Ex-Echt-Mitglied Jim Pansen im Interview

"Kein Statussymbol-Kack"

published: 08.04.2008

Jim Pansen will die Frauen mit einem schönen Lächeln für sich gewinnen (Foto: Public Address) Jim Pansen will die Frauen mit einem schönen Lächeln für sich gewinnen (Foto: Public Address)

Damals war er Teenieschwarm, jetzt ist er Rapper. Florian Sump war von 1997 bis 2002 Mitglied der Band Echt. Das als Schülerband gegründete Quintett mit Kim Frank als Sänger hatte Hits mit "Du trägst keine Liebe in Dir", "Weinst Du" oder einer Coverversion des Rio-Reiser-Songs "Junimond".

Jetzt nennt Flo sich Jim Pansen und macht HipHop. Sein Album "Jim Pansen und die verbotene Frucht" ist gerade erschienen und auch die Single "Bling!" ist schon im Handel. Wir sprachen mit dem Musiker über Geld, Glaubwürdigkeit und Frauen.

Sein Geld aus der Zeit mit Echt hat Flo alias Jim Pansen in Windkraft investiert (Foto: Public Address)Sein Geld aus der Zeit mit Echt hat Flo alias Jim Pansen in Windkraft investiert (Foto: Public Address)

Hast Du noch ein dickes Bankkonto aus Deiner Zeit bei Echt?
Jim Pansen: "(Lacht) Nein, ganz sicher nicht. Ich habe damals auf die Leute gehört, die gesagt haben, wenn man einmal in seinem Leben viel Geld verdient, sollte man es anlegen. Das habe ich getan und jetzt komme ich da leider nicht mehr ran – zumindest so 15. 16 Jahre lang nicht. Ich habe in Windkraft investiert."

Ist doch toll, oder nicht?
"Naja, für später ist es super, aber nicht für jetzt. Seit vier Jahren muss ich echt gucken, wie ich über die Runden komme. Aber das ist auch gut. Ich sehe es als Herausforderung des Lebens. Schließlich habe ich auch ein paar Jahre lang sehr bequem gelebt, immer gut gegessen und so."

Was machst Du zurzeit, um Dich finanziell über Wasser zu halten?
"Ich arbeite im Kindergarten, in der Videothek, habe schon auf dem Wandsbeker Markt Fleisch verkauft und solche Geschichten. Es ist alles dabei und es bleibt spannend (lacht)."

Hast Du Dir wenigstens eine Wohnung gekauft?
"Nee, es ist wirklich alles in den Wind gegangen, also in die Windkraft. Ich wohne ganz normal in Eimsbüttel zur Miete, habe eine kleine Bude da. Ich wohne mit meinem Bruder zusammen."

Seine zweite Musikkarriere als Rapper geht er gelassen an (Foto: Public Address)Seine zweite Musikkarriere als Rapper geht er gelassen an (Foto: Public Address)

Geht es Dir gut dabei?
" Ich komme schon klar. Bei meinen Jobs brauche ich eine gewisse Flexibilität. Nebenbei verdiene ich auch noch ein bisschen Geld mit Videoschnitt. Das ist neben der Musik meine zweite Leidenschaft geworden. Ich muss immer auch etwas Kreatives machen, um ein halbwegs ausgeglichener Mensch zu bleiben. Deswegen gehe ich ganz gerne dieses Risiko ein, einerseits nichts Festes in der Tasche zu haben, aber andererseits ein Leben zu führen, wie es mir gefällt."

Wieso nennst Du Dich jetzt "Jim Pansen"?

"'Pansen' ist da, wo ich herkomme, ein Wort für jemanden, der ein gutes Herz hat, aber immer ins Fettnäpfchen tritt. So ein Typ bin ich und deshalb passt 'Pansen' ganz gut zu mir. Und 'Jim' gibt dann noch etwas Affiges dazu - das haut schon hin. Es gibt ja viele Rapper in Deutschland, die durch ihren Namen den coolsten, unnahbaren Teil von sich nach außen tragen. Ich gehe das andersrum an. Ich versuche zwar auch, coole, gute Musik zu machen, aber ich bin Fan davon, wenn Leute ihre Schwächen zu ihren Stärken machen, indem sie sie offen ausleben."

Jim Pansen will sich nicht so cool wie andere Rapper geben (Foto: Public Address)Jim Pansen will sich nicht so cool wie andere Rapper geben (Foto: Public Address)

Wie lange bist Du schon in Sachen HipHop aktiv?
"Fan von der Musik bin ich, seit sie in Deutschland angekommen ist. Aufmerksam geworden bin ich als erstes auf die Fantas, die sind als erste auch außerhalb der Großstädte bekannt gewesen - sogar bis nach Flensburg. Wir hatten da keine Szene oder local rap acts. Danach kamen Fettes Brot, Fünf Sterne. Dass ich die Musik immer schon gut gefunden habe, habe ich stellenweise sogar schon bei Echt gezeigt: Auf unserer allerersten Single-Auskopplung 'Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind' gibt es die B-Seite 'Glaub ich'. Und da rappe ich auch schon!"

Das sorgt natürlich für Glaubwürdigkeit…
"Ach, mit der Frage nach Glaubwürdigkeit sollte man sich als allerletztes beschäftigen. Das kann man machen, wenn einem langweilig ist. Ich habe schon bei Echt gelernt: Entweder der Hörer glaubt dir, dass du das alles auch fühlst, was du machst – oder halt nicht."

Mit seinem Album "Jim Pansen und die verbotene Frucht" will es Flo noch einmal wissen (Foto: Public Address)Mit seinem Album "Jim Pansen und die verbotene Frucht" will es Flo noch einmal wissen (Foto: Public Address)

Der Begriff ist sicherlich im HipHop- und im Musikbereich generell überstrapaziert…
"Gerade bei mir (lacht)! Als ich anfing, als Jim Pansen Rap-Musik zu machen, habe ich mir diese Frage super-oft gestellt: 'Darf ich das überhaupt?' 'Kauft man mir dieses Lebensgefühl überhaupt ab?' Dann habe ich irgendwann gemerkt, dass mir das egal war. Live haben mir die Leute meine Sachen immer sofort abgenommen, auch in HipHop-Clubs. Da hat mich dann keiner mehr wegen Echt genervt."

Von was handelt Deine Single "Bling!"?
"Das ist gegensätzlich zu dem, was sonst so hiphopmäßig passiert. So ein Statussymbol-Kack kotzt mich auf die Dauer nämlich an. Manchen Leuten steht eine schöne Kette oder ein dickes Auto, aber das als Grund zu nehmen, um zu sagen: 'Ich bin der Geile', fand ich schon immer eher peinlich. Mit diesem Lied wende ich mich bewusst an die Leute, die so etwas nicht brauchen – und vor allem nicht, um bei Frauen Eindruck zu machen. Da gibt es ganz andere Wege, wie man das kann. Durch ein schönes Lächeln zum Beispiel."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.jimpansen.com

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