CD-Tipp

50 Cent – "Before I Self Destruct"

published: 23.11.2009

50 Cent – "Before I Self Destruct"  (Interscope/Universal) 50 Cent – "Before I Self Destruct" (Interscope/Universal)

Der Modellathlet mit dem charakteristisch schleppenden Flow ist wieder da: 50 Cent, der lässiger Reimer aus Queens, hat jetzt doch sein viertes Album "Before I Self-Destruct" von der Leine gelassen. Der HipHopper hatte das Erscheinungsdatum mehrfach verschoben - zuletzt, um Eminem und dessen Comeback-CD den Vortritt zu lassen.

Das Warten hat sich gelohnt: Curtis Jackson, so Fiftys Geburtsname, klingt zwar exzellent vorbereitet, aber nicht gelangweilt - vielmehr so, als könne er es gar nicht abwarten, endlich wieder die Speerspitze des US-Rap zu verkörpern. Drängender, ungeduldiger, härter und überraschender als Eminem auf dessen alles in allem doch enttäuschenden "Relapse"-Album klingt das schwarze Muskelpaket – und weniger poppig sowieso.

Heftiges Kopfnicken

Stattdessen gibt sich 50 Cent sauer - das Cover zeigte es schon. Der Millionär inszeniert sich mit Kopfwunde irgendwo zwischen Computergame, Hollywoodfilm und Comic. Mit "The Invitation" geht es furios los. Der starke Track läutet heftiges Kopfnicken ein, das über weite Strecken des Albums angesagt bleibt. Rasant prescht das sexy Stück "Get It Hot" vorbei. Bei "Death To My Enemies" sitzt dann Dr. Dre an den Reglern. Und Fifty verspricht: "I bring money to my niggers/ but bring death to my enemies". Ähnlich böse geht es weiter: Den Gangster gibt der 34-Jährige auch in Bangern wie "Crime Wave" oder "Gangsta's Delight".

Harmlose Top-Forty-Ohrwürmer wie "Candy Shop", der Hit aus 2005, finden sich auf "Before I Self-Destruct" nicht. Am ehesten erfüllt noch das entspannte "Then Days Went By" die Anforderungen der Popcharts, das auf auf Michael Jacksons Version von Bill Withers Soulhymne "Ain't No Sunshine" basiert.

Konzentration aufs Wesentliche

Kumpel Eminem schaute - passenderweise beim Track "Psycho" - für einen Gast-Rap vorbei und sorgt bei Fiftys Lines für Tempo. Auch Ne-Yo und R. Kelly haben es mit ihren R'n'B-Hooks aufs Album geschafft. Das war es dann aber schon mit der Promi-Gästeliste. Soviel Reduziertheit und Konzentration aufs Wesentliche hätte man dem halben Dollar gar nicht zugetraut. Auf Berühmtheiten setzt der G-Unit-Boss auch für den Produzenten-Job nur bedingt: Hier geben sich Havoc, DJ Khalil, Rick Rock, Team Ready, Team Demo und Dual Output die Knöpfe in die Hand - und bannen dadurch drohende Dr.-Dre-Monotonie.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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