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Mia Aegerter im Interview

"Zieh dich warm an!"

published: 11.03.2005

Mia Aegerter (Foto: Public Address) Mia Aegerter (Foto: Public Address)

Für nur 24 Stunden kam die aus der Schweiz stammende Ex-GZSZ-Darstellerin, Bravo-TV-Moderatorin und Sängerin Mia Aegerter Anfang März nach Hamburg, um Promotion für ihr Album “The Way I Am” (Veröffentlichung 18. April) zu machen und über ihren anstehenden Auftritt beim deutschen Eurovision-Song-Contest-Vorentscheid am 12. März in Berlin zu sprechen. “Ich bin nach wie vor eine sehr patriotische, stolze Schweizerin, aber es kommt mir nicht unnatürlich vor, weil ich ja schon ewig in Deutschland lebe und da auch alle meine Freunde habe. Ich würde mich echt geehrt fühlen, wenn ich Deutschland vertreten dürfte. Ich habe bestimmt mehr mit Deutschland am Hut als Vanilla Ninja mit der Schweiz!”, ergänzt die Sängerin und Songschreiberin. Was ihre inländische Konkurrenz angeht, ist Mia gelassen. “Ich habe dieses Abchecken nicht gemacht, weil ich dazu nicht gekommen bin.” Genug Showerfahrung hat die Wahl-Berlinerin allemal, war sie doch gerade mit ihrer Band im Vorprogramm des irischen Superstars Ronan Keating unterwegs.

Ich habe gelesen, dass du immer ein Notizbuch mit dir herumträgst. Was hast du als Letztes hineingeschrieben?
Mia Aegerter: „Ich habe schon lange nichts mehr reingeschrieben, weil ich nicht dazu gekommen bin. Ich glaube, zuletzt waren es ein paar Notizen von der Tour, aber ich kann mich gar nicht so richtig daran erinnern. Das war auch eine ziemlich stressige Geschichte.“

In Deutschland bist du durch die Soap “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” bekannt geworden. Lebst du noch in Deutschland oder bist du zurück in die Schweiz gegangen?
„Nee, ich lebe nach wie vor in Deutschland, in Berlin. Da ist meine Wohnung, aber ich war schon ewig nicht mehr da, weil ich momentan die ganze Zeit rumjette.“

Bist du damals zugunsten der Musik aus der Serie ausgestiegen oder gab es andere Gründe?
„Es gab viele Aspekte. Ich war zwei Jahre dabei und mein Plan war es, das Beste rauszuholen - in Form einer Schauspielschule. Und ich habe auch viel gelernt, aber nach zwei Jahren war für mich die Zeit gekommen, weiterzugehen. Trotzdem hat das Drehen auch sehr viel dazu beigetragen, dass ich wirklich die Sehnsucht hatte, wieder auf der Bühne zu stehen. Das war einfach nicht mehr möglich, weil man bei der Serie so ein straffes Programm hat. Ich glaube, das war dann schlussendlich der ausschlaggebende Punkt.“

Mit deiner Musikkarriere ging es bisher stetig bergauf. In der Schweiz hast du sogar einen Song in Mundart gesungen...
„Ja. Und bei dem einen ist es nicht geblieben. Es ist so, dass ich in der Schweiz den Kinofilm ‘Achtung, Fertig, Charly’ gedreht habe, der im Frühling auch in deutsche Kinos kommt. Da hatte ich eine Rolle und wusste, dass es noch keinen Titelsong gab. Ich wollte unbedingt mitmachen, wusste aber, dass die nur Mundart-Songs haben wollten. So habe ich das halt zum ersten Mal versucht. Eigentlich schreibe ich nur in Englisch. Für den Film habe ich aber einen Song von mir in Schweizer Dialekt umgeschrieben. So ist ‘Hie u jetzt’ entstanden. Und es war ein totaler Erfolg. Beides, der Kinofilm und der Song. Daraufhin hab ich ein super Feedback bekommen und gemerkt, das ist genau das Gleiche wie hier in Deutschland. Man erreicht die Menschen direkter, wenn man in deren Sprache auch singt. Deshalb habe ich dann fünf, sechs Songs für die Schweiz in Mundart aufgenommen.“

