Dockville Festival 2010

Disko am Hafen

published: 17.08.2010

Indie-Pop vor Industriekulisse: Das Dockville-Festival überzeugt durch einzigartige Lage und entspannte Stimmung (Foto: Public Address) Indie-Pop vor Industriekulisse: Das Dockville-Festival überzeugt durch einzigartige Lage und entspannte Stimmung (Foto: Public Address)

Drei Tage Regentanz und dann Wolkenbruch in der Disko No.1: Jan Delay sollte der krönende Abschluss des diesjährigen Hamburger Dockville-Festivals werden. Zwar machte das Wetter dem Chefstyler einen Strich durch das Heimspiel, die deutliche Mehrheit der Fans ließ sich durch den Platzregen das Tanzen aber nicht verderben und feierte ausgelassen zum Disko-Funk des Anzugträgers. Zusammen mit Gastmusiker Das Bo setzten die beiden mit dem Klassiker "Türlich Türlich" ein Dockville-Highlight. Dass vor dem Auftritt des Glitzerrappers im türkisfarbenen Zwirn die Ur-Punks von Slime für Party-Pogo und Systemkritik sorgten, mag vielleicht etwas paradox erscheinen, gestört hat es niemand.

Auch die restlichen knapp 90 Künstler und DJs überzeugten bei der vierten Ausgabe des Festivals, das dieses Jahr dank vergrößerter Festivalfläche die knapp 20.000 Musik- und Kunstfreunde besser kanalisieren konnte. Zu den Highlights gehörte dabei neben Jan Delay der Auftritt von Wir sind Helden. Nach langer Babypause stand Frontfrau Judith Holofernes mit den restlichen Helden wieder auf der Bühne und begrüßte die Fans am Eröffnungsabend mit der Feststellung "Ich glaube, ihr habt Bock auf neue Songs". Prompt gab es einen Vorgeschmack auf das neue Album "Bring mich nach Hause", das am 27. August erscheinen wird.

Dockville 2010 (26 Bilder)

Dockville 2010
Dockville 2010
Dockville 2010
Dockville 2010


Schwerpunkt Indie, Highlight Pop

Sonst sorgten vor allem Indie-Acts für Unterhaltung auf den Bühnen: Die Verkleidungskünstler von Bonaparte ließen im Verlauf ihrer durchgeknallten Show immer mehr Hüllen fallen und trieben das Publikum mit ihrem schrägen Elektropunk an. Unterdessen machte Jamie T. mit bestem britischen Akzent keinen Hehl aus seiner Herkunft und begeisterte mit lockerem Indie-Pop von der Insel. Auch schön: die hochgehandelten Newcomer Delphic, die Ex-Hamburger-Schüler Die Sterne, Klaxons und The Drums. Erfreulich war auch das wachsende Interesse an Kunstprojekten. Längst sind Aktionen wie das Schattentheater, das die Fans zu den Klängen eines DJs selbst basteln und gestalten konnten, nicht mehr nur Deko.

Schwerpunkt Indie, Highlights aus Rock und Pop und erkennbarer Hang zu mehr DJs und elektronischer Musik, das war der Kurs der MS Dockville, wie die Macher das Festival nannten, dieses Jahr. Einziger Wermutstropfen: Wie es mit dem Dockville weitergeht ist ungewiss. Ob das einzigartige-Festival-Gelände am Reiherstieg erhalten bleibt, wird sich erst in der Zukunft entscheiden. Die Veranstalter wollen in jedem Fall auch 2012 wieder für drei Tage ein Dockville auf die Beine stellen. Das wäre in jedem Fall wünschenswert, denn mit einer unglaublich entspannten und unhektischen Atmosphäre gehört das Dockville inzwischen sicher zu den angenehmsten Festivals der Republik.

[Jörg Römer/Sonja Kneißl]

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www.dockville.de

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