Dashboard Confessional im Porträt

Verödete Tränendrüsen

published: 23.08.2007

Dashboard Confessional - "Dusk And Summer"  (Foto: Universal) Dashboard Confessional - "Dusk And Summer" (Foto: Universal)

Chris Carrabba ist in Szene-Kreisen schon lange ein Begriff. 1999 startete er Dashboard Confessional. Als Chris auch noch Sänger bei Further Seems Forever war, entstand im Jahr 2001 deren grandioses Debüt-Album "The Moon Is Down". Dass Chris Carrabba kurz darauf die Band verließ, um sich voll und ganz Dashboard Confessional zu widmen, haben Further Seems Forever, die anschließend mit wechselnden Sängern weitermachten, nie verkraftet. Viel Spott und Hohn musste Chris sich anhören, der von da an als Ein-Mann-Band Dashboard Confessional durch kleine Hallen tourte und dramatisch-emotionalen Akustik-Punk vom Feinsten machte. Das war im Jahr 2001. In Emo-Kreisen als "Heulsuse" verschrien, wurde es in einschlägigen Foren ein regelrechter Sport, Chris-Carrabba-Witze zu reißen. Zum Beispiel: "Chris hat sich bestimmt die Tränendrüsen veröden lassen, sonst würde er die ganze Zeit weinen."

An dieser neuen Emotionalität schieden sich die Geister, aber viele begeisterten sich für den kleinen Mann mit der Gitarre und den Texten über gebrochene Herzen, Selbstmordgedanken, unerwiderte Liebe und verlorengegangene Leidenschaft. Mehr war nicht nötig, um eine grandiose familiäre Live-Atmosphäre zu kreieren. Chris ermutigt die Konzertbesucher, bei seinen Liedern mitzusingen, was eine einzigartige Stimmung erzeugte.

Schon beim letzten Album "A Mark A Mission And A Brand" kündigten sich Neuheiten an. Das minimale Ein-Mann-Eine-Gitarre-Konzept der Alben "The Swiss Army Romance" und "The Places You Have Come to Fear the Most" war Vergangenheit. Dashboard Confessional wurden eine richtige Band, unterstützt durch einige der Musiker, die Chris schon beim "MTV-Unplugged"-Konzert von 2002 begleitet hatten. In Amerika liefen Dashboard Confessional schon sehr erfolgreich, aber in Deutschland wollte die Rakete einfach nicht starten.

Die Single "Hands Down" fungierte als Titelmusik der Pro7-Serie "18 – Allein unter Mädchen" und wurde trotzdem kaum wahrgenommen. Für viele alte Fans war das Thema Dashboard Confessional ab diesem Album erledigt. Das war nicht Fisch und nicht Fleisch: nette Pop-Rock-Musik, die keinem wehtut, wie viele andere Bands sie auch machen. Gerade das, was den Charme und die Einzigartigkeit ausgemacht hatte - ein einzelner Mann mit Mut und Emotionen - war kaum noch zu spüren. Mit dem Versuch, ein Mainstream-Publikum anzusprechen, verzeichneten Dashboard Confessional in Deutschland trotzdem keinen nennenswerten Erfolg.

Das soll jetzt alles anders werden. Dashboard haben ihr Album "Dusk And Summer" veröffentlicht, das in den USA bereits letztes Jahr erschienen ist. Auch die Single "Stolen" kam in den USA bereits letztes Jahr heraus, allerdings ohne Duettpartnerin Eva Briegel von Juli. Diese Kooperation dient nun allein dem Zweck, Dashboard Confessional in Deutschland in die Charts zu bringen. Und siehe da, es hat geklappt: Die Single "Stolen" stieg auf Platz 16 in die deutschen Single Charts ein.

"Dusk And Summer" beginnt mit "Don`t Wait", bei dem sich leider der schmerzhafte Vergleich mit der irischen Pop-Gruppe The Corrs aufdrängt. "Reasons To Believe" steigt dann mit verzerrten Gitarren à la Saves The Day ein und etwas vom alten Schmerz wird hörbar. Dies bleibt leider einer der wenigen Momente, in denen Chris nicht weichgespült und verliebt ins Mikro haucht und flüstert.

Wer Dashboard Confessional erst seit der Single mit Juli kennt, wird "Dusk And Summer" lieben, denn die Band macht immer noch wunderschöne, wenn auch teilweise etwas belanglose Musik. Es ist ein reines "im Sommer mit dem Auto durch die Gegend fahren"-Album für Juli-Fans geworden. Dashboard wollen neue Fans und die werden sie auch kriegen. Chris ist definitiv immer noch ein grandioser Sänger und Songwriter, der es wie kein anderer schafft, seine Zuhörer zu berühren und mitzureißen. Nur die Fans der ersten Stunde werden enttäuscht sein, wenn sie sich "Dusk And Summer" anhören, da die Band mit der urspünglichen Idee nicht mehr viel zu tun hat. "Dusk And Summer" ist eben eher leicht verdauliche Kost. Im Dezember sind Dashboard Confessional mit Maroon 5 auf Tournee. Das passt.

Als Special Guest bei Maroon 5
13.12.2007 Düsseldorf/Phillipshalle
15.12.2007 München/Zenith

[Jan van Hamme]

Amazon

Links

Dashboard Confessional

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung