CD-Tipp

Depeche Mode – "Sounds Of The Universe"

published: 23.04.2009

Depeche Mode - "Sounds Of The Universe"  (Foto: Mute) Depeche Mode - "Sounds Of The Universe" (Foto: Mute)

In ihrer jahrzehntelangen Karriere waren sich Depeche Mode bisher in einem Punkt immer treu: Jedes Studioalbum unterschied sich grundlegend von seinem Vorgänger. Dabei erfand die Band meist einen neuen Sound, der andere Musiker inspirieren konnte. Der aktuelle Longplayer "Sounds Of The Universe" dagegen bewegt sich "back to the roots". Dazu legten sich Band und Produzenten eine beeindruckende Sammlung an museumsreifem Equipment zu und spielten mit dem Zusammenwirken von Alt und Neu. Das Ergebnis ist ein Album, aus dem man in den 80er Jahren eine Reihe Titelmelodien für Fernsehserien hätte extrahieren können - "Captain Future" und "Timm Thaler" lassen grüßen. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Song "Peace": Für die Verhältnisse des Albums kommt er allerdings geradezu fluffig und poppig daher.

Ganz anders geht es beim Opener "In Chains" zu. Hier wird mit höchst experimentellen Klangcollagen zuerst eine starke Spannung aufgebaut - vergleichbar mit "Barrel Of A Gun" des "Ultra"-Albums - und dann kommt einfach nichts weiter. Der Song wird in den Drums und Baselines einfach auf Null gesetzt und Dave Gahan setzt sich in Trauermanier mit den Unbilden des Lebens auseinander. "Hole To Feed" knüpft nahtlos an dieses Konzept an. Bei vielen Songs wird immer wieder der Druck, den Gahans ausdrucksvolle Stimme aufbaut, durch Zwischenspiele herausgenommen. Oder anders formuliert: Es wird einfach die Luft aus dem Lied gelassen. Die vorab ausgekoppelte Single "Wrong" ist die klare Ausnahme: Hier steigert sich das Stück konsequent bis zu einem starken Ende. Deswegen bleibt es der einzige Titel des Longplayers mit klarem Hitpotenzial.

Bei der Presskonferenz zur Tour war Dave Gahan sichtlich gut drauf (Foto: Public Address)Bei der Presskonferenz zur Tour war Dave Gahan sichtlich gut drauf (Foto: Public Address)

"Little Soul" erscheint als Hommage an die Schmuse-Ballade "Goodnight Lovers". Dave Gahan und Martin Gore treten als gleichberechtigte Duettpartner auf, mit dem Ergebnis einer netten Nummer ohne Akzente. Ein gelungnes Spielen mit verschiedenen Stilen stellt "Miles Away" dar. Hier liefern R&B-Elemente klare Linien, unterstützt von einer straighten Gitarre und Synthie-Effekten, die Akzente setzen. Ein Song, der einwandfrei auf das 1987er Album "Music For The Masses" gepasst hätte. Natürlich gibt es auch auf "Sounds Of The Universe" den unvermeidlichen Martin-Gore-Schmusesong: Hier heißt er "Jezebel".

Im Ganzen ist "Sounds Of The Universe" ein nettes Album zum Autofahren oder als Hintergrundmusik, wenn gute Freunde zu Besuch sind. Wirkliche Highlights hat es nicht, doch es gewinnt beim wiederholten Hören. Die großen, eingängigen Melodien, die in den 90er Jahren so typisch für Depeche Mode waren, fehlen jedoch völlig. Die Plattenfirma Mute selbst vergleicht "Sounds Of The Universe" gerne mit dem 1990er Werk "Violator". Ein Fehlurteil, denn die meisten Depeche-Mode-Fans werden wohl wieder zu "Violator" greifen, wenn sie mit "Sounds Of The Universe" durch sind.

[Volker Ruckelshauss]

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www.depechemode.de

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