Ute Lemper im Interview

"Zu viel Persönlichkeit"

published: 12.03.2008

Im Mai tourt Ute Lemper durch Deutschland (Foto: Public Address)Im Mai tourt Ute Lemper durch Deutschland (Foto: Public Address)

Gerade ist Ute Lempers neues Album "Between Yesterday And Tomorrow"auf den Markt gekommen. Es sticht deutlich aus ihrer über 23 Alben starken Diskographie heraus. Denn erstmals stammen alle Songs aus der Feder der gebürtigen Münsteranerin.

Lemper (44), die seit mittlerweile zehn Jahren mit ihrem Mann, dem Musiker Todd Turkisher, und den drei Kindern Max (13), Stella (11) und Julian (2) in New York lebt, geht ab Mai auf Deutschlandtournee.

Alle Lieder auf "Between Yesterday And Tomorrow" stammen aus Ute Lempers Feder (Foto: Public Address)Alle Lieder auf "Between Yesterday And Tomorrow" stammen aus Ute Lempers Feder (Foto: Public Address)

Auf "Between Yesterday And Tomorrow" stammen erstmals alle Lieder von Ihnen. Wie wichtig ist Ihnen dieses Projekt?
Ute Lemper: "Es war für mich sehr spannend, so eine Dokumentation zu kreieren. Ich habe schon seit längerer Zeit eigene Lieder geschrieben und in Konzerten vorgestellt. Die sind einfach aus einem anderem Holz geschnitzt als die anderen, theatralischen Lieder von Weill oder Piaf. Sie sind zeitgenössischer, rhythmischer – mehr an den Jazz angelehnt. Sie reflektieren meinen Geschmack von Musik und die musikalische Welt, in der ich gerne Leben möchte. Ich muss sagen, ich höre mir diese Platte auch wirklich selber gerne an. Oft habe ich Probleme, mir meine theatralischen Platten anzuhören, weil einfach die dritte Dimension des Visuellen fehlt. Da ist manchmal einfach zu viel Persönlichkeit reingepackt, in diese zweidimensionale Audio-CD. 'Between Yesterday And Tomorrow' dagegen ist eine Musiklandschaft - fein und detailliert gearbeitet."

Im Mai gehen Sie mit dem Album auf Deutschlandtour. Ihr Verhältnis zum Heimatland war nicht immer ein leichtes…
"Nun, ich bin nicht aus Deutschland weggegangen, weil ich schlecht darüber gedacht habe. Das war einfach eine rein professionelle Entscheidung für eine internationale Karriere. Wenn man dann als Weltenbummler zurückkehrt, birgt fast jede Kultur eine gewisse Enge, die ich in New York aber nicht empfinde. New York war das Mekka der Freidenker – hier co-existiert alles. Das ist auch wichtig für meine Kinder, damit sie mit einem offenen Geist aufwachsen. Ich glaube, Berlin entwickelt sich dahin, wo New York jetzt ist."

Ute Lemper ist von der amerikanischen Politik genervt (Foto: Public Address)Ute Lemper ist von der amerikanischen Politik genervt (Foto: Public Address)

Haben Sie konkrete Pläne, zurück nach Deutschland zu ziehen?
"Nein. Obwohl, nachdem ich 'Sicko' gesehen habe, Michael Moores Dokumentation über die furchtbare Situation des amerikanischen Krankenversicherungssystem, wollte ich sofort das Land verlassen (lacht). Er hat damit ja leider voll ins Schwarze getroffen. Ich muss sagen, für mich hat sich in den letzten Jahren die Option einer Rückkehr nach Deutschland wieder geöffnet, weil mich die amerikanische Politik zu sehr genervt hat. Natürlich hoffe ich, dass mit den Wahlen in diesem Jahr bessere Wege eingeschlagen werden und vielleicht sogar Hillary Clinton Präsidentin wird. Aber es gibt einfach zu vieles, was mich nervt."

Hillary Clinton ist also Ihre Favoritin?
"Ja. Obama ist auch gut. Beide sind die bessere Alternative gegenüber einem amerikanischen Präsidenten. Aber ich muss sagen, ich finde Hillary Clinton einfach wahnsinnig intelligent und sie ist rhetorisch brillant. Außerdem ist ihr Einfühlungsvermögen als Frau nicht zu unterschätzen. Ich glaube einfach, sie hat die richtigen Werte in der Tasche. Und sie kämpft mit fairen Waffen – mit den Waffen des Herzens und der Intelligenz. Obama hat einfach nicht ihre Erfahrung. Ich fände es prima, wenn Hillary es schaffen würde."

Max, Ute Lemper, Julian Lazaar Lemper-Turkisher, Todd Turkisher, Stella (v.l.) (Foto: Public Address)Max, Ute Lemper, Julian Lazaar Lemper-Turkisher, Todd Turkisher, Stella (v.l.) (Foto: Public Address)

Sie selber sind eine öffentliche Person und gleichzeitig Mutter von drei Kindern. Wie gehen Max, Stella und Julian mit der Mutter im Rampenlicht um?
"Für meine Kinder bin ich nur die Mama. Mein Teenager-Sohn stellt andere Ansprüche an mich. Es dreht sich um seine Welt, seine wachsende Unabhängigkeit. In der Schule, zu der sie gehen, gibt es viele bekannte Leute, Schauspieler und Filmemacher. Das ist eine sehr liberale, progressive Schule und da sind Kinder viel bekannterer Eltern, wie die Schauspielerin Joan Allen oder die Coen-Brüder. Ich bin nichts Besonderes für meine Kinder. Und das ist auch gut."

Sie kennen beide Länder und somit auch die Unterschiede zwischen deutscher und amerikanischer Erziehung und den Schulsystemen. Wo haben es die Kinder ihrer Meinung nach besser - hier oder in den USA?

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