Dein Album “The Way I Am” kommt am 18. April heraus. Der Titel bedeutet übersetzt so viel wie “Wie ich bin”. Wie ist Mia Aegerter denn?
„Ja, da muss man sich eben das Album anhören, dann kennt man wenigstens einen Teil von mir. Es ging mir bei dem Album darum, verschiedene Facetten aufzuzeigen. Da sind Songs drauf, die ich vor zehn Jahren geschrieben habe und Songs, die ich kurz vor den Aufnahmen geschrieben habe. Es sind einfach verschiedene Aspekte aus meinem Leben darin beschrieben. Verschiedene Phasen, Gefühle, Gedanken, Erkenntnisse - es ist wahnsinnig persönlich. Deshalb wollte ich, dass es ‘The Way I Am’ heißt.“

Mia Aegerter (Foto: Public Address)Mia Aegerter (Foto: Public Address)

Ex-Kolleginnen von dir, Jeanette und Yvonne Catterfeld, die auch bei GZSZ waren, sind mit ihrer Musik mittlerweile sehr erfolgreich. Was hältst du von ihnen?
„Ich mag die Musik. Ich mag bei Yvonne die Stimme extrem gerne und ich mag beide auch von ihrer Persönlichkeit, weil ich sie gut kenne. Jeanette ist ein absolutes Energiebündel und extrem positiv - da bin ich ein viel grüblerischerer Mensch. Das ist vielleicht auch ein Vorteil, weil ich dann Songs schreiben kann. Aber jede hat so ihren Stil. Yvonne und Jeanette verfolgen beide sehr eigenständige Richtungen. Ich finde das gut und vor allem zeigt es auch, dass sie ihren eigenen Weg gehen, abgesehen von der Schauspielerei. Das habe ich in Deutschland bis jetzt noch nicht erreicht.“

Gebt ihr euch gegenseitig Tipps oder holt euch Rat?
„Nee, überhaupt nicht. Dafür ist jeder von uns zu eigenständig. Das geht auch total auseinander. Ich weiß gar nicht, ob Yvonne und Jeannette überhaupt schreiben, ich ]glaube nicht. Das ist schon eine ganz andere Geschichte.“

Findest du, dass Musiker nur dann authentisch sein können, wenn sie ihre Songs auch selber schreiben?
„Nicht unbedingt. Das würde ich nicht so behaupten, aber für mich ist es definitiv der einzige Weg. Das Songwriting wird immer wichtiger in meinem Leben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, auf der Bühne zu stehen und einen Song zu singen, der nicht von mir kommt. Ich will da schon was rüberbringen und den Menschen etwas vermitteln.”

Du warst gerade mit Ronan Keating auf Tour. Wie war es?
„Das war super. Für mich war das ein Hammer-Erlebnis, das endlich leben zu können. Mit meiner eigenen Band meine eigenen Songs zu performen und dann auch noch auf den größten Bühnen in ganz Deutschland... Das hat mir wirklich in der Seele gut getan. Und das Publikum war super. Als Vorband weiß man ja nie...“

Wie war Ronan?
„Ronan war super. Also, ich kenn’ ihn jetzt nicht, wir haben uns nicht stundenlang unterhalten. Aber er ist sehr bodenständig, ein sehr natürlicher Mensch - so war dann auch die ganze Crew. Die haben uns voll unterstützt. Wir haben genug Zeit für den Soundcheck gehabt, ich habe tolles Licht bekommen und es war eine durchweg positive Erfahrung für mich.“

