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"Junges Deutschland"

published: 16.04.2014

Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann reisen für die Sendung "Junges Deutschland" in die Vergangenheit (Foto: Public Address) Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann reisen für die Sendung "Junges Deutschland" in die Vergangenheit (Foto: Public Address)

Wie war das Leben als Teenager im Kaiserreich? Was bewegte Jugendliche in der Nazidiktatur, der DDR und der Phase der Studentenunruhen? Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann begeben sich für die Doku "Junges Deutschland" auf Zeitreise. Die Sendung mischt altes Filmmaterial mit neu gedrehtem Footage, das im historischen Stil gehalten ist. Das Erste sendet die Tour de Force durch über 100 Jahre Geschichte am Ostermontag, 21. April, ab 18.30 Uhr. Pointer hat mit den Schauspielern gesprochen.

Sie tauchten ein in die Zeit des Ersten Weltkriegs, in die Weltwirtschaftskrise, in die Welt der Wandervögel, der Wilden 50er, der Hippies und Punks: Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann verkörpern in der 90-minütigen Produktion junge Menschen, die nicht nur in ganz verschiedenen Epochen lebten, sondern auch völlig andere Weltanschauungen und politische Standpunkte hatten. Wenn es eine Zeitmaschine gäbe, mit der sie in eine dieser vergangenen Zeiten reisen könnten, würde ihnen die Wahl leicht fallen. Anna Maria reizen besonders die 20er-Jahre, in die sie gerne "für ein, zwei Wochen reinhuschen" würde. "Damals hatten die Leute so stilvolle Kleider. Und gute Musik – den Charleston!", lacht sie. Kostja haben es stattdessen die 50er- und 60er-Jahre angetan. Die Musik und Anzüge dieser Zeit entsprechen eher seinem Geschmack. "Und den Mauerfall hätte ich gern bewusster miterlebt", fügt der 1984 im Westen Geborene hinzu. Anna Maria wuchs im Osten auf, war bei der Wende vier Jahre alt. "Ich habe damals nichts mitbekommen, hätte aber gerne Erinnerungen an das Lebensgefühl von damals", sagt sie.

Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann stellen "Junges Deutschland" vor (8 Bilder)

Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann stellen "Junges Deutschland" vor
Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann stellen "Junges Deutschland" vor
Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann stellen "Junges Deutschland" vor
Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann stellen "Junges Deutschland" vor


Doch im Grunde sind die beiden Kinder der 90er-Jahre. Aus dem Radio tönte in dem Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende Eurodance und Technopop à la Blümchen in Dauerschleife. Die jugendliche Anna Maria stand auf Take-That-Sänger Robbie Williams und bauchfreie Tops. "Meine Mutter hat immer gesagt: 'Deine Nieren werden kalt!'", lacht sie. "Und ich: 'Aber es gehört doch so!'" Im Nachhinein, sinniert sie, würde sie jetzt das Gleiche zu ihrer Tochter sagen, nämlich: "'Zieh dir was Anständiges an!'" Kostjas Jugend war – neben Fußballspielen im Park - geprägt vom Game Boy. "Spielekonsolen waren damals mega. Noch heute geht mir das Herz auf, wenn ich einen Game Boy in der Hand halte, ihn anschalte und das typische Geräusch höre", schmunzelt er. Aus nostalgischen Gründen hat er kürzlich sogar ein graues Original-Exemplar von früher ersteigert. "Ich muss irgendwann mal meinem Nachwuchs zeigen, mit was ich aufgewachsen bin", meint er.

In dieser Zeit steckte auch das Web noch in den Kinderschuhen. Kostja war technikbegeistert. "Damals ging man mit einem 56K-Modem ins Internet, das wie ein komisches Faxgerät erst einmal 20-mal gefiept hat, während es sich ins Internet einwählte. Und wenn man eine Webseite wechselte, dauerte das locker eine Minute." Heute bezeichnet sich Kostja als "Apfel-verseucht" und gibt zu, sich hilflos zu fühlen, wenn er sein Handy mal zuhause vergessen hat und vorübergehend nicht mehr telefonieren oder sofort sehen kann, ob jemand etwas geposted oder eine Mail geschickt hat. Anna Maria dagegen ist weder bei Twitter noch besitzt sie einen Facebook-Account. "Mein Smartphone habe ich nur dabei, damit ich erreichbar bin, falls etwas mit meinem Kind ist", sagt die 28-Jährige. E-Mails laufen nicht auf ihr Handy. Das fände sie furchtbar, sagt sie.

Junges Deutschland - Official Trailer HD Wie war es jung zu sein von 1900 - 1990? Wie erlebte man die erste Liebe, den ersten Sex? Begebt euch mit Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann auf eine historische Spurensuche und entdeckt die Geschich Junges Deutschland - Official Trailer HD

Trailer "Junges Deutschland"


Als besonders schrecklich und befremdlich empfanden beide Darsteller die Kriegsbegeisterung der deutschen Jugend anno 1910 kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Entsprechend schwierig war für sie dieser Teil der Dreharbeiten. "Dass eine ganze Generation so heiß darauf war, Krieg zu führen – Wahnsinn!", meint Anna Maria. In solchen Momenten sei sie froh, dass sie sich in ihrem Beruf zwar in diese Mentalität einfühlen, diese aber auch wieder loslassen darf. "Zum Glück muss ich damit nicht ins Bett", lächelt sie.

Auf eigene Erfahrungen politischer oder rebellischer Natur konnten die Mimen für die Dreharbeiten kaum zurückgreifen. "Ich habe mit 15 angefangen zu drehen, insofern blieb da nicht viel Raum, um rebellisch zu sein. Ich musste funktionieren und das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht", sagt die Tochter der Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe. Sie habe das Glück gehabt, sehr früh zu wissen, was sie in ihrem Leben wolle. Als politisch bewegt will auch Kostja seine Jugend nicht beschreiben. "Ich bin wohlbehütet aufgewachsen. Mir ging es sehr gut. Ich hatte keinen Grund zu rebellieren und bin höchstens mal gegen Atomtransporte auf die Straße gegangen" sagt der 29-Jährige fast schuldbewusst. Er habe von dem profitiert, was frühere Generationen erkämpft hätten.

Bei denjenigen, die heute um die 16 Jahre alt sind, sieht er – Globalisierung hin oder her - noch weniger Grund zum Protest. "Man lebt in Deutschland im Überfluss. Selbst wenn man nicht arbeitet, kriegt man Hartz IV. Wofür soll man da großartig einstehen?" fragt er. Anna Maria beobachtet, dass sich viele jüngere Menschen angesichts der gegenwärtig so zahlreichen Möglichkeiten verlieren. "Sie wissen nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen und wohin es in ihrem Leben gehen soll", meint sie. Dann sei es wichtig, vertraute Menschen um sich zu haben, die einem Wege aufzeigen könnten. "Sonst bleibt man schnell stecken in seinem Ich-muss-mich-erstmal-finden-Sumpf."

"Junges Deutschland"
Das Erste, 21. April, 18.30 Uhr

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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