"Ich habe noch nie gekifft"

Seeed-Sänger Frank Dellé im Interview

published: 27.07.2009

Unikosmos sprach mit Frank Dellé über sein Soloalbum (Foto: Public Address) Unikosmos sprach mit Frank Dellé über sein Soloalbum (Foto: Public Address)

Peter Fox hat es vorgemacht, jetzt legt der andere Seeed-Sänger mit toller Solo-Musik nach: Frank Dellé gibt der erwartungsvollen Musikhörerschaft mit der fetten Single "Pound Power" ganz schön was zu verdauen.

Zu breiten Beats singt der Frontmann mit Wurzeln in Ghana darüber, dass er reichlich Fleisch, Fett und Gewürze in seinem Essen brauche. Unikosmos hat mit ihm über den Song, seinen Seeed-Kollegen Peter Fox und die Zukunft der Band gesprochen. Dellés Solo-Album "Before I Grow Old" mit ganz viel Roots-Reggae ist ab dem 28. August zu kaufen.

Deine Single "Pound Power" wird wohl nicht das neue Lieblingslied von Vegetariern und Diät-Aposteln…

Frank Dellé: "Nee, Vegetarier sind Extremisten und ich mag keine Extremisten. Ich mag ausgewogene Ernährung.. Ich meine, ausgewogene Fleischernährung. Ich stehe auch nicht auf so ganz dünne Frauen. Aber es kommt darauf an: Sie können ja auch eine Pound-Power-Seele haben! Es geht bei dem Song darum, das Leben zu genießen. Und er wendet sich auch ein bisschen gegen diesen Heidi-Klum-Strom."

Frank hat das Video zur Single "Pound Power" in Ghana gedreht (Foto: Public Address)Frank hat das Video zur Single "Pound Power" in Ghana gedreht (Foto: Public Address)

Heidi Klum ist demnach nicht Deine Traumfrau?

"Ich bevorzuge weibliche Rundungen in jeglicher Hinsicht. Heidi Klum ist ziemlich dünn... Aber sie hat Selbstbewusstsein, so ein Strahlen. Das ist auch Pound Power.
Der Song 'Pound Power' bezieht sich aber nicht nur auf Frauenkörper. Beim Video ging es mir auch darum, ein anderes Bild von Afrika zu zeigen, als das, welches man immer sieht. Ich zeige Lebensfreude, Abfeiern und sogar eine Poolparty - ja, und das in Afrika. Das gibt es dort nämlich auch. Die Menschen verbinden mit Afrika sonst immer nur Bürgerkriege und Armut. Einer hat als Kommentar zu meinem Video geschrieben: "nichts zu fressen und dann über fleisch inna suppe singen". Wenn ich in Ghana bin, feiere ich mit meinen Cousins und Cousinen ab und nehme immer zu."

Wie gehst Du nach dem Erfolg von Pierre Baigorry alias Peter Fox und seinem Soloalbum "Stadtaffe" mit dem Druck um, der jetzt auf Dir liegt?

"Mit meinem englischen Reggae-Album hätte ich eigentlich gar nicht erwartet, dass ich bei Warner Music einen Vertrag kriege! Der Erfolg von Pierre ist geil. Auch für Seeed ist das der Hammer. Jetzt sind so viele neue Fans da, die Seeed vorher gar nicht kannten. Viele haben doch Peter Fox gar nicht als Sänger von Seeed wahrgenommen, sondern als neuen Künstler. Ich glaube, Pierre ist total erschrocken, wie erfolgreich sein Solo-Ding geworden ist. Das war ein deutsches Album mit wirklich komplett neuer Musik. Ein Jahrhundertding, finde ich. Das nächste Seeed-Konzert wird der Hammer."
 

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Wann wird es denn Neues von Seeed geben?

"Wir fangen schon 2010 an zu produzieren. Einige der Beats sind jetzt schon in der Mache. Ich nehme an, Pierre wird bis Ende August noch Konzerte spielen. Dann wünsche ich ihm, dass er in Urlaub fährt und ein bisschen entspannt. Und dann werden wir ab Anfang des Jahres reinhauen und hoffentlich 2011 das Album fertig haben. Das ist auf jeden Fall der Plan."

Was ist eigentlich so toll am Reggae?

"Ich bin in Ghana damit aufgewachsen. Mit acht Jahren hat mich Bob Marley fasziniert und das hat mich bis heute geprägt. Er hat durch Reggae das ausgedrückt, was ihn am Leben gestört oder was er sehr geliebt hat. Hier in Deutschland wird unter Reggae so ein Summer-Sunshine-Reggae verstanden. Man denkt, Kiffen und Dreadlocks gehören dazu - das hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was ich mit Reggae so verbinde. Das ist mir zu oberflächlich und zu flach. Für mich war Reggae "resist against the system". Das bedeutete für mich dieser Offbeat. Denn beim Reggae heißt es eben nicht eins – zwei – drei - vier, sondern die Betonung geht gegen den Takt. Und das fand ich geil. Deutschland ist ja eher ein Land von eins – zwei – drei - vier. Das kennt man und deswegen funktionieren auch Techno, House und Rockmusik so gut."

Und woher kommt es, dass ein paar Leute in Deutschland Reggae doch ziemlich gut finden und spätestens seit Seeed richtig darauf abfahren?

"Es gibt auf der einen Seite die Skins und die Verbohrten, die es überall gibt. Aber Deutschland ist, finde ich, auch ein sehr offenes Land. Die Leute reisen viel und setzen sich mit einer Menge Sachen auseinander. Und wenn ich mit der Musik meine Geschichte transportiere, ist das ja eine andere als die von Bob Marley. Ich bin kein Rastafarian. Ich bin in einer gesunden normalen Familie aufgewachsen, ohne Drogen, ohne Probleme. Ich habe keine krasse Ghettostory."

Ganz ohne Drogen? Kifft Ihr Musiker denn nicht alle?

"Ich habe nie was dagegen gehabt. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, in der das die meisten Leute relativ normal machen – so wie Bier oder Wein trinken. Wegen meines Äußeren werde ausgerechnet ich aber immer für den ersten gehalten, der kiffen müsste. Viele fragen ganz verwundert nach: 'Wie - Du kiffst nicht?'. Dann sage ich: 'Nein, bis jetzt noch nicht.' Habe ich bis heute auch noch nicht. Ich habe wirklich noch nie gekifft!"


Viele junge Leute, die Berufsmusiker werden möchten, überlegen, alles auf eine Karte zu setzten. Du selbst bist Diplom-Filmton-Ingenieur. Sollte das Dein sicheres Standbein sein?

"Ich hatte das Glück, in eine Akademiker-Familie geboren zu werden, und gefährde mit meinem Wunsch, Musiker zu werden, diese hart erarbeitete Erungenschaft. Das verstehen viele meiner afrikanischen Verwandten erstmal nicht. Es war ganz klar, ich muss irgendwas studieren. Was ich als Musiker jetzt generell empfehlen würde, ist, das zu machen, worauf man wirklich steht. Nur dort kann man besonders gut werden. Und ich glaube, man muss generell das Gefühl haben, etwas fertig gemacht zu haben – ob das nun eine Lehre oder ein Studium ist. Mein Studium in Babelsberg an der Hochschule für Film und Fernsehen kann ich total empfehlen. Es geht nicht nur um Musik, sondern generell um Filmton, also um Sounddesign, Mischen, O-Ton-Aufnehmen bei Filmaufnahmen. Es war super-spannend. Und man hat viel mit Leuten zu tun, die sich generell für Kreatives und Kunst interessieren."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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