k.d. lang im Interview

In Dessous auf der Harley

published: 21.06.2000

Aus ihrem Hamburger Hotelzimmer kann k.d. lang direkt auf die Alster schauen (Foto: Public Address) Aus ihrem Hamburger Hotelzimmer kann k.d. lang direkt auf die Alster schauen (Foto: Public Address)

k.d. lang fährt auf Gegensätze ab: Sie lässt sich ihr Haus von den Rolling Stones bezahlen, möchte Schockrocker Marilyn Manson zum Essen einladen und erklärt sich bereit, Neulesbe Sinead O’Connor anzulernen.

Schon durch die Initialen ihres Künstlernamens bringt k.d. lang ihr androgynes Image auf den Punkt. Schlafzimmerblick, Lausbubengrinsen und Schmelz in der Stimme tun ihr übriges, den Hormonhaushalt männlicher wie weiblicher Fans durcheinanderzuwirbeln. Am stilvollsten inszenierte die Singer-Songwriterin ihren Gentlemen-Look auf dem Titelbild der Zeitschrift "Vanity Fair": In einen Barbiersessel gelehnt, ließ sie sich von Supermodell Cindy Crawford Rasierschaum von den Wangen streichen.

Der heute 38-jährigen Kanadierin gelang 1992 mit der sehnsuchtsvollen Ballade "Constant Craving" der Durchbruch in den musikalischen Mainstream. Im gleichen Jahr wurde sie als erste offen lesbisch lebende Künstlerin mit einem Grammy geehrt. Für ihre Alben "Ingénue" und "All You Can Eat" konnte sie weitere Auszeichnungen entgegennehmen. Zuletzt veröffentlichte lang den doppelsinnigen Longplayer "Drag": In Nadelstreifen und Gamaschen interpretierte sie zwölf Coverversionen rund um das Thema Zigaretten.

Statt länger in verrauchten Bars trüben Gedanken nachzuhängen, hat k.d. lang nun ihre Vorliebe für frische Luft und Sonnenschein entdeckt. Ihre neue Single nennt sich "Summerfling"; die CD heißt "Invincible Summer". Die Songs schwelgen in idyllischen Augenblicken, schwärmen von Flirts am Strand und jubilieren über unbeschwerte Liebe. Gangster-Chic ist fehl am Platz - jetzt sind leichte Leinenklamotten angesagt. Diese neue Lockerheit schlägt sich offenbar auch in guter Laune nieder: So gelöst, ja übermütig, hat man k.d. lang zuvor selten erlebt.

* Sie haben gerade die Arbeit an Ihrem Album "Invincible Summer" abgeschlossen. Lassen Sie mich raten, wie das Wetter war...
k.d. lang: "Tja, ich wohne in Kalifornien: Das Wetter war natürlich jeden Tag perfekt. Ich mag Sonnenschein. Im Winter und im Frühling ist es dort unglaublich schön. Nur im August und September verlasse ich Kalifornien regelmäßig. Dann ist es so heiß, dass es nicht auszuhalten ist."

* Eine Textzeile aus dem Song "When We Collide" lautet "...all gravity is gone", zu deutsch: "...die Schwerkraft ist aufgehoben". Könnte man so auch den Sound der Platte beschreiben?
"Ja, durchaus. Auf der anderen Seite sind die Stücke jedoch fest verankert. Wenn man sich selbst oder die Liebe findet und einen Moment lang einfach vollständig glücklich ist, dann empfindet man so. Das ist die totale Befreiung."

* Wenn man die CD auflegt, sind Anklänge an so unterschiedliche Künstler zu hören wie die Beach Boys und Beck, Madonna und Morcheeba, Patsy Cline und die Pizzicato Five.
"Das ist ein fantastisches Kompliment, denn die sind alle großartig. Inspiriert haben mich außerdem Air, die Country-Sängerin Lucinda Williams sowie zeitgenössische brasilianische Musik von Carlinhos Brown. Der Westcoast-Sound geht auf The Mamas And The Papas zurück. Sehr cool ist auch die schwedische Band Komeda: Das ist energiegeladener, intelligenter Gute-Laune-Pop."

* Kann es sein, dass die Rolling Stones die Kosten für Ihr Haus in den Hollywood Hills getragen haben?
"Hahaha, vielleicht ist das so. Ich besitze schließlich ein Viertel der Kompositionsrechte an der Rolling-Stones-Single ‘Anybody Seen My Baby’. Ich wollte schon immer herausfinden, wieviel mir das nun eingebracht hat. Die Tantiemen kommen allerdings in einem Schwung an und sind nicht nach Songs aufgeschlüsselt. Deshalb läßt sich das schwer ausrechnen. Aber es könnte hinkommen: Ja, vielleicht haben Keith und Mick in der Tat mein Haus bezahlt!"

* Haben die Stones die Rechte anstandslos herausgerückt oder mussten Sie die Beteiligung einklagen?
"Oh nein: Sie machten mir dieses Angebot ganz freiwillig - aus heiterem Himmel. Mein Rechtsanwalt rief mich an und meinte: ‘Die Rolling Stones wollen Ihnen 25 Prozent von ihrer neuen Single abgeben, weil sie wie ‘Constant Craving’ klingt.’ Da habe ich mir natürlich gesagt: ‘Warum nicht?’ und den Song angehört. Er gleicht ‘Constant Craving’ wirklich sehr - das Gitarren-Lick eingeschlossen. Also habe ich die Dollars gerne eingesteckt."

* Ihr letztes Album ist vor drei Jahren veröffentlicht worden. Wie, denken Sie, haben sich die Charts in der Zwischenzeit verändert?
"Wenn es darum geht, die Popkultur zu verstehen, bin ich wohl der unfähigste Mensch der Welt. Ich empfinde mich nicht als Teil der Mainstream-Popmusik. Ich halte mich irgendwo weit ab vom Schuss in meinem eigenen kleinen Universum auf."

* Fühlen Sie sich von Boygroups unter Druck gesetzt?
"Ich sehe doch viel besser aus als jede Boygroup..."

* Hoch im Kurs stehen zur Zeit auch Britney Spears und Ricky Martin. Meinen Sie, dass deren Publikum sich für Ihre CD interessieren wird?

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