufbruch an die Wolga"
Dienstag, 27. März 2007, 20:15 Uhr, ZDF

"Zum Höllenfeuer nach Kasachstan"
Dienstag, 3. April 2007, 20:15 Uhr, ZDF

"Morgenröte im Reich der Mitte"
Dienstag, 10. April 2007, 20:15 Uhr, ZDF

"Frühlingszauberin Vietnam"
Dienstag, 17. April 2007, 20:15 Uhr; ZDF

[Birte Frey]

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