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Kelly Osbourne im Interview

"Drogensucht ist genetisch bedingt."

published: 29.06.2005

Kelly Osbourne - "Sleeping In The Nothing" (Foto: Sony BMG) Kelly Osbourne - "Sleeping In The Nothing" (Foto: Sony BMG)

Sie ist gerade 20 Jahre alt und hat bereits so viele Abstürze und Drogenexzesse hinter sich, dass manch alternder Rockstar erblassen würde. Auch fiese Kommentare über ihre Rundungen, modischen Fehlschläge und rüpelhaften Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen musste sich die Tochter von Ozzy und Sharon Osbourne gefallen lassen - doch Kelly gibt nicht gerne auf.

Mit ihrem zweiten Album "Sleeping In The Nothing" wollte die von Tablettensucht gebeutelte Kelly aller Welt beweisen, dass sie musikalisch etwas drauf hat. Doch die Sucht stand offenbar dazwischen: Kelly ließ sich wieder in eine kalifornische Drogenklink einweisen und erlebt nun die Album-Veröffentlichung vom Krankenbett aus.

Das Interview mit Unikosmos fand kurz vorher in München statt. Darin spricht Kelly über ihren letzten Unfall, die Krebserkrankung von Kylie Minogue, warum sie abhängig wurde, ihre frühere Entziehungskur, warum ihr Vater zum Ritter geschlagen werden sollte und warum sie glaubt, dass Krebs und Drogenabhängigkeit genetisch bedingt seien.

Du hast einen Verband um deinen Mittelfinger. Was ist passiert?
„Ich war am Montag in Schweden auf dem Weg zu einer TV-Sendung. Weil ich etwas spät dran war, habe ich versucht, den wartenden Paparazzi und ihren vielen Blitzlichtern zu entkommen. Als ich eine Treppe hinaufgelaufen bin, bin ich ausgerutscht habe mir meinen Kopf, meine linke Hand und mein Knie gestoßen, und als ich versucht habe mich abzustützen, bin ich mit meiner Hand zwischen zwei Stufen hängen geblieben. Da habe ich mir die Gelenke verletzt, meine Handinnenfläche und besonders den Mittelfinger. Es war echt hart in der Show, denn ich hatte Schmerzen und habe die ganze Zeit mein Weinen unterdrücken müssen. In der Nacht ist dann noch ein Arzt hier zu mir ins Münchner Hotel gekommen und hat mir den Nagel des Mittelfingers gezogen.“

Das muss sehr schmerzhaft gewesen sein...
„Es war sehr, sehr, sehr schmerzhaft. Ich habe vielleicht eineinhalb Stunden geschlafen. Aber auch diese Schmerzen werden vorüber gehen.“

Gerade ging durch die Medien, dass Kylie Minogue an Brustkrebs erkrankt ist. Weißt du davon?
„Das ist ja schrecklich. Das ist wirklich schrecklich.“

Wie fühlst du dich, wenn du so eine Nachricht hörst?
„Krebs ist eine Krankheit, die mir nicht unbekannt ist. Meine Mutter ist fast daran gestorben und bei meiner Schwester wurde auch vor kurzem Krebs diagnostiziert. Man hat ihr dann aber das bösartige Gewebe entfernt und jetzt geht es ihr schon wieder besser. Aber es ist wirklich eine ernste Angelegenheit. Doch ich bin mir sicher, dass Kylie es schafft. Sie ist eine starke und fitte junge Frau und ich bin mir sicher, dass sie damit fertig wird.“

Da Krebs in deiner Familie so oft vorgekommen ist, fühlst du dich von dieser Krankheit besonders bedroht?
„Ich glaube, Krebs ist genetisch bedingt. Jeder hat ihn in irgendeiner Form in seinem Körper. Bei manchen bricht er eben aus, bei anderen nicht. Aber Krebs ist eine große Angst in unserer Familie. Bei meinen Eltern, mir und meinen Geschwistern.“

