ElbCommunity

In Jeans und Turnschuhen zum Klassik-Konzert

published: 22.11.2010

Julian Schellong koordiniert die ElbCommunity. Die Gemeinschaft junger Klassik-Fans besichtigte bereits gemeinsam die Baustelle der Elbphilharmonie (Foto: Public Address) Julian Schellong koordiniert die ElbCommunity. Die Gemeinschaft junger Klassik-Fans besichtigte bereits gemeinsam die Baustelle der Elbphilharmonie (Foto: Public Address)

Wer sich für Klassik und zeitgenössische Kunstmusik interessiert, findet oftmals wenig Rückhalt in seinem Freundeskreis. Doch genauso, wie man ein Rockkonzert oder eine Pop-Show meist intensiver genießt, wenn man zu mehreren hingeht, macht auch die so genannte "ernste Musik" mit anderen zusammen mehr Spaß. Der Bielefelder Julian Schellong gehörte lange Zeit zu denen, die eine solche Gemeinschaft Klassik-interessierter junger Menschen vermissen. Der 19-Jährige, der seit September ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei der HamburgMusik gGmbH - Betriebsgesellschaft Laeiszhalle und Elbphilharmonie absolviert, organisiert die ElbCommunity, um diese Lücke zu füllen.

Die ElbCommunity versteht sich als junger Freundeskreis der Elbphilharmonie. Mit "Elbphilharmonie" ist hier aber nicht nur das spektakuläre, noch im Bau befindliche Konzerthaus in der HafenCity gemeint, das 2013 eröffnet werden soll. Dieses ist wegen der explodierenden Kosten, von denen die Bürgerschaft bisher 323,5 Millionen Euro bewilligte, in der Hansestadt äußerst umstritten. Unter dem Titel "Elbphilharmonie Konzerte" finden bereits jetzt in der zweiten Saison Konzerte in der Laeiszhalle und an anderen Spielstätten in Hamburg statt. Die ElbCommunity ist eine Gruppe junger Musik-Fans, die gemeinsam Elbphilharmonie Konzerte in den Bereichen Klassik, Jazz, Welt- und Elektronische Musik besuchen. Jeder, der älter als 16 und jünger als 27 Jahre ist, kann mitmachen. Unikosmos hat mit ElbCommunity-Koordinator Julian gesprochen.

Julian spielt selbst klassisches Klavier, E-Bass und Kontrabass (Foto: Public Address)Julian spielt selbst klassisches Klavier, E-Bass und Kontrabass (Foto: Public Address)

Was hat es für Vorteile, Mitglied der ElbCommunity zu sein?
Julian Schellong: "Die Konzertkarten sind für die Mitglieder in der Regel ermäßigt. Zusätzlich macht die ElbCommunity es möglich, mal hinter die Kulissen zu schauen, wo man als normaler Konzertgast sonst nicht hinkommt, beispielsweise in den Backstage-Bereich der Laeiszhalle. Wir haben auch schon zusammen eine Führung über die Baustelle der Elbphilharmonie gemacht. Bald wollen wir auch Künstler zu Gesprächsrunden einladen."

Wie kann man Mitglied werden?
"Am besten schreibt man mir eine E-Mail an [email protected] und lässt sich in den E-Mail-Verteiler aufnehmen. Auf unserer Homepage findet man weitere Informationen zur ElbCommunity. Man kann auch an der Facebook-Gruppe teilnehmen, da ist man ganz nah an den Informationen. Und dann kommt man einfach zum nächsten Treffen und ist dabei."

Gibt es Image-Schwierigkeiten der ElbCommunity, weil die Elbphilharmonie als Bauprojekt der Stadt Hamburg in der Kritik steht?
"Nein, das habe ich noch nicht erlebt. Da gibt es keine Vorbehalte. Das Thema steht zwar immer im Raum, aber ich glaube, die Leute trennen das vernünftig voneinander. Wir sind einfach eine Gruppe, die klