CD-Tipp

Deichkind - "Arbeit nervt"

published: 11.11.2008

Deichkind - "Arbeit nervt"  (Foto: Universal) Deichkind - "Arbeit nervt" (Foto: Universal)

"Hört ihr die Signale, die Saufsignale" dröhnt die tiefe Stimme von MC Philipp auf wummernden Bässen. So beginnt "Arbeit nervt", das vierte Deichkind-Album. Nicht gerade tiefgründiger folgen Aussagen wie "kein Gott, kein Staat, lieber was zu saufen" und "kein Mensch ist illegal, schon gar nicht, wenn er breit ist". Man fragt sich, ob die HipHop-Electro-Formation uns mit ihren Texten etwas sagen will, oder ob wir unseren Kopf ausschalten und zu den Techno-Bässen und Mitgröl-Refrains abfeiern sollen.

Nach und nach bekommt man den Eindruck, dass die Gruppe um Neuzugang Ferris MC der Gesellschaft einfach einen Spiegel vorhält, mal kritisch, mal humorvoll. So etwa in dem Song "Ich und mein Computer", in dem von "Programm abgestürzt" bis "Spam beantwortet" sämtliche Katastrophen genannt werden, die die Freundschaft zwischen Mensch und PC trüben können. Jeder, der sich schon mal mit seinem Computer zerstritten hat, erkennt sich im Song wieder. Auch die eindeutige, plumpe Anmache in "Komm Rüber" kommt dem einen oder anderen sicherlich bekannt vor.

Gesellschaftliche Kritik hört man auf "Gut dabei". "Unzufrieden, faul und fett, Geld und Frau und Job sind weg", so sieht für die meisten ein typischer Verlierer aus. Doch die fünf Hamburger setzen dagegen: "Mir geht es gut dabei". Was passiert, wenn man den gesellschaftlichen Druck und die Meinung anderer einfach ignoriert? Muss man denn immer der Superheld sein? Kann man sich von dem Druck befreien, ohne dadurch gleich überall anzuecken?

Tröstend und gefühlvoll nehmen uns die Deichkinder in "Luftbahn" an die Hand und überraschen mit "Romantik von heute für people von gestern". Befreit von dem Stress und den Problemen der Erde fliegen wir schwerelos durch den nächtlichen Sternenhimmel. Einen ähnlichen, wenn auch nicht so romantischen Befreiungsschlag gegen die Alltagssorgen hört man auf dem Song "Hoverkraft", der zu einer rasanten Luftkissenfahrt über die Wellen einlädt.

Trotz der ernsten Themen in manchen Tracks steckt in den Texten jede Menge Humor. So handelt es sich bei "Dicker Bauch" beispielsweise um eine Aufzählung dickbäuchiger Prominenter. Ein ironischer Unterton spricht auch aus "Männer brauchen Urlaub, Urlaub vom Urlaub", dem Refrain des letzten Songs. Mit sanftem Wellenrauschen und Strandatmosphäre endet das Album, das, ob man es nun mag oder nicht, auf jeden Fall mutig und einzigartig ist.

[Lisa Borgert]

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