CD-Rezension

Amber - "Unsterblich"

published: 17.10.2007

Auf ihrer CD "Unsterblich" verbindet Amber Gothic, Folk und Mittelaltermusik (Foto: Thomas Nattermann)Auf ihrer CD "Unsterblich" verbindet Amber Gothic, Folk und Mittelaltermusik (Foto: Thomas Nattermann)

Zu versuchen, den Stil eines Musikers mit einem Wort oder einem Genre zu beschreiben, schlägt meist fehl. Reduziert man doch die Arbeit des Künstlers auf ein Schlagwort oder steckt ihn in eine musikalische Schublade. Und der potenzielle Hörer denkt: "Aha, so wird die Musik wohl klingen".

Bei einfach und lieblos produzierten Stücken mag dieses Vorgehen dennoch von Erfolg gekrönt sein. Bei der Sängerin Martina Sofie Noeth alias Amber ist es zweifellos fehl am Platz. Zwar geben Begriffe wie "Gothic", "Mittelaltermusik" oder "Mittelalterrock" eine Richtung vor; sie treffen die vielschichtigen Klangcollagen aber doch ungenau.

Amber begann ihre Karriere als Musikerin als Bänkelsängerin (Foto: Thomas Nattermann)Amber begann ihre Karriere als Musikerin als Bänkelsängerin (Foto: Thomas Nattermann)

Geprägt wird Ambers Musik vor allem von ihrer ausdrucksvollen Stimme, mit der sie sich sowohl in samtigen Altlagen als auch im klaren Sopranbereich zu bewegen weiß. Im besonderen Maße trifft dies auf ihr nun vorgelegtes Live-Album "Unsterblich" zu. Live-Auftritte sind diese besonderen Ereignisse, bei denen sich auch bei Musikern die Spreu vom Weizen trennt. Es geht ja nicht nur darum, Gesang und Instrumente sauber an den Hörer zu bringen. Vielmehr ist es die Kunst, ihn mit der Musik zu fesseln und die Songs "funktionieren" zu lassen. Und dazu braucht es auch den Mut, mit kleinster Instrumentalisierung einen Live-Abend zu beginnen - ehrlich und ohne sich zu verstecken.

Sehnsucht und Gefühle

Diesem Anspruch stellt sich Amber mit "Die Ranken", einem Song voller Sehnsucht und Gefühle. Er beschreibt eine Geschichte, in er Tod und Liebe die zentralen Themen sind. Und diese Extreme finden sich konsequent in der Musik wieder: starker, treibender Gesang zu sanfter Flöte und dann wieder klangvoller Sopran voll Trauer, unterlegt mit harten E-Gitarren.

Eine vergleichbare emotionale Geschichte erzählt "Die Wacht". Es geht um den Verlust eines Mädchens, dessen Liebster auf See geblieben ist. Amber erzählt diese Geschichte und ihre Band unterlegt sie eindrucksvoll. Besonders die wellenartigen Moll-Melodien von Flötist Florian Don Schauen drücken Gefühle aus, die man eigentlich nicht mit Worte erklären muss. Dadurch wird auch der alte Musikerwitz eindrucksvoll wiederlegt, der da lautet: "Was ist schlimmer als eine Querflöte? Zwei Querflöten!"

Aber nicht nur wehmütige Melodien sind Don Schauens Metier. Im Song "Der Rattenfänger" verwandelt er sein Instrument in die übermütige Lock-Flöte des aus der Märchengeschichte hinlänglich bekannten Pfeifers.
Dementsprechend ist dies ein fröhlicherer Song, der an die Entstehungszeit der Band erinnert. Denn Amber tat ihre ersten musikalischen Schritte als Bänkelsängerin auf Mittelaltermärkten und Rollenspiel-Conventions. Dieser Leidenschaft frönt sie auch heute noch. Nebenbei baut sie sie durch Rollenspielpublikationen für das "Schwarze Auge" weiter aus.

Mit "Macht des Schicksals" verwöhnt Amber ihr Publikum auf zweifache Art. Einerseits ist der Song ein "Non-Album-Track" und das schätzt der verdiente Zuhörer bei einem Live-Auftritt ja ganz besonders. Anderseits lädt der Song durch seinen Druck, seine treibenden Drums, ruppigen Gitarrenriffs aber auch "feurigen" Geigenmelodien zum Mittanzen ein wie kein anderer Song des Sets. Der Song spiegelt durch seine Instrumentation und Melodieführung das Spiel Ambers mit verschiedenen Stilen wieder. Ein bisschen hiervon und davon, ein bisschen Schandmaul oder Nightwish, aber auch eine Portion Rammstein oder Theater of Tragedy.

Dies gilt auch für das Lied "Brüderlein komm tanz mit mir", das auf der einen Seite eine stark folklastige Nummer ist, die man auch auf dem Mittelaltermarkt um die Ecke erwarten würde, wäre da nicht Holger Schell, der mit seiner wuchtigen Gitarre intensive Kontrapunkte zur Leichtigkeit der Flöten und des Gesangs setzen würde.

Der emotionale Höhepunkt des Live-Sets ist der Song "Ich vermisse dich". Auch hier legt Flötist Don Schauen mit seinen hypnotischen Melodien das Fundament für eine wahrhaft traurige Ballade. Sie ist wie geschaffen für Ambers ausdrucksvolle Stimme, das Spiel zwischen gefühlvoller Tiefe und durchdringenden Höhen.

Besonderes Schmankerl der Live-Version ist der Gastauftritt von Janus-Sänger RIG, wenngleich ungewohnt: Singt doch Amber bei ihren Studio-Songs sowohl die Front- als auch die Backline. Aber solche musikalischen Experimente sind es, die einen Live-Auftritt zu einem Erlebnis machen, das man nicht hätte, wenn einfach nur ein Album vorgesungen würde.

Diejenigen, die unverdrossen sagen, dass Live-Alben nichts Neues bringen, können eindeutig widerlegt werden. Mit "Unsterblich" ist nämlich ein Song auf dem gleichnamigen Album, der exklusiv nur hier zu finden ist. Aber auch ohne eine solche Zugabe wäre "Unsterblich" ein Album, das in keinem CD-Regal fehlen sollte - vorausgesetzt, gut gemachte und professionell produzierte Musik aus dem "schwarzen Lager" wirken auf seinen Besitzer nicht abschreckend.

[Volker Ruckelshauss]

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