Ian Gillan von Deep Purple im Interview

"Ich wäre gern zur Uni gegangen"

published: 10.03.2009

Gut gelaunt stand Ian Gillan Rede und Antwort (Foto: Public Address) Gut gelaunt stand Ian Gillan Rede und Antwort (Foto: Public Address)

Warum tut sich der Mann noch diesen Stress an? Eigentlich hat Ian Gillan längst alles erreicht. Als Frontmann von Deep Purple ist er schon vor langer Zeit auf den Rock-Olymp gezogen. Mit Songs wie "Child In Time" und "Perfect Strangers" begeisterten die Hard-Rock-Veteranen die Kritiker, mit dem Gassenhauer "Smoke On The Water" die Massen. Noch heute sorgt das eingängige Riff der Hymne, das die Comic-Hohlköpfe "Beavis And Butt-Head" in der MTV-Serie ständig grölten, für Rekorde.

Zwar führten die Streitigkeiten zwischen Gillan und Gitarrist Richie Blackmore zu vielen Besetzungswechseln und zum endgültigen Ausstieg des Saitenvirtuosen. Doch das alles konnte Purple, wie die Fans die Band nennen, nichts anhaben. Noch immer touren die Rockdinos, während sich Ian Gillan etlichen Seitenprojekten widmet.

Der 63-Jährige mit der Vier-Oktaven-Stimme trat mit Pavarotti auf oder verkaufte als Stimme des Musicals "Jesus Christ Superstar" mal eben 38 Millionen Tonträger. Nun veröffentlicht der Sänger ein weiteres Solowerk. Auf der Promotour zu "One Eye To Morocco" sitzt Unikosmos eine entspannte und leicht sonnengebräunte Rocklegende für ein Interview gegenüber.

Mr. Gillan, Sie haben ein Alter erreicht, in dem viele Männer ihren Enkeln bereits Märchen vorlesen. Sie aber touren noch und das sicher nicht des Geld wegen. Was treibt Sie an?
"Märchen ist gut. Mein Leben ist wie ein Märchen. Natürlich ist es nicht das Geld. Aber es ist auf eine andere Art und Weise einträglich. Außerdem schreibe ich gerne und betreibe zurzeit viel Recherche für verschiedene religiöse und wissenschaftliche Projekte. Deshalb ist Musik für mich heute wie ein Hobby. Außerdem bin ich kein Typ, der länger als eine Stunde vor dem Fernseher sitzen kann."

So gab Ian Gillan einst bei Deep Purple Gas (Foto: Public Address)So gab Ian Gillan einst bei Deep Purple Gas (Foto: Public Address)

Aber auf Tour müssen Sie für lange Zeit auf Ihre Familie verzichten...
"Ich bin bei meiner Familie, meiner musikalischen Familie. Und meine richtige Familie weiß das. Das bringt auch eine gewisse Qualität in die gemeinsame Zeit. Ich habe früher meine Tochter zur Schule gebracht und sie wieder abgeholt. Und am Wochenende sind wir zum Camping gefahren. Wir hatten viel Zeit. Aber wenn ich weg bin, bin ich weg. Warum schauen sie mich so an?"

Ich habe auch eine Tochter und weiß, wie wertvoll gemeinsame Zeit ist.
"Ich spreche täglich mit meiner Frau und sie ist sehr glücklich. Sie kennt das Musikgeschäft und hat für Virgin Records gearbeitet. Wir haben geheiratet, weil wir uns mochten und auch das Leben, das wir führten. Und niemand sollte die Person, die er mag, ändern."

Sie gehören sicher zu den vielseitigsten Sängern der Rockmusik-Geschichte. Gibt es etwas, dass Sie mit Ihrer Stimme noch gerne ausprobieren möchten?
"Nein, da gibt es nichts, weil ich mit so vielen verschiedenen Einflüssen aufgewachsen bin. Mein Großvater war Opernsänger, mein Onkel ein Jazz-Pianist und ich war als Kind Sopran in einem Kirchenchor. Dann kamen in den 50er Jahren der Blues und der Soul, mit denen ich mich beschäftigt habe. Ich habe mich als Sänger immer den Musikern angepasst, mit denen ich gearbeitet habe. Das Singen war aber nie nur ein Job, es ist eher eine andere Art des Redens."

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