CD-Tipp

The White Stripes - "Get Behind Me Satan"

published: 07.06.2005

The White Stripes - "Get Behind Me Satan"  (Foto: XL Recordings) The White Stripes - "Get Behind Me Satan" (Foto: XL Recordings)

Ob man White-Stripes-Sänger Jack soviel Romantik zugetraut hätte? Nur wenige Tage vor der Veröffentlichung des fünften Albums der White Stripes, "Get Behind Me Satan", gibt er dem britischen Model Karen Elson sein Ja-Wort - auf einem Kanu inmitten des Amazonas vor den Augen eines Schamanen-Priesters und (!) eines katholischen Geistlichen. Bei der Zermonie war sein musikalisches Gegenstück Meg White als Trauzeugin dabei.

Mit Konventionen brechen will das Rock-Duo mit dem Album "Get Behind Me Satan" auch musikalisch nicht. Wenn es um Rock'n'Roll geht, wissen die beiden, was sich gehört: "My Doorbell" beschwört rhythmisch den Geist der 70er herauf. Dazu lassen sich Hüften schwingen. Ihre Vorliebe für diese Dekade hält die Whites jedoch nicht davon ab, ihren geraden Rockklängen Blues- und Countryelemente unterzumischen und statt zur (auf Dauer langweiligen) Gitarre auch mal zum Piano oder der Marimba zu greifen.

"The Nurse" wird getragen von den Klängen der Marimba, die Meg mit den Drums und Jack mit der Gitarre nur kurz unterbrechen, während Jack über die zerstörende Kraft der Hingabe und des Vertrauens sinniert und einen grausamen Mord in eine Liebesgeschichte verwandelt: "Poison is always fed with a spoon...No I am never gonna let you down now..." ("The Nurse").

Dass Männer immer mehr wollen, weiß auch Jack: In "Take, Take, Take" trifft er auf Rita Hayworth, die, statt ein Autogramm zu geben, ihre Lippen auf das Papier presst, worauf Jack singt: "That was all that I needed...". Das ist ihm dann doch nicht genug und die Szene endet in Selbstmitleid: "She didn't even care that I was even there / What a horrible feeling."

Der kürzeste Song "Passive Manipulation" ist Megs Appell an die Mädchen, auf ihre Mütter zu hören, und dauert 30 Sekunden. Auf Megs Frage, was Jack die erste Single "Blue Orchid" bedeutet, antwortet er: "The same thing pizza means to you." Rätselhaft bleibt zudem die Beziehung der Whites zueinander: Am Ende des Albums steht die Piano-Ballade "I'm Lonely (But I Ain't That Lonely Yet)", in der Jack singt: "I love my sister, Lord knows how much I miss her." Nur: Ist Meg die Schwester?

Jeder der 13 Songs auf "Get Behind Me Satan" hält sein kleines Geheimnis für den Hörer bereit. Das ist in einer Welt der Singles und Downloads eine seltene Erinnerung daran, wie aufregend ein Album sein kann.

[Shila Behjat]

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