Beim Eurovision-Song-Contest-Vorentscheid trittst du mit deinem Song “Alive” für Deutschland an, nicht für die Schweiz. Was sagen die Schweizer? Und warum Deutschland?
„Also, ich bin nach wie vor eine sehr patriotische, stolze Schweizerin, um das hier jetzt mal klarzustellen. Aber das ist für mich eine super Möglichkeit, mich bei so einer großen Veranstaltung live zu präsentieren und den Menschen in Deutschland meine Musik näher zu bringen. Das ist in erster Linie das, was ich sehe. Zweitens kommt es mir nicht unnatürlich vor, weil ich ja schon ewig in Deutschland lebe und da auch alle meine Freunde habe. In der Schweiz sind zwar meine Wurzeln, meine Familie, aber ich habe eigentlich alle meine Freunde hier. Ich habe bestimmt mehr mit Deutschland am Hut als Vanilla Ninja mit der Schweiz! Ich würde mich echt geehrt fühlen, wenn ich Deutschland vetreten dürfte.“

Weißt du schon, was du beim Vorentscheid in Berlin anziehen wirst?
„Nein. Nun, so ungefähr weiß ich, was ich anziehen werde...
Mir ist es immer wichtig, dass ich mich auf der Bühne superwohl fühle, dass ich mich da nicht verkleide. Deshalb wird es jetzt nicht ein Kostüm sein, was ich schneidern lassen muss.“

Wen wirst du zur Unterstützung mitnehmen?
„Viele Fans werden da sein, Freunde, mein Management und die Plattenfirma – die werden mich hoffentlich alle unterstützen.“

Was hältst du von deinen Mitstreitern? Wer könnte dir gefährlich werden?
„Ich habe dieses Abchecken nicht gemacht, weil ich dazu nicht gekommen bin. Ich kenne viele nicht. Ich kenne Gracia, Orange Blue und Villaine kenne ich sogar persönlich. Das ist ganz lustig, wir telefonieren öfter und da habe ich ihr den Vorschlag gemacht, sie solle sich doch bewerben. Da wusste ich ja noch nicht, dass ich selber auch mitmache. Ein paar Wochen später habe ich sie dann angerufen und gesagt: ‘Zieh dich warm an, ich bin jetzt auch dabei!’.”

Du warst in der Schweiz Jurorin einer Castingshow. Hast du da selber noch etwas gelernt?
„Man sollte sich nichts von anderen abgucken. Viel wichtiger ist, dass das, was da rauskommt, von Herzen kommt und das man uneitel ist. Das berührt die Menschen viel mehr. Da bekommt man auch viel mehr zurück. Meine Strategie ist keine Strategie. Deshalb gucke ich mir keine Showelemente ab.“

Hast du noch Zeit für Privates?
„Der Stress ist immer phasenweise. Wenn ich Freizeit habe, versuche ich auszuschlafen, dann wasch ich erst einmal meine Wäsche und dann ist mir wichtig, dass ich mich wirklich wohl fühle. Ich gehe gerne in die Natur, da komme ich zu mir zurück. Und dann suche ich dieses Gefühl von Behütetsein bei Familie und Freunden.“

Steht bei dir auch Familie an?
„Ja, aber das ist momentan noch gar nicht denkbar. Natürlich kann ich mir das vorstellen. Ich bin ein sehr familiärer Mensch; Waage, Aszendent Krebs und das geht immer schlimmer ins Häusliche. Aber das ist momentan noch kein Thema. Ich muss erst noch ein paar Dinge machen.“

Du hast “Bravo TV” moderiert, das ist momentan nicht mehr im Programm. Wie geht es jetzt weiter?
„Das weiß ich nicht. Ich denke schon, dass sich der Verlag da etwas überlegt hat und dass es weitergeht, aber momentan nicht mit mir. Es war eine super Erfahrung, mal die Seiten zu wechseln und jemanden zu interviewen, aber auch da ist die Gefahr, sich so ein bisschen zu verzetteln und dann keine Energie mehr für das Eigentliche zu haben. Für mich haben meine Musik und meine Tour oberste Priorität.“

[Sonja Ritter]

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