Laith Al-Deen im Interview

"Nasenstüber im Nachhinein"

published: 27.06.2007

Laith Al-Deen spricht mit Unikosmos über seine Hochzeit, seine Kokain-Zeit und sein neues Album "Die Liebe zum Detail" (Foto: Public Address) Laith Al-Deen spricht mit Unikosmos über seine Hochzeit, seine Kokain-Zeit und sein neues Album "Die Liebe zum Detail" (Foto: Public Address)

Im Juli lässt sich Laith einen Ehering anstecken (Foto: Public Address)Im Juli lässt sich Laith einen Ehering anstecken (Foto: Public Address)

Jetzt schwebt Laith Al-Deen auf Wolke sieben: Sein fünftes Album "Die Liebe zum Detail" stieg direkt auf Platz drei der Charts ein, im Juli heiratet er seine Freundin und im Herbst startet er eine ausgedehnte Tour durch Deutschand.

Im letzten Jahr sah der Himmel für den Mannheimer Musiker noch etwas düsterer aus. Ein Gericht hatte den "Bilder von Dir"-Sänger wegen des Kaufens von Kokain zu einer Geldstrafe von 15.000 Euro verurteilt. Im Interview mit Unikosmos macht Laith klar, dass er mit den Drogen abgeschlossen hat, und erklärt, wie er sich von den jugendlichen Anfängen bis heute verändert hat.

Es war zu lesen, dass Du im Juli heiratest. Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es dazu?
"Das frage ich mich auch: Ich war betrunken (lacht). Ich glaube, wenn man jemanden trifft, mit dem man diese Form von Leichtigkeit hat, muss man nicht mehr alles hinterfragen. Ich bin der Letzte, der gedacht hätte, dass ich nach einer relativ kurzen Zeit des Zusammenseins heiraten würde. Wir kennen uns zwar lange, aber so wirklich zusammen waren wir nie. Also ging das jetzt alles relativ schnell. Die Außenstehenden, die uns kennen, meinten: 'Was ist los? Wie – heiraten? Bist du bekloppt? Denk doch mal nach!' und so weiter. Mir war das eigentlich ziemlich klar, dass ich das will. Mir war das vorher in der Form noch nie klar. Das ist jetzt im Prinzip schon ein Jahr, in dem dieses Gefühl von Energie und Leichtigkeit einfach anhält. Also wenn das keine Grundlage ist, was dann?"

Heiratet Ihr auch kirchlich?
"Nein, ich bin konfessionslos und würde mich nicht taufen lassen, nur um in der Kirche zu heiraten. Das finde ich Quatsch."

Laith schätzt am Erfolg heute vor allem, dass er ihm Sicherheit gibt (Foto: Public Address)Laith schätzt am Erfolg heute vor allem, dass er ihm Sicherheit gibt (Foto: Public Address)

Warum ist es Dir überhaupt wichtig zu heiraten, wenn es keinen religiösen Hintergrund hat?
"Ich halte viel von der Idee, einander etwas zu versprechen. Ehe hat mit Romantik gar nicht so viel zu tun, sondern mit Arbeit und mit der Leidenschaft, diese Aufgabe gemeinsam anzugehen. Ich habe mich mit zwei Goldene-Hochzeits-Paaren unterhalten. Und was bei denen herauskam, war, dass die all die Jahre auf den kleinen Höhen, die es zwischendurch gibt, über die schlechten und alltäglichen Phasen, die überwiegen, geglitten sind. Das hat ganz viel mit Kompromissen und gegenseitigem Vertrauen zu tun, was ewig dauert. Ich bin gespannt, ob wir das hinkriegen. Ein Versprechen ist als Start eine gute Sache."

Hast Du ihr ganz klassisch einen Heiratsantrag gemacht?
"Ich musste sie ja aus den Staaten zurück nach Deutschland holen und das macht man ja nicht grundlos."

Du hättest natürlich auch zu ihr ziehen können...
"Ich hätte auch dahin ziehen können, also Karriere aufgeben, genau, das wäre auch eine Variante gewesen.

Kokain ist eine schlimme Droge, wie Laith aus eigener Erfahrung weiß (Foto: Public Address)Kokain ist eine schlimme Droge, wie Laith aus eigener Erfahrung weiß (Foto: Public Address)

Aber ihr passte das jetzt eigentlich ganz gut. Es gab den klassischen Heiratsantrag, das habe ich mir nicht nehmen lassen."

