CD-Tipp

Nina Hagen – "Personal Jesus"

published: 27.07.2010

Nina Hagen - "Personal Jesus" (Universal) (Foto: Public Address) Nina Hagen - "Personal Jesus" (Universal) (Foto: Public Address)

Schräg, überdreht, durchgeknallt. Wenn diese Zuordnungen auf eine Person zutreffen, dann auf Nina Hagen. Die Urmutter des deutschen Punk hat sich bis heute so sehr geweigert, bürgerliche Züge anzunehmen, dass die Musik bei der ein oder anderen Aktion der Sängerin in den Hintergrund getreten ist. Dabei hat die 55-Jährige, die Ende der 70er, Anfang der 80er musikalisch ihre beste Zeit hatte, mit Alben wie "Unbehagen" oder "Nina Hagen Band" längst bewiesen, dass ihre Stimme und Texte es wert sind, gehört zu werden. Trotzdem sorgten diverse öffentliche Ausraster sowie einige Statements zu Esoterik und Außerirdischen später für mehr Aufmerksamkeit und etablierten ihren bis heute anhaltenden Ruf als Bürgerschreck.


Dass die Berlinerin mit "Personal Jesus" nun ausgerechnet ein blueslastiges Album mit jeder Menge Gospel- und Country-Anteilen aufgenommen hat, birgt eine gewisse Ironie. Denn wenn Hagen lupenreine Country-Klasiker ("All You Facsists Bound To Lose“") singt, erklingt genau jener Sound, dessen Fans in den USA gerade nicht für ihre Fortschrittsgedanken bekannt sind.

Nina Hagens "American Recordings"

Freilich zielt das neue Hagen-Album auf jene Dekaden in der US-Musik-Historie ab, in der Künstlern wie Hank Williams, Woody Guthrie oder dem Bluesmusiker Leadbelly Attribute wie Status oder gar Hautfarbe egal waren und Folk noch von Folklore kam. Allerdings verzichtet "Personal Jesus" weitgehend auf akustische Instrumente und verpackt die alten Gospel- und Work-Songs stattdessen in knackig produzierten Blues-Rock. Neu ist die Idee natürlich nicht und Coverversionen von Depeche Modes "Personal Jesus" hat man eigentlich längst über. Dennoch gelingen Hagen mit den 13 Songs so etwas wie ihre ganz persönlichen "American Recordings".

Auch wenn die dunkle, tiefe Stimme der Punk-Oma vorzüglich in erdige Gospel-Songs wie "Sometimes I Ring Up Heaven" passt, ist die Entscheidung für ein Blues-Album angesichts der kleinen Fangemeinde hierzulande doch recht mutig. Aber Nina Hagen hat sich ja schon immer mehr getraut als die meisten.

[Jörg Römer]

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