Gavin Rossdale im Porträt

"Leben außerhalb der Blase"

published: 21.07.2008

Ex-Bush-Frontmann Gavin Rossdale wandelt auf Solo-Pfaden (Foto: Public Address) Ex-Bush-Frontmann Gavin Rossdale wandelt auf Solo-Pfaden (Foto: Public Address)

"Moment, sorry, ich muss noch kurz zur Toilette!" ruft Gavin Rossdale über seine Schulter, und verschwindet in denselben Räumlichkeiten, in denen vor ihm bereits eine Reihe von Journalisten ihre Marke setzte. Welch angenehm bodenständiger Auftakt für ein Interview mit dem ehemaligen Bush-Frontmann und Jetzt-Ehemann von Pop-Ikone Gwen Stefani. Als er sich schließlich an den Tisch setzt, beschäftigt den 42-Jährigen schon eine ganz andere Sorge: "Tut mir leid, meine Augen sind ein bisschen rot, ich habe nicht so viel geschlafen...". Er bittet einen der vielen Geschäftigen, die um ihn herumwuseln, um Augentropfen.

Trotz zahlreicher Helferlein fühlt er sich zuständig. Nicht etwa dafür, einen vollendeten Superstar abzugeben, sondern dafür, dass am Ende des Tages alle Beteiligten mit dem bestmöglichen Ergebnis nach Hause fahren - und für Fotografen sind rote Augen nun einmal ein "no-Go". Schließlich sind alle seinetwegen hier, denn Rossdale hat sein Solodebüt "Wanderlust" aufgenommen und befindet sich auf Promotion-Tour. Vielleicht wurzelt seine Fürsorge in dem Bewusstsein, dass er das erste Mal allein für ein musikalisches Ergebnis geradestehen muss. "Gerade jetzt vermisse ich Bush. Zu viert muss jeder nur ein Viertel der Verantwortung tragen, jetzt sind es 100 Prozent."

"Man muss ein Ego haben, um anzunehmen, dass einem die Leute zuhören", so Rossdale (Foto: Public Address)"Man muss ein Ego haben, um anzunehmen, dass einem die Leute zuhören", so Rossdale (Foto: Public Address)

Darüber, dass er seine Songs erstmals mit dem Produzenten alleine und ohne Kompromisse fertigstellen konnte, mag er sich zwar nicht beschweren. Die Nervosität bleibt jedoch dieselbe: "Wenn man eine Platte herausbringt, befindet man sich zunächst eine Weile in den Flitterwochen, alles ist sehr positiv. Zur Veröffentlichung erreicht einen dann das wahre Leben. Mein Kopf liegt quasi unter der Guillotine und ich warte. Einige Feedbacks stoppen das Fallbeil, andere beschleunigen es. Es ist ein bisschen wie bei der Geburt, wenn ein Kind das erste Mal begreift, dass die Welt voller beknackter, grober Menschen ist."

Zumindest hier, in einem Fünf-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz, scheinen wenige dieser beknackten, groben Menschen anwesend zu sein. Doch umso mehr man ihn hofiert, desto peinlicher berührt wirkt Rossdale. Als ein junger Mann ihm schließlich ein Fläschchen mit Augentropfen bringt, reagiert er fast bestürzt. "Es tut mir wirklich leid, das ist leer! Ich weiß, du bist absolut überqualifiziert, um mir Augentropfen zu holen, das ist so beschämend. Es ist wirklich peinlich, dass es in diesem Business normal ist, dass einem Dinge gebracht werden. Man lebt in einer Blase – aber ich nicht." Ach wirklich? "Ja, ich war lange Zeit außerhalb der Blase. Ich weiß, wo ich Augentropfen herbekomme, wenn ich welche brauche." Nach einer kurzen, erwartungsvollen Pause fügt er zwinkernd hinzu: "Natürlich habe ich jemanden, der sie besorgt. Einen Augentropfenholer."

So bodenständig und sensibel er sich auch gibt, ganz verstecken kann Rossdale sich nicht hinter dem - zugegeben einnehmenden - Junge-von-Nebenan-Grinsen.

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