CD-Tipp

Morcheeba – „The Antidote“

published: 10.05.2005

Morcheeba - "The Antidote"  (Foto: Echo/Pias) Morcheeba - "The Antidote" (Foto: Echo/Pias)

Sie haben also weitergemacht, die Brüder Paul und Ross Godfrey, trotz abwärts rutschender Verkaufszahlen und hämisch werdender Kritiken. Um es vorwegzunehmen: Ihre heutige Musik hat wenig mit dem zu tun, was sie einst berühmt machte.

Nichts ist mehr so triphoppig wie ihr erster Hit „Trigger Hippie“ oder „Who Can You Trust?“ und „Big Calm“, ihre genialen Alben von 1996 und 1998, die den Durchbruch bedeuteten. Damals wurden sie mit Portishead und Massive Attack verglichen. Das Meditative, Tiefe, Sphärische fehlt jetzt. „The Antidote“ untermalt nicht mehr die schummrige Nacht und liefert den Soundtrack zum Chillen, Quatschen oder Schmusen.

Eher schon setzt die neue CD die Entwicklung fort, die „Fragments Of Freedom“ begann – poppiger, heller, sommerlicher. „The Antidote“ ist nichts mehr zum Grübeln, zum Philosophieren, zum Träumen. Es ist Radio statt Club oder Schlafzimmer. Es ist die richtige Wahl für die Fahrt im Cabrio auf dem Weg zum Shopping nach FlipFlops und Sonnenhüten.

„The Antidote“ ist auch das erste Album ohne Sängerin Skye Edwards. Sie ist durch Daisy Martey ersetzt worden, die vorher die Vocals für die Band Noonday Underground lieferte. Marteys Stimme ist härter und klarer als Edwards und fügt sich wirklich besser in den neuen Morcheeba-Sound ein. Trotzdem vermisst man die tonalen Nuancen der sinnlichen Vorgängerin an allen Ecken und Enden.

Zu was soll „The Antidote“ eigentlich das „Gegengift“ sein? Zu dem alten, melancholischen Morcheeba-Sound? Das funktioniert erst beim fröhlichen „Lighten Up“, das so eingängig ist, dass es die schlechte Laune in der Tat mit einem Atemzug wegpustet. Die Sehnsucht nach den alten Morcheeba taucht aber spätestens bei „God Bless“ wieder auf. Und bleibt.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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