CD-Tipp

Christian Venus – "3 Uhr morgens"

published: 15.07.2008

Christian Venus legt mit "3 Uhr morgens" sein Debüt-Album vor  (Foto: Public Address) Christian Venus legt mit "3 Uhr morgens" sein Debüt-Album vor (Foto: Public Address)

Würde man Christian Venus – ja, der Mann heißt wirklich Venus – nach dem Stil der eigenen Musik fragen, so hätte der Wahlhamburger wohl keine eindeutige Antwort parat. Einer Stilrichtung treu zu bleiben, ist seine Sache nicht. Davon zeugt sein Debütalbum "3 Uhr morgens", das jetzt in den Läden steht.

Und so bleibt abzuwarten, in welches Regal genau die Händler das Werk einsortieren. Der 28jährige Singer/Songwriter vereint auf seinem knapp 50-minütigen, rein auf Deutsch gesungenen Erstlingswerk mehrere Musikrichtungen miteinander. So finden sich tieftraurige Liebesballaden à la "Brandstifter" ebenso wie auf rockig getrimmte Songs, etwa "3 Uhr morgens". Dazu die ein oder andere poppig angehauchte Schnulze ("Wie im Film" oder "Regenwelt") und schließlich mit "Fussballstadion" ein etwas verspäteter Fußball-EM-Song.

Christian Venus – "3 Uhr morgens" (Foto: Sony BMG)Christian Venus – "3 Uhr morgens" (Foto: Sony BMG)

Eines aber eint alle Stücke: die Wahl der zum Einsatz gekommenen Instrumente. Venus bleibt minimalistisch bei der Auswahl seines Arbeitsgeräts. Ein großer Teil der Songs lässt das klassische Ensemble Gitarre, Bass und Schlagzeug hören – gelegentlich ergänzt durch ein meist traurig klingendes Pianospiel. Alles klar dominierend hingegen ist die Gitarre. Mal clean, mal verzerrt, mal ein Riff, mal ein Solo - die Gitarre ist allgegenwärtig.

Gut gespielt sind die einzelnen Instrumente allemal und die Riffs zum großen Teil auch sehr überzeugend, wenngleich man bei "Unglaublich" den Eindruck nicht los wird, als habe Venus sich vorher äußerst gut mit Deep Purples Intro zu "Black Night" beschäftigt.

Unterstützung erhielt er bei den Aufnahmen von den Produzenten David Jost und Christian Fleps, beide erfahren im Umgang mit deutscher Gesangskultur. Neben Patrick Nuo und Tokio Hotel verbindet man sie mit Virginia Jetzt. Und das hört man. Denn wollte man "3 Uhr morgens" einen stilistischen Stempel aufdrücken, so würde man zuallererst bei Virginia Jetzt fündig werden. Ähnlich poppig, ähnlich kitschig.

Dass passend dazu Venus' Lieblingsthema Liebe, Trennung und alles was mit Beziehung zu tun hat, ist, das fällt auf. "Sie ist so anders als die anderen" singt er in "Unglaublich", "Ich vermisse dich" in "Brandstifter". Mit "Jemand der dich wirklich liebt" hat er gleich einen gesamten Song nach seinem bevorzugten Leitmotiv benannt.

Es ist, insgesamt gesehen, wenig wirklich Neues, das der Musiker auf seinem Debüt präsentiert. Viele verschiedene Genres anzureißen und auf unterschiedliche Arten über Liebe und Beziehung zu singen, bedeutet nicht automatisch, etwas Einzigartiges zu schaffen. Venus’ Album mangelt es ein bisschen an Originalität. Und damit wird abzuwarten sein, ob "3 Uhr morgens" seine Hörer findet oder als ein weiteres Steinchen im bunt gemischten Deutsch-Pop-Mosaik endet.

[Jan Häder]

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www.christianvenus.de

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