So richtig mit auf die Knie gehen und Ring und so?
"Fast, aber das werde ich hier nicht erzählen..."

Und jetzt bist du wahrscheinlich im Stress, was die Hochzeitsplanung betrifft.
"Ja. Zur Feier kommen eigentlich nur Freunde und ein kleiner Teil Familie, das reicht. Da sind Musiker dabei und Gott sei Dank spielt keine Band auf der Hochzeit. Das finde ich schlimm auf Musiker-Hochzeiten, wenn zusammengewürfelte Bands stundenlang jammen. Bei uns wird das alles eher gemütlich. Es kommen Araber, es kommen Amerikaner und es kommen Deutsche. Wir machen so eine Art Kulturtreffen und lassen uns mal überraschen, was passiert."

Im letzten Jahr wurdest Du wegen Kokain-Erwerbs verurteilt. Hast Du mit Drogen heute komplett abgeschlossen?
"Ja. Das lag sowieso schon ziemlich lange zurück und kochte nur hoch, weil es ewige Zeit später diese Verhandlung gab. Das ist jetzt vier Jahre her. Es war ein guter Denkzettel. Vor allen Dingen war es im Nachhinein noch einmal ein Nasenstüber - nach dem Motto, guck mal, was dabei heraus gekommen ist! Den gewissen Teil meines Bekanntenkreises aus dieser Zeit habe ich schon lang nicht mehr gesehen. Aber ein paar Sachen habe ich für mich dann doch mitgenommen und gelernt, leider Gottes."

Einen "Nasenstüber im Nachhinein" nennt Laith seine Verurteilung wegen Kokain-Erwerbs (Foto: Public Address)Einen "Nasenstüber im Nachhinein" nennt Laith seine Verurteilung wegen Kokain-Erwerbs (Foto: Public Address)

Hast Du eine Erklärung dafür, warum speziell im Musikbusiness die Leute dafür so anfällig zu sein scheinen?
"Ich glaube, da treffen sich Klischees. Das Klischee Sex, Drugs and Rock`n`Roll, kommt aus einer Zeit, die definitiv vorbei ist. Leute, die in der Form Rock`n`Roll leben, kenne ich keine. Ich kenne nur Leute, die so tun als ob. Wenn man das richtig durchziehen wollte, wäre das richtig hart: Der Eine oder Andere hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Und ich würde behaupten, dass Drogen in der Anwalt- und Ärzte-Riege mindestens genauso vorherrschend sind. Da kriegt es nur keiner mit: Die Anwälte kriegen sich da besser aus der Affaire gezogen. Und vielleicht will man auch gar nicht wissen, dass der Arzt, der vielleicht gerade die Leber herausnimmt, voll auf Kokain ist, weil der schon seit 23 Stunden arbeitet. Allerdings ist es schon so, dass viele Musiker, die ich kenne, gerne vor der Realität flüchten. Aber ich glaube, da kenne ich nicht nur Musiker, die das gerne tun. Die meisten von uns frönen doch ganz gerne mal dem Alkohol, was ja im Endeffekt nichts anderes ist. Das gibt sich die Klinke in die Hand. Es ist nur definitiv eine schlimme Droge, weil sie ganz schwer zu kontrollieren ist."

Sprichst Du jetzt von Kokain oder Alkohol?
"Von Kokain. Über Alkohol brauchen wir gar nicht zu reden."

War es für Dich schwer, Dich vom Kokain zu verabschieden oder war das lediglich eine Probier-Geschichte?
"Es ist schwer, sich von etwas zu verabschieden, von dem man überhaupt nicht realisiert, dass man näher dran ist, als man denkt.

Laith verführte seine Band zu einer Live-Session im Studio (Foto: Public Address)Laith verführte seine Band zu einer Live-Session im Studio (Foto: Public Address)

Man selbst hat gar nicht das Gefühl, dass man schon einen Schritt zu weit gegangen ist. Du hast das Gefühl, du hast es im Griff und steckst überhaupt nicht drin. Das hat nichts damit zu tun, ob man ein regelmäßiger Konsument ist oder es nur an bestimmten Tagen tut oder gelegentlich oder wie auch immer. Es ist einfach eine Entwicklung im Schädel, die man sich eingestehen muss. Von daher ist jedes Loskommen von einer fortlaufenden Geschichte, die sich im Kopf eingebürgert hat, extrem schwierig. Ja, es war ohne Frage schwierig für mich."

