Paulsrekorder im Porträt

Keine unmotivierten Bälger

published: 30.09.2008

Paulsrekorder sprachen mit Unikosmos (Foto: Public Address) Paulsrekorder sprachen mit Unikosmos (Foto: Public Address)

Fetzige 80er-Jahre-Keyboards, frech treibende Rhythmik und eine frische, jungenhafte Stimme, das sind Paulsrekorder. "Verschwende meine Zeit" fordern sie in ihrer aktuellen Single. Ihr Longplayer "Hier und oben" mit reichlich Retro-Elementen und Anklängen an die Neue Deutsche Welle steht ebenfalls schon in den Läden.

Die Band gründete sich 2002 in Bremen. Damals war gerade Echts CD "Recorder" auf den Markt gekommen. Obwohl die Bremer das Album der damaligen Teenstars aus Flensburg nur "so mittel" fanden, mopsten sie sich den Titel und motzten ihn mit dem Namen "Paul" auf, der aus unerfindlichen Gründen zum bandinternen Spitznamen für alle Musiker geworden war. Weil sie Bandnamen, die nur aus einem Wort bestehen, prägnanter finden, entschieden sie sich für "Paulsrekorder".

Paulsrekorder transportieren das Gefühl der Neuen Deutschen Welle in die Gegenwart (Foto: Public Address)Paulsrekorder transportieren das Gefühl der Neuen Deutschen Welle in die Gegenwart (Foto: Public Address)

Einen Dämpfer bekamen die professionellen Ambitionen der Jungs bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, wo sie 2008 ihren Stadtstaat mit dem Song "Anna" vertraten: Paulsrekorder erreichten nur einen mäßigen 11. Platz. Die Möglichkeit, sich für ein geregeltes Leben zu entscheiden, wäre gegeben gewesen. Sänger David hatte schließlich Musik und Geschichte auf Lehramt studiert und das bis zum Ersten Staatsexamen erfolgreich durchgezogen. In seinem Beruf wollte und will er trotzdem nicht arbeiten. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mit 30 unmotivierten Bälgern dazusitzen. Ich will die Musik machen, auf die ich Bock habe, und das ist diese Band."

Die Musik von Paulsrekorder ist unter anderem deshalb so bunt, weil die einzelnen Mitglieder so schillernde Erfahrungen mitbringen. Frederik etwa hatte als Junge zum einen "typische Gitarristen-Vorbilder" wie Deep Purple, Eric Clapton und Queen, sagt er. "Über meine Mutter bin ich auch auf Nirvana gekommen: Das hat sie zum Bügeln gehört." Ein bisschen unangenehm ist ihm heute zum anderen, dass er tatsächlich die Single "Hyper Hyper" von Scooter erwarb – allerdings auch schnell wieder eintauschte – gegen Roxy Music. Davids peinlichstes Lieblingslied von damals ist der Bombast-Song "Solang man Träume noch leben kann" von der Münchner Freiheit. Aktuell findet er "Mr. Brightside" von The Killers unübertroffen. Beide stehen außerdem auf die britische Rockband Muse.

Sänger David (Mitte) und Bassist Jonas (2.v.r.) sind Brüder (Foto: Public Address)Sänger David (Mitte) und Bassist Jonas (2.v.r.) sind Brüder (Foto: Public Address)

Mit Gitarrist Kai, Basser Jonas und Schlagzeuger Sebastian hat sich nach einigen Umbesetzungen eine feste Formation gefunden. Bremen ist allerdings nicht mehr die Home Base von Paulsrekorder. Einige zogen nach Hamburg, andere nach Berlin. Bei einer erneuten Teilnahme beim Bundesvisison-Wettbewerb wäre es kaum möglich, die Gruppe in ein Bundesland zu verorten. Ins Ausland zieht es die Fünf allerdings nicht und auch, auf Englisch zu singen, kommt für Paulsrekorder nicht in Frage. "Deutsch ist einfach die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann", erklärt David.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

Mehr

Kürbissuppe mit Cranberrys
5:1 gegen Aserbaidschan
"Kingsman: The Golden Circle"

Links

www.paulsrekorder.de

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung