Thomas Mann 1926 (Foto: Kulturstiftung Hansestadt Lübeck/Buddenbrookhaus)Das Thalia-Theater in Hamburg (Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thalia_Theater_(Hamburg)#mediaviewer/File:Hamburg_Thalia-Thetaer_2010.jpg" target="_blank">Fassade des Thalia Theaters Hamburg</a> von <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/User:AndreasPraefcke" target="_blank">AndreasPraefcke</a> lizensiert durch <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a>)Hannelore Hoger im Interview (Foto: Public Address)"A Clockwork Orange" ("Uhrwerk Orange"), GB/USA 1970-71. Alex DeLarge (Malcolm McDowell) und seine Droogs im Haus des Schriftstellers Mr. Alexander (Patrick Magee) (Foto: Warner)Ben Becker (Foto: Public Address)Audrey Tautou im Interview (Foto: Public Address)Leslie Silbert (Foto: Public Address)

CD-Tipp

Brings - "Su lang mer noch am lääve sin"

published: 08.02.2005

"Su lang mer noch am lääve sin" (Foto: BMG) "Su lang mer noch am lääve sin" (Foto: BMG)

Mit dem Karneval ist das so eine Sache. In Köln und im Rheinland ist er heilig. Der Rest der Republik nimmt bei Kamelle-schmeißenden Funkenmariechen lieber volle Deckung.

Ein ähnliches Schicksal erleidet Rockmusik in regionaler Mundart. Selten gelingen ihr nationale, geschweige denn internationale Erfolge. Zu begrenzt ist das sprachliche Verständnis Gesamtdeutschlands für sonderbare Wortspielchen in schwer verständlichem Kauderwelsch.

Das kennen Kölner Musiker wie Brings, deren erster Song auf dem neuen Album "Su lang mer noch am lääve sin" ein Cover des Gerhard Jussenhoven-Klassikers "Man müsste noch mal zwanzig sein" ist - in einer Rock-Polka-Version. Die bestätig leider sofort den Generalverdacht, unter dem rheinische Bands stehen: Ihre Lieder taugen höchstens als Karnevalskracher.

Dass sich die Rheinländer Band auf die närrische Zeit spezialisiert hat, bestätigt das gemalte Kölner Dreigestirn, das in skelettierter Form seinen Weg auf das Cover gefunden hat. Und dann sind da noch die kalauernden, Kölsch kippenden Skelette im Booklet, die bei anderen Texten fast noch als augenzwinkernde Seitenhiebe auf das Trinkverhalten vieler Karnevalisten hätten verstanden werden können.

Stattdessen bieten Brings Karnevalskracher wie "Mer trecke op d`r Mond", die jeder Narr im Vollrausch bis fünf-vor-Aschermittwoch mitgrölen kann. Dabei hatten die Kölsch-Rocker durchaus viel versprechende Ansätze. Doch ab 1995 ging es mit ihnen ähnlich wie mit ihrem Fußballverein 2003 bergab. Nach dem viel beachteten Hochdeutsch-Album "Glaube, Liebe, Hoffnung" gelang den Kölnern der Aufstieg in die erste Deutschrock-Liga einfach nicht. Also sangen die fünf Musiker wieder Texte auf Kölsch. Heute mischen sie immerhin seit fast 15 Jahre im Musikgeschäft mit.

Musikalisch merkt man ihnen an, dass sie ihr Handwerk gelernt haben. Denn auch "Su lang mer noch am lääve sin" bietet glatt produzierte Songs mit Gitarrensounds, die wie aus dem Tontechniker-Lehrbuch klingen. Aber selbst wenn viele Songs durch zackige Bläsersätze aufpoliert werden - zu berechenbar sind sie arrangiert. Brings bieten eben auch musikalisch nur olle Kamellen.

Zum Glück trennen die Fünf inhaltlich und musikalisch noch Welten von Karnevals-Combos wie den Höhnern oder Bläck Fööss. Aber dass Musik mit Kölschen Texten auch fernab des Karnevals funktionieren kann, beweisen nur die Lokalkonkurrenten BAP. Auch wenn Wolfgang Niedecken und Co. ihre besten Zeiten längst hinter sich haben - an dem Bundesverdienstkreuz-Träger ist nicht umsonst der Ruf haften geblieben, ein deutscher Bob Dylan zu sein.

Textlich scheitern Peter und Stefan Brings und ihre Band. Selbst wenn sich Zeilen wie "Alle Mann nix wie ran, denn mer han jo nix mieh ze verliere" oder eben "Man müsste noch mal zwanzig sein" über die Schunkel-Seeligkeit einiger betagter Jecken lustig machen - zwischen Schunkel-Polka und Bierzeltrock für Kegelclubs spricht die Musik genau diese Zielgruppe an. Und schmeckt dabei so abgestanden wie ein Kölsch am Aschermittwoch.

[Jörg Römer]

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