Kino-Tipp

"Der große Demokrator"

published: 02.10.2014

In seiner Dokumentation "Der große Demokrator" beobachtet Regisseur Rami Hamze die Schwierigkeiten eines demokratischen Prozesses (Foto: BraveHearts) In seiner Dokumentation "Der große Demokrator" beobachtet Regisseur Rami Hamze die Schwierigkeiten eines demokratischen Prozesses (Foto: BraveHearts)

Ein politisches Experiment des Regisseurs Rami Hamze macht deutlich: Demokratie ist alles andere als einfach. In seiner Dokumentation "Der große Demokrator" treffen verschiedenste Charaktere und Interessen aufeinander. Dass allein diese Faktoren ausreichen, um einen demokratischen Prozess beinahe zum Scheitern zu bringen – eine erschütternde Erkenntnis.

Demokratie zum Anfassen

Hamze hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Köln-Kalk die Initiative zu ergreifen und die Bürger hautnah Demokratie erleben zu lassen. Dafür hat er in der Aktion "Kalk für alle" 10.000 Euro Spendengelder gesammelt. Diese Summe stellt er dem Bezirk für ein unbestimmtes soziales Projekt zur Verfügung. Sich engagieren darf jeder - und wie die Beteiligten die Summe anlegen, überlässt er ihnen. Die einzige Bedingung: Das Ergebnis muss in einem demokratischen Prozess beschlossen werden.

Der große Demokrator - offizieller Kinotrailer Ab 2. Oktober im Kino Der große Demokrator - offizieller Kinotrailer

"Der große Demokrator"

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"Ein einfacher Film über komplizierte Angelegenheiten"

Demokratisch zu verhandeln, entpuppt sich als schwieriger und nervenaufreibender als erwartet. Die Vorschläge, Emotionen und Reaktionen der Beteiligten dokumentiert Regisseur, Drehbuchautor und Protagonist Hamze unnachgiebig. Die Filmtechnik des ehemaligen Kunststudenten ist unkompliziert und simpel gehalten. Der Untertitel seiner Doku "Ein einfacher Film über komplizierte Angelegenheiten" fasst den Film treffend zusammen.

Demokratische Abstimmungungen gestalten sich komplizierter als Regisseur Hamze gedacht hätte (Foto: BraveHearts)Demokratische Abstimmungungen gestalten sich komplizierter als Regisseur Hamze gedacht hätte (Foto: BraveHearts)

Seriosität und Selbstironie

Wenn sich auch das Thema Demokratie trocken und ernst anhört, so ist die Umsetzung dies keinesfalls. Hamze geht sein Projekt im Gegenteil mit einer gehörigen Portion Humor an. Nicht nur, dass er eine absurde Situation nach der anderen einfängt - er nimmt sich auch selbst nicht zu wichtig. Sein heeres Vorhaben, 10.000 Euro für ein soziales Projekt zur Verfügung zu stellen, war natürlich von Anfang an als roter Handlungsfaden für einen Film gedacht, der die Tücken der Basisdemokratie aufzeigt. Dass er das auf so realistische und witzige Art schafft, ist eine große Leistung. Mit viel Geduld, Respekt und Ausdauer beißt Hamze sich durch die teilweise ausartenden Diskussion und Auseinandersetzungen. So führt uns "Der große Demokrator" vor Augen, wie schwer Demokratie wirklich ist.

"Der große Demokrator" lässt eine Utopie auf den Boden der Tatsachen prallen. Die Erkenntnis, dass es unmöglich ist, jeden einzelnen zufrieden zu stellen, sondern lediglich die Mehrheit, hinterlässt bisweilen ein deprimierendes Gefühl beim Zuschauer. Aber nur solange, bis man sich entweder daran erinnert, dass jede andere Form der Entscheidungsfindung noch weniger gerecht wäre. Oder angesichts der irrwitzigen Details einfach in Lachen ausbricht.

Originaltitel: "Der große Demokrator"; Dokumentation; Deutschland 2014; Regie: Rami Hamze; Drehbuch: Rami Hamze; Kamera: Janis Mazuch; Schnitt: Matthias Stoll; Darsteller: Rami Hamze; Laufzeit: 86 Minuten; FSK: o.A.; Verleih: BraveHearts; 2. Oktober 2014

[PA]

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Trailer von "Der große Demokrator"
Homepage "Der große Demokrator"

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