Hat die Angst vor Krebs dein Leben verändert?
„Sie bringt einen dazu, dass man das Leben mehr schätzt und auch die moderne Medizin. Denn ohne das alles, die ganzen Tests und die Technologie, wäre meine Mutter nun schon tot.“

Du bist derzeit in Deutschland, um dein neues Album zu promoten. Auf dem Cover zur ersten Single „One Word“ siehst du aus wie ein braves Schulmädchen und nicht wie die böse Rock-Göre. Was ist passiert?
„Dieses Bild zeigt definitiv meinen Imagewechsel. Ich habe mir die Hauptdarstellerin des französischen New-Wave-Films 'Alphaville' als Vorbild genommen und ihren Stil kopiert. Daher dieses Outfit. Es war eindeutig mein Wunsch, mein Image zu ändern.“

Warum? Man kannte dich bisher nur als frechen Popstar.
„Ich bin eben nicht wie jeder andere. Ich bin nicht Avril Lavigne oder eines der anderen Püppchen. Und ich will nicht diesen aufgesetzten Pop-Bullshit leben. Es ist alles so 'fake' und so aufgesetzt, was die Plattenfirmen diesen Mädchen antun. Sie sind talentierte Frauen und trotzdem wird ihnen gesagt, was sie sagen, tun und anziehen dürfen. Es ist alles so künstlich!“

Du hast als Albumtitel „Sleeping In The Nothing“ (zu deutsch „Schlafen im Nichts“) gewählt. Eine Reminiszenz an den Film „Die Unendliche Geschichte“...
„Ja, das stimmt. Ich fand das Zitat passend, denn in dem Film symbolisiert das Land Fantasien deine Träume und deine Fantasie, und das 'Nichts' versucht, diese Träume zu töten. Vor dem Album gab es eine Zeit in meinem Leben, in der ich nichts gemacht habe. Ich hatte keine Fantasie mehr und keinen Willen, weiterzuleben. Ich schlief in mir selbst. Daher der Titel.“

Wer oder was hat dich aufgeweckt?
„Mein Drogenentzug. Ich wurde clean und habe mich wieder neu entdeckt.“

Du hast einmal gesagt, Drogenabhängigkeit sei genetisch bedingt. Glaubst du das heute immer noch?
„Ja! Drogen- oder Alkoholsucht sind genetisch bedingt. Man wird so geboren, wie andere Menschen homosexuell geboren werden. Es ist in unserem Körper und uns vorherbestimmt. Ich glaube, jeder hat eine Sucht - bei manchen ist es beispielsweise Schokoladensucht.“

Du hast über das aktuelle Album gesagt, dass es das Debüt ist, was du nie veröffentlichen konntest. Obwohl du bereits vor einigen Jahren schon mal den Longplayer "Shut Up" herausgebracht hast...
„Das stimmt. Ich fühle mich so, denn nun können die Leute mein wahres Ich sehen. Es ist auch ein Stück meiner Geschichte, denn es behandelt mein Leben der letzten drei Jahre. Und zwar durch meine Augen, nicht durch die von MTV oder den anderen Medien. Es geht darum, wie ich mich fühlte, als mir das Herz gebrochen wurde, meine Sicht auf die Gesellschaft und wie ich mit meiner Drogensucht fertig wurde.“

Glaubst du denn, die Öffentlichkeit hat ein falsches Bild von dir?
„Ich weiß nicht, was die Öffentlichkeit von mir denkt.“

Macht es dir denn etwas aus, was sie denkt?
„Ich will nicht sagen, dass es nicht weh tut, wenn man etwas Gemeines über sich liest, wie 'sie ist fett und hässlich' oder 'ihre Musik ist schlecht'. Aber was mich an diesem Album so freut, ist, dass auch wenn man mich nicht mag, das Album kann man einfach nicht schlecht finden. Denn dafür ist es zu gut.“

Was machst du vor Live-Auftritten? Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Künstler sich aufputschen vor einer Show...

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