Billy Corgan im Interview

"Die Pumpkins haben noch eine Chance"

published: 20.06.2005

Billy Corgan (Foto: Public Address) Billy Corgan (Foto: Public Address)

Das Soloalbum hatten alle schon erwartet, als Mastermind Billy Corgan die Smashing Pumpkins 2000 auflöste. Damals kam das Projekt Zwan dazwischen. Heute erst erscheint sein erstes Soloalbum „The Future Embrace“. Der als Arroganzling und Egomane verschriene Musiker kam extra für Interviews nach Deutschland. Unikosmos sprach mit einem nachdenklichen, charmanten Mann.

Corgan verrät, was der wirkliche Grund für die Trennung der Alternative-Legende Smashing Pumpkins war und warum es doch noch eine Chance für eine Reunion gibt. Außerdem erklärt er, wie seine Freundschaft zu Robert Smith von The Cure aussieht und warum er Festivals hasst.

Nachdem ich einen Blick auf das Pressefoto geworfen hatte, habe ich eigentlich erwartet, dass du einen richtigen Bart hast...
Billy Corgan: „Oh, die haben ein ganz altes Foto von mir benutzt, das ist zwei Jahre alt. Ich habe keine Ahnung, warum das alte Foto veröffentlicht wurde. Jetzt habe ich keinen Bart mehr!“

 (Foto: Public Address)(Foto: Public Address)

Warum hast du ihn abrasiert?
„Weil ich ohne Bart besser aussehe!“

Aber heute hast du Stoppeln. Rasierst du dich nicht gerne?
„Nein, ich hasse es! Es ist so langweilig. Alles, was langweilig ist, mag ich nicht.“

Oh, das ist dann aber nicht so praktisch bei deiner Frisur, dem blitzblank rasierten Kopf. Heute trägst du eine Mütze - wieso?
„Mir ist kalt. Frisch rasiert bin ich aber trotzdem (Corgan lupft kurz seine Kopfbedeckung).“

Du machst einen sehr netten Eindruck. Warum haben mich eigentlich alle vor dir gewarnt?
„Ich habe einen wirklich schlechten Ruf. Meine Familie ist sehr gebildet und intelligent. So wurde auch ich erzogen. Es ist immer noch schockierend für mich als Musiker, dass die Welt um mich herum so dumm ist: Die Leute stellen dumme Fragen, reden über dummes Zeug. Deshalb ist meine erste Reaktion, einfach alles erst einmal dumm zu finden. Aber das kann man nicht machen, weil man ja nicht selbst die Artikel schreibt. Wenn du einem Journalisten sagst, er sei dumm und stelle dumme Fragen, dann wird er dich sicherlich in seinem Artikel als Arschloch bezeichnen. So bekommst du einen bestimmten Ruf. Der nächste Journalist kommt dann und fragt dich, wieso du so bist und greift dich an. Und dann antworte ich: ‚Fuck you, fuck you!’ So wird es schlimmer. Mitte der 90er war ich als der arrogante Durchgeknallte seiner Generation abgestempelt.“

Deine Musik bedeutet dieser Generation etwas. Würdest du sagen, dass du jetzt persönlich woanders stehst als damals?
„Absolut. Völlig woanders und das ist absolut persönlich. Das hat nichts mit der Band zu tun, oder damit, nicht in der Band zu sein. Das hat nur etwas mit mir selbst zu tun.“

Was ist heute anders?
"Lange Zeit war für mich Glücklichsein an Erfolg geknüpft. Wenn es meiner Band gut ging und wir gut spielten, ging es mir gut - und umgekehrt. Ich hatte nichts anderes in meinem Leben, das mir irgendeine Grundlage geben konnte. Das ist jetzt anders. Und deshalb kann ich so hier sitzen, weil ich keine Agenda habe.“

Was ist passiert, das diesen Wandel ausgelöst hat?
„Gott.“

Du hast Gott gefunden?
„Gott hat mich gefunden.“

 (Foto: Public Address)(Foto: Public Address)

Was ist deine Religion?
„Ich glaube an alles. Ich glaube nicht an Exklusivität, daran, etwas auszuschließen, weil man einem bestimmten 'Club' angehört. Aber ich denke, ich bin Monotheist. Aber so ganz weiß ich es nicht. Ich glaube auch daran, dass Gott sich in Untereinheiten teilt, die man auch Gott nennen kann.“

Hast du religiöse Rituale, die du ausübst?
„Ja, aber über die möchte ich nicht sprechen.“

Ist „The Future Embrace“ ein religiöses Album?
„Nein. Die Menschen denken bei ‚Religion’ immer an das Christentum oder den Buddhismus. Ich würde es als spirituelles Album bezeichnen. Ich wurde als Katholik erzogen, aber ich bin nicht getauft. Ein Moslem soll aber auch mein Album hören können und seinen Gott erkennen können.“

Du musst eine ganz besondere Beziehung zu Jimmy Chamberlin haben.
„Er ist wie ein Bruder. Wir empfinden Musik ähnlich: leidenschaftlich. Es gibt nur eine Art zu spielen: ohne Zurückhaltung. Persönlich sind wir sehr unterschiedlich. Jimmy ist sehr extrovertiert, feiert gerne, ist sehr beliebt, sehr witzig. Bei mir denken alle: ‚Was ist sein Problem? Er ist komisch. Warum ist er so still?’"

Es gab unendlich viele Theorien, warum die Smashing Pumpkins auseinander gegangen sind. Was war wirklich der Grund?
„Es war der Bruch zwischen mir und James Iha. James und ich hatten die Band 1987 gegründet - in meinem Schlafzimmer im Haus meines Vaters. Unsere Beziehung war der Kern der Band. Der Grund für die Trennung war der Zusammenbruch dieser Beziehung.“

Was ist passiert?
„Es war ein langsamer Tod. Er begann 1993, Probleme mit mir zu haben. Ich habe versucht, das Problem zu beheben, er aber nicht.“

Was war das Problem? Neid?
„Das wäre eine sehr einfache Erklärung. Aber vielleicht ist es so. Er ist ein Mensch, mit dem man 20 Jahre zu tun haben kann, ohne ihn zu kennen. Ich weiß nicht, was er denkt, was er mag oder was ihm wichtig ist. Wenn man sein Leben betrachtet seit der Trennung vor vier Jahren, fragt man sich, wo die Musik geblieben ist. Alle Energie scheint er in seine Person gesteckt zu haben, in das, was er will. Ich denke, man muss der Musik dienen, nicht sie dir. James und ich haben eine grundlegend unterschiedliche philosophische Anschauung.“

Wenn er sich nun bei dir melden und mit dir neu anfangen wollen würde… gäbe es da noch eine Chance?
„Auf jeden Fall!“

Echt? Würdest du dieses Risiko eingehen?

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