CD-Tipp

Ich + Ich - "Vom selben Stern"

published: 16.06.2007

Ich + Ich - "Vom selben Stern"  (Foto: Universal) Ich + Ich - "Vom selben Stern" (Foto: Universal)

"Vom selben Stern" heißt nicht nur das zweite Album von Annette Humpe und Adel Tawil alias Ich + Ich. Der Titel ist auch als programmatische Ansage der beiden Musiker zu verstehen, die knapp 30 Jahre Altersunterschied voneinander trennt. Gesanglich steht neuerdings fast ausschließlich Tawil im Vordergrund, während Humpe songschreiberisch die Zügel in der Hand hält.

Der Titelsong lässt den Hörer zunächst im Ungewissen: Befindet man sich nun im tarantinohaften Mexiko oder im zeichentrick´schen Animationswust à la Gorillaz? Doch spätestens als Humpe als Astronautin aus Sternenstaub im verdächtigen Uh-Uh-Sauseschritt durch den Background düst, wird klar: Ich + Ich versuchen, in der Welt des Elektro-Pop ihren eigenen Stern zu finden. Da rutschen schon einmal vergangene Töne aus den 80ern dazwischen, es sei ihnen verziehen.

Mit "Junk" beziehen die beiden deutlich Stellung gegen medienbesessenen Konsum-Wahn. Überzeugend sparsam eingesetzte Effekte unterstützen die Aufforderung "Hände weg vom Junk" und wickeln mittels dünner Elektrofäden und bedrohlichem Synthesizer ein. Schon beim ersten Mal wippt der Kopf des Hörers unwillkürlich im Takt und die Lippen formen voller Einverständnis die Worte des Refrains "Jump, Jump...", äh, "Junk, Junk...".

Zwischen Annette Humpe und Adel Tawil liegen knappe 30 Jahre Altersunterschied (Foto: Public Address)Zwischen Annette Humpe und Adel Tawil liegen knappe 30 Jahre Altersunterschied (Foto: Public Address)

Eines der eindringlichsten Stücke folgt auf dem Fuße: So entlockt einem das balladeske "Stark" nicht nur einmal ein nachdrückliches "Genau!", wenn es vorwurfsvoll feststellt: "Mein Leben ist ein Chaos, schau´ mal genauer hin". Die schwermütige Stimmung der Platte ist gleichzeitig auch ihr Stempel, der (glücklicherweise) nur einmal vollkommen überzeichnet wird: "Nichts bringt mich runter" wirkt angesichts seines hoppsig-fröhlichen Wesens etwas skurril gegen den gedeckelten Rest.

Zum Ende der Scheibe machen die beiden Musiker dann noch einmal ernst: Mit Beziehungsende, Depression und Tod lassen sie thematisch auch wirklich keinen Tiefpunkt aus. Bei "Wenn ich tot bin" zwingt Tawils leidende Stimme schließlich zu einigen Stoßseufzern. Ich + Ich leben von Melancholie und größtenteils intelligenten Texten, die inhaltlich angenehm unverbraucht sind. Mit ihrem Album werden sie vor allem diejenigen erreichen, die auf der Suche nach Antworten sind und dabei gerne auf neue Fragen stoßen.

[Franzisca Teske]

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www.ich-und-ich.de

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