Umso mehr Respekt dafür, dass Du es hingekriegt hast.
"Danke. I am looking forward to the future. Elton John sagte mal in einem Interview, nach 14 Jahren habe sich für ihn überhaupt nichts verändert. 14 Jahre ohne, was ich ihm nicht glaube, 14 Jahre ohne Kokain, aber wenn er dran denke, kriege er feuchte Hände. Das finde ich ziemlich abgefahren. Also wird es wahrscheinlich so sein wie beim Rauchen. Ich kenne keinen Raucher, der davon weg ist und der das Gefühl nicht kennt, irgendwie noch Lust auf eine Zigarette zu haben."

Dein Album heißt "Die Liebe zum Detail". Welches Detail gefällt Dir an Deinem Album am Besten?
"Dass wir zum ersten Mal eine echte Bandsession darauf haben, ist eine Neuerung für mich. Es gibt der Platte mehr Leben und ein Stück Abwechslung."

Was genau meinst du mit 'Bandsession'? Heißt das, alle Musiker haben gleichzeitig gespielt und das wurde direkt so aufgenommen?
"Ja, genau. Eine komplette klassische Studiosession, wie ich das von früher kenne. Meine Produzenten kommen ja eher aus der Elektro-Ecke, die tun sich immer schwer mit Menschen (lacht). Sie sind lieber in Studios. Die Jungs haben den Zugang zur Akustik ein bisschen verloren. Aber die originale Bandsession hat richtig Spaß gemacht. Es gibt auf der Platte eine Nummer ohne Klick - also ohne Metronom. Das ist für den Popbereich eine Seltenheit. Der Song ist 'Ich hab's dir nie gesagt'."

Laith Al-Deen hat gut lachen: Das neue Album ist ein Hit und er ist glücklich verliebt (Foto: Public Address)Laith Al-Deen hat gut lachen: Das neue Album ist ein Hit und er ist glücklich verliebt (Foto: Public Address)

Wenn Du zurückdenkst ins Jahr 2000, als Du Deinen Durchbruch hattest, und Dich vergleichst mit dem Mann, der Du damals warst, und dann guckst, wie Du Dich heute siehst, was hat sich in Deinen Augen am deutlichsten verändert?
"Ich bin ängstlicher geworden. Und ich habe ein anderes Verhältnis zu dem Begriff 'Erfolg'. Früher war 'Erfolg' für mich definitiv ein leeres Wort. Heute ist es viel, was meine Bestrebungen verbindet. Da geht es nicht rein um Popularität, sondern ein Stück weit um Lebensgrundlage. Ich habe es mir ja ausgesucht, mit Musik Geld zu verdienen. Heutzutage ist es nicht mehr so, dass man bis ans Lebensende ausgesorgt hat, wenn man fünf Alben gut verkauft hat. 'Erfolg' steht auch für Beständigkeit und Sicherheit. Das ist wichtig für jemanden wie mich, der jetzt ins Familienleben reinspringt. Ich mache mir heute mehr Gedanken, und gucke mehr in die Zukunft."

Tourdaten
14.10.2007 Altglashütten/Feldberghalle
16.10.2007 München/Tonhalle
18.10.2007 Stuttgart/Hegelsaal
20.10.2007 Karlsruhe/Festhalle Durlach
21.10.2007 Mannheim/Mozartsaal
22.10.2007 Ulm/Roxy
23.10.2007 Radolfzell/Milchwerk
25.10.2007 Trier/Europahalle
26.10.2007 Köln/E-Werk
27.10.2007 Dortmund/Westfalenhalle2
28.10.2007 Bielefeld/Ringlokschuppen
30.10.2007 Leipzig/Haus Auensee
31.10.2007 Dresden/Alter Schlachthof
01.11.2007 Berlin/Columbiahalle
03.11.2007 Fürth/Stadthalle
04.11.2007 Offenbach/Capitol
07.11.2007 Weimar/Weimarhalle
08.11.2007 Göttingen/Stadthalle
09.11.2007 Hannover/Capitol
12.11.2007 Hamburg/Grosse Freiheit
13.11.2007 Kiel/Max
14.11.2007 Rostock/Stadthalle
16.11.2007 Bremen/Pier2

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.laith.de

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