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CD-Tipp

Kettcar - "Von Spatzen und Tauben..."

published: 24.03.2005

"Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" (Foto: Grand Hotel Van Cleef) "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" (Foto: Grand Hotel Van Cleef)

Auf ihrem ersten Album fragten die fünf Hamburger Jungs von Kettcar „Du und wieviel von deinen Freunden?“. Mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums dürfte die Zahl ihrer Freunde deutlich gestiegen sein. Davon zeugt nicht zuletzt ihr Einstieg auf Platz fünf der Charts.

Dabei verbirgt sich hintern den Hamburgern weit mehr als nur ein weiterer Beitrag zum trendigen Thema Deutschrock, auf das die Musikindustrie im Augenblick mit gierigem Grinsen schielt. Die Hamburger gründeten sich bereits 2001 und brachten es mit ihrem Debut „Du und wieviel von deinen Freunden“ zum Geheimtipp in der deutschen Indie-Szene - und zu 30 000 verkauften Exemplaren.

Jetzt haben Kettcar das Gesetz der Major-Labels widerlegt, dass es Newcomer über 30 Jahren nicht mehr in die Charts schaffen. Aber wer oder was ist verantwortlich für den plötzlichen Erfolg der Fünf? In jedem Fall tragen die Texte von Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch zur Qualität von Kettcar bei und distanzieren sie von der „perfekten Deutschrockwelle“.

Selten wurde in der deutschen Popmusik so schön ironisch über die Alltags–Beobachtungen gesungen, etwa wenn Wiebusch in „Stockhausen, Bill Gates und ich“ laut über Sprüche-Shirts nachdenkt. Für Wahrheiten von Zeilen wie „Auf deinem Shirt stehen die Dinge, die du gerne wärst, nicht die du bist/ Was im Grunde völlig in Ordnung ist/ Nur wir können alle lesen/ und du bist nie ein Dreckstück gewesen“, möchte man ihm danken. Oder wenn Kettcar zu akustischer Gitarre über die Schwierigkeiten der Liebe philosophiert: „Manche sagen, es ist einfach/ Ich sage, es ist schwer/ Du bist Audrey Hepburn und ich Balu der Bär.“ Eingängige aber niemals plumpe Beispiele ließen sich auf „Von Spatzen und Tauben und Dächern und Händen“ noch vielfach zitieren.

Trotz Indie-Status haben Wiebuschs Texte nie die Verschrobenheit von anderen Hamburger Kollegen wie etwa Tocotronic erreicht. Doch genau diese Tatsache und Wiebuschs natürliche, rock-untypische Stimme brachten der Band von Kritiker-Seite zu unrecht das Urteil ein, eine Art „Pur für Intellektuelle“ zu sein. Man traut den fünf Nordlichtern eben eher zu, dass sie den Fernseher im Hotelzimmer abstauben statt ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Kettcar machen nicht das, was der Musikfan von Rockstars erwartet. Das gilt auch für die Labelpolitik. Statt auf einen großen Vertrag zu warten, gründeten die Musiker mit Thees Uhlmann von Tomte lieber das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef. Und das kann sich freuen, mit dem neuen Kettcar-Album die beste Deutschrockplatte seit langem veröffentlicht zu haben. So könnte sie klingen, die neue Hamburger Schule.

[Jörg Römer]

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