Ich+Ich im Interview

Ohne Altersgrenze

published: 14.04.2005

Ich+Ich (Foto: Public Address) Ich+Ich (Foto: Public Address)

Mit „Du erinnerst mich an Liebe“ hat sich das Duo Ich+Ich schon in den Charts festgesetzt. Der anrührende Song mit dem Zeichentrick-Video stammt von einer Grande Dame der deutschen Musikszene, die diesmal einen jungen R’n’B-Crooner vors Mikrofon gezogen hat: Ex-Neue-Deutsche-Welle-Star Annette Humpe (53) und Adel Tawil (26). Jetzt erscheint ihr Album "Ich+Ich".

Im Interview sprechen die beiden über Berlin, Melancholie, Michael Jackson und den Eurovision Song Contest.

Ihr wohnt beide in der Hauptstadt. Wie findet ihr das heutige Berlin?
Annette Humpe: „Ich habe Berlin ein halbes Jahr vor dem Mauerfall verlassen und bin 13 Jahre später, wieder zurückgekommen. Es ist jetzt größer und unüberschaubar. Ich kenne mich im Osten nicht gut aus. Ich bin zurück nach Berlin gekommen in etwas, das ich kannte und was ich nicht kannte. Ein Widerspruch. Es ist spannend.“
Adel Tawil: „In Berlin passiert gerade musikalisch viel. Und die Leute finde ich cool. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Meine Tante wohnt in Hamburg und deshalb war ich oft dort. Ich finde Hamburg wunderschön, gerade an der Alster, aber Berlin ist homebase.“

In eurem Song „Der Wind“ heißt es „In unsrem Herzen wohnen der Osten und der Westen“.
Annette Humpe: „Adels Eltern kommen aus Ägypten beziehungsweise Tunesien und das ist Orient. Ich bin Asien-Fan. Ich muss einmal im Jahr nach Indien oder Japan.“

Was fasziniert dich an Asien?
Annette Humpe: „Da herrscht ein anderer Rhythmus. Alles ist viel smoother als hier. Ich beschäftige mich auch mit Buddhismus und das hilft mir, gelassener älter zu werden.“

Bei Ich+Ich müsst ihr eng zusammenarbeiten. Was schätzt ihr am meisten an einander?
Annette Humpe: „Adel ist unheimlich relaxt und kann viel besser chillen als ich. Und er hat einen Schmelz in der Stimme, den ich sehr bewundere.“

Und umgekehrt?
Adel Tawil: „Annette ist geradeaus und ein bisschen ein Kontrollfreak. Da ich eher relaxt bin, ergänzt sich das super. Sie singt so klar und ohne Schnörkel, das hat eine Faszination für mich. Ich habe mehr Soul und spiele rum. Das Gegensätzliche ist eine super Verbindung.“

Annette, nach langen Jahren hinter den Kulissen bist du jetzt wieder auf die Bühne hinausgetreten. Was ist das für ein Gefühl?
Annette Humpe: „Zwischendurch dachte ich: ‚Warum tue ich mir das an?’ und wollte mich schon erschießen. Ich bin aufgeregt und ein bisschen ängstlich, weil ich mich mit diesem Projekt sehr verletzbar mache. Ich brauche innere Stabilität, um mich weder mit Erfolg noch Misserfolg zu identifizieren.“

Wie machst du das?
Annette Humpe: „Harte Arbeit. Buddhistische Arbeit. Sich immer wieder sagen: ‚im Hier und Jetzt leben.’ Ich bin ja nicht besser oder schlechter als Mensch, ob ich nun 100.000 CDs verkaufe oder zwei. Schon bei Ideal, als wir so erfolgreich waren und mich alle Titelblätter abbildeten, habe ich gedacht: ‚Hm, ich bin ja immer noch die Gleiche.“

Verstärkt es den Erfolgsdruck, dass deine Schwester Inga mit 2raumwohnung gerade wieder erfolgreich ist?
Annette Humpe: „Nein, das macht es leichter. Alle Frauen, die über 40 sind und Musik machen, öffnen Türen. Eine Zeitlang dachte man doch, wenn man nicht aussieht wie Britney Spears, darf man gar nicht mehr rausgehen.“

Ich+Ich (Foto: Public Address)Ich+Ich (Foto: Public Address)

Baut sich zwischen euch Schwestern gar kein Druck auf?
Annette Humpe: „Ein sportlicher Ehrgeiz ist schon da.“

Wie ist denn euer Verhältnis?
Annette Humpe: „Zwischendurch haben wir uns mal gefetzt. Aber im Moment ist es sehr gut.“

Magst du die Musik deiner Schwester?
Annette Humpe: „Ich erkenne sie da wieder – es ist ja eine Club-Platte. Sie feiert gerne.“

Seid ihr als Menschen sehr verschieden?
Annette Humpe: „Wir haben ähnliche Stimmen. Und wenn uns Leute sehen, sind sie immer platt, weil ein paar Ähnlichkeiten wirklich frappierend sind. Wir werden andauernd in einen Topf geworfen. Meine Schwester wurde auf der Promo-Tour immer gefragt, wie sie von Ideal zu 2raumwohnung gekommen sei. Wir müssen damit leben, verwechselt zu werden.“

Bist du ernsthafter? Machst du dir mehr Gedanken?

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