Robert Plant im Interview

"Ich bin eine Hure"

published: 25.06.2002

Robert Plant im Unikosmos-Interview (Foto: Public Address) Robert Plant im Unikosmos-Interview (Foto: Public Address)

Vielleicht waren Led Zeppelin die größte Rockband aller Zeiten. Ihre Hits "Whole Lotta Love", "Kaschmir" und "Stairway To Heaven" bestimmten die 70er Jahre. Niemand verkaufte mehr Konzertkarten, niemand verkaufte mehr Schallplatten. Generationen von Rockmusikern eiferten den Engländern nach, kopierten den Gitarrenstil von Jimmy Page und Robert Plants blonde Locken. Als Schlagzeuger Bonham nach einer durchzechten Nacht an seinem Erbrochenem erstickte, lösten Page und Plant die Band auf.

Sowohl solo wie auch als Duo machten sie weiterhin Musik - mit abnehmendem Erfolg. Jetzt hat das HipHop-Zeitalter sie wiederentdeckt: Plötzlich recycelt Puff Daddy Zeppelin-Gitarrenriffs und Nu-Metal-Mann Fred Durst zerrt Page auf die Bühne der MTV-Awards. Praktischerweise hat Plant ein neues Solo-Album fertiggestellt. "Dreamland" (Mercury) steht seit dem 24. Juni 2002 in den Läden. Kurz vorher sprach er mit uns.

Robert Plant und Jimmy Page arbeiteten auch nach Led Zeppelin noch zusammen (Foto: Public Address)Robert Plant und Jimmy Page arbeiteten auch nach Led Zeppelin noch zusammen (Foto: Public Address)

Die Country-Blondine Dolly-Parton scheint ihr Herz für den Hardrock entdeckt zu haben: Auf ihrem neuen Album covert sie den Led-Zeppelin-Klassiker "Stairway To Heaven". Wie finden Sie das?
Robert Plant: "Das ist wirklich ein Witz, nicht wahr? ‘Stairway To Heaven’ hat sich langsam aber sicher den Weg in die amerikanische Country-Musik getanzt. Ich finde das zum Schreien komisch. Ich habe übrigens schon eine Vorab-CD ihrer Fassung zu Hause. Es ist schön, Banjos zu hören, himmlischen Gesang und Mädchen-Stimmen. Sie hat den Song ein bisschen verändert."

Sie fühlen sich nicht auf den Schlips getreten?
"Ach was, das ist ein Song aus der Vergangenheit. Damals bedeutete er einen Durchbruch des Rock-Songwritings. Aber inzwischen gibt es Tausende großartiger Titel. ‘Stairway To Heaven’ ist halt einer, den Jimmy und ich geschrieben haben. Ich glaube, dass jeder alles machen darf. Da bin ich ganz tolerant. Und ich mag Dolly. Sie ist natürlich ein Produkt des amerikanischen Country-Kitsches. Aber sie hat eine gute Seele, da bin ich ganz sicher. Vielleicht kann ich sie ja mal auf einen Drink einladen..."

Sie haben Atlantic Records auf ausstehende Tantiemen aus Ihrer Led-Zeppelin-Zeit verklagt. Was ist daraus geworden?
"Die Company hat eingelenkt und zugegeben, dass sie im Unrecht war. Als Künstler hatten wir Rechte, die uns nicht gewährt worden waren. Die Plattenfirmen möchten natürlich nicht gerne, dass so etwas publik wird. Ich war von 1969 bis zu diesem Jahr bei Atlantic Records unter Vertrag. Das ist die längste Zeit von allen. Und trotzdem machen die solche Sperenzchen! Deshalb verlasse ich Atlantic und bin jetzt bei Universal in Amerika."

Sie stehen in dem Ruf, nicht gerne Interviews zu geben. Hat sich das geändert?
"Ich bin mit dem Verständnis aufgewachsen, dass die Musik schon alles sagt. Den Performer umgab etwas Mythisches. Wenn wir an große Künstler unseres Jahrhunderts denken - Humphrey Bogart etwa oder Caruso - das waren Menschen, die man gar nicht persönlich treffen wollte, weil es vielleicht in einer Enttäuschung gemündet hätte. Ich will einfach nicht hören, dass Bob Dylan irgendetwas sagt. Und ich will es auch nicht lesen, weil seine Worte vielleicht falsch wiedergegeben werden. Aber ich bin eine Hure. Ich will jede Methode nutzen - und es gibt heute Tausende von Methoden - um mein neues Material zu promoten. Meine neue CD bin ich. Was man hört, bin ich. Aber ich befinde mich nicht im Zentrum der Popwelt, sondern außen am Rand. Ich muss mich ein bisschen nach innen drängeln."

Sie hatten auch immer etwas dagegen, Singles auszukoppeln. Warum?

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