CD-Tipp

Eminem – "Relapse"

published: 19.05.2009

Eminem – "Relapse"  (Aftermath Records) Eminem – "Relapse" (Aftermath Records)

Pillen allüberall: Das Cover ziert ein Mosaik aus Tabletten und Kapseln, das Eminems Konterfei bildet. Der als Marshall Mathers geborene HipHop-Star hatte im Vorfeld seines lang erwarteten Comeback-Albums bekannt gegeben, seine Medikamentensucht überwunden zu haben. Gewohnt ironisch nannte der Oscar- und Grammy-Preisträger sein neues Album "Relapse" (Rückfall). Mit dem Titel spielt er sicherlich auch auf seinen voreilig verkündeten Rückzug ins Private an: Hatte Eminem doch vor einigen Jahren noch behauptet, nie wieder eine Rap-CD veröffentlichen zu wollen.

"Relapse" beschäftigt sich inhaltlich vordringlich mit seinen Drogenproblemen und Therapie-Erfahrungen - natürlich auf Ems typische selbstironische, respektlose und unterhaltsame Art. Bald will der Refrain "Is he nuts?/No, he's insane" ("Insane") nicht mehr aus dem Ohr. Slim Shady bleibt frech, schnell und bei den Hooks unvergleichlich melodisch.

Wie erwartet schießt Eminem wieder zerstörende Disses auf Promis und Musikerkollegen ab. In "Bagpipes from Baghdad" bekommt Mariah Carey ihr Fett weg. Die Vorab-Single "We Made You" hatte ja schon Sarah Palin, Amy Winehouse, Jessica Alba, Kim Kadashian und Lindsay Lohan mit Spott überschüttet.

Obwohl die Ausführung stimmig ist und in Teilen überraschend, ist der Modus operandi so bekannt, so erwartbar, so fast schon nostalgisch-schön, dass man zwangsläufig etwas enttäuscht zurückbleibt. Es ist zwar rührend, wenn Em sich in "Hello" aufgesetzt brav entschuldigt, dass er so lange auf sich warten ließ - er habe es nicht böse gemeint – spätestens dann aber wünscht man sich, er möge doch mal wieder über die Strenge schlagen – und zwar am besten auf eine Art, die man noch nicht Dutzende Mal von ihm gehört hat. Zum Glück tut er das dann auch: "Same Song & Dance" erinnert an seine besten Stücke wie den dramatischen Monolog des gruseligen Mini-Hörspiels "Stan".

Und dann setzt er mit "Stay Wide Awake" noch einen drauf. Die Pointen jagen einander und treffen auf Reimwörter, die man noch nie zusammen gehört hat – oder wer würde Mozarts Geist mit dem Flow eines Rappers in Verbindung bringen? Apropos, warum eigentlich nicht? Der Blonde aus Detroit hebt den Sprechgesang schließlich schon seit 13 Jahren auf ein zuvor nicht gekanntes Niveau. Und weil der 36-Jährige so unerreicht gut ist, darf er dann auch mit seinem alten Produzenten-Mentor Dr. Dre in "Old Time's Sake" wieder auf retro machen. Schön, dass Eminem wieder da ist.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.eminem.com

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