Joris hat mit Pointer über sein Album "Willkommen Goodbye" gesprochen (Foto: privat) Joris hat mit Pointer über sein Album "Willkommen Goodbye" gesprochen (Foto: privat)
Video-Interview

Von Willkommen und Goodbye - Joris' musikalische Reise

"So schnell zieht alles vorbei - Willkommen Goodbye" – so singt Joris auf dem Track "Nachtmusik", einem kürzeren musikalischen Zwischenspiel auf seinem Album "Willkommen Goodbye". Das Album sei mit dem widersprüchlichen Titel sein "bestes Album", findet Joris, wie er Pointer im Interview erzählt. Abschied und Anfang, Abschließen und Aufbruch. Widersprüche spielen eine große Rolle bei Joris - und das nicht erst auf diesem dritten Album., auch wenn "Willkommen Goodbye" diese Widersprüche am deutlichsten zusammenbringt. Sie ziehen sich durch sein komplettes musikalische Werk. Unser Video- Interview kannst du dir hier anschauen:

"Man sollte nie vergessen zu träumen" - Joris im Interview

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Angefangen hat alles mit dem Song "Herz über Kopf", der 2015 erschien. Die Single stieg in Deutschland bis auf Platz 14 und schaffte den Gold-Status. An diesen Erfolg schloss sein Debütalbum "Hoffnungslos Hoffnungsvoll" an. Es erreichte auf Anhieb die deutschen Longplay-Charts. Auch hier verrät der Titel: Es geht um innere Zerrissenheit, Loslassen und Weitermachen, um "Verbrennen im Schnee". Es ist bittersüß. Der Erfolg hielt an: Joris gewann 2016 nicht nur den Echo für sein Debütalbum, sondern auch den als Newcomer des Jahres. Darauf folgten um die 300 Konzerte innerhalb von drei Jahren. Danach nahm sich der heute 31-Jährige eine Auszeit. Er fuhr für einen Monat nach Italien, ließ seine Gedanken Revue passieren. Drei Jahren später erschien dann sein zweites Album "Schrei es raus". "Schrei es raus" wirkt aggressiver, ist ein Longplayer mit progressiverem Sound, mit mehr Haltung. Es scheint getränkt von Mut und Hoffnung - Widersprüche lassen sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Dabei haben einige Songs auf dem Album durchaus einen schwermütigen Beigeschmack.
 


In der aktuellen Staffel der TV-Sendung "Sing meinen Song" ist Joris einer der Teilnehmer. In der Folge, in der die anderen Musiker seine Songs interpretieren, wählte Stefanie Heinzmann den Track "Signal". Das ist ein Lied vom zweiten Album, ein Song mit eher fröhlicher Melodie und hoffnungsvollem Text. Doch die Geschichte, die Joris über die Entstehung des Tracks teilt, ist eine dunklere: Am 24. Juli 2016 spielte Joris mit seiner Band beim Open-Festival in Ansbach. In der Nähe des Festivalgeländes kam es zu einem Selbstmordanschlag, bei dem sich ein junger Syrer in die Luft sprengte. So berichtete es die "Süddeutsche Zeitung" einen Tag später. "Auf einmal macht’s einen riesigen Schlag und überall kamen Nägel runter", erinnert sich Joris in der Sendung. "Ich habe Todesangst gehabt."

Danach war die Selbstverständlichkeit, mit der er davor auf die Bühne ging, weg. "Ich liebe es, auf der Bühne zu sein, ich liebe es, Mucke zu machen. Drei Tage später stand ich in Kassel, und mir lag nichts ferner, als auf eine Bühne zu gehen. Ich habe noch nie geweint, bevor ich auf die Bühne gegangen bin. Aber da habe ich unfassbar doll geweint. Ich konnte nicht mehr." Mit dem Song "Signal" wollte er ein Zeichen setzen. "An irgendeinem Tag wird es enden, doch an allen anderen nicht", heißt es im Song. Hinter dem auf den ersten Blick so positiv tönenden Stück klingt eine schwere Note an. Ähnlich verhält es sich mit dem Titel "Glück auf", der ebenfalls auf dem zweiten Album zu finden ist. "Es geht aufwärts" singt Joris. Dennoch deutet der melancholische Sound auf einen ebenso melancholischen Hintergrund, wie Joris in seiner Folge von "Sing meinen Song" bestätigt. Es geht um die Beziehung zu seinem Vater.
 


Geboren am 1. Dezember 1989 in der Nähe von Bremen, wächst Joris in der Kleinstadt Vlotho bei Bielefeld auf. Schon in jungen Jahren entdeckt er die Musik für sich. Mit fünf Jahren bekommt er zu Weihachten von seinen Eltern ein Schlagzeug. Mit sieben erhält er Klavierunterricht. Dennoch sei sein Vater der Grund, warum er Musik mache. "Er hat mir den Film 'Blues Brothers‘ gezeigt, als ich fünf Jahre alt war. Ich habe definitiv nicht gecheckt, worum es in dem Film ging, aber was ich gecheckt habe, war, dass man mit Musik viele Leute zusammenbringen und begeistern kann." erzählt er auf ProSieben. Sein Vater habe sich ein Saxophon auf dem Flohmarkt gekauft, obwohl er nicht spielen konnte. "Ich saß dann am Schlagzeug, wir haben zusammen gejammt", erinnert er sich weiter.

Als seine Eltern sich trennten, bleiben nicht alle Kinder beim selben Elternteil. Die Geschwister gehen zur Mutter, Joris zu seinem Vater. "Ich habe von ihm super viel Liebe und Unterstützung erfahren. Trotzdem hatte er nicht so die Gabe, für sich eine intakte Beziehung zu finden und da irgendwie glücklich drin zu sein in der Zeit damals,", sagt Joris. "Glück auf" schreibt er für seinen Vater. "Ich habe es im Vorfeld nie erzählt, aber dieses Lied habe ich für meinen Vater geschrieben." Er rief ihn vor der Sendung an, um darüber zu sprechen, dass der Song womöglich thematisiert würde. "Ich wusste nicht, ob er überhaupt weiß, dass der Song für ihn war. Wir haben beide am Telefon geweint", verrät Joris gegenüber seinen Kollegen. "Wir waren immer das Team. Als er durch so eine schwere Zeit gegangen ist und ich gerade auf Tour war und eigentlich überhaupt nicht viel da sein konnte für ihn, habe ich diesen Song geschrieben".
 


Jetzt also das dritte Album "Willkommen Goodbye". Mit Titeln wie "Nur die Musik" und "No Drama" bringt Joris gute Laune, Leichtigkeit und Unbeschwertheit auf das Album. Aber auch hier gibt es Titel wie "2017" oder "Steine", die eine gewisse Schwermütigkeit enthalten und ein bisschen Herzschmerz darstellen. Die Ballade "Steine" schrieb er beispielsweise für seine Freundin, als diese um eine vertraute Person trauerte. "Es gibt im Leben Situationen, da kannst du den schönsten Tag erleben, dann klingelt das Telefon, und die Welt bleibt stehen. Dass Menschen, die einem nahe stehen, sterben, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen können", sagte Joris laut dpa.

Auch dieses Album zeigt: Widersprüche und Zerrissenheit sind wiederkehrende Motive in der Musik von Joris, auch wenn sie sich mit der Zeit gewandelt haben. Waren sie bei "Hoffnungslos Hoffnungsvoll" noch auffallend und unübersehbar und bei "Schrei es raus" eher versteckt und im Hintergrund, sind sie bei "Willkommen Goodbye" genau richtig platziert. Weder zu laut, noch zu leise, weder zu melancholisch, noch zu fröhlich: Joris hat den richtigen Ton getroffen.
 

[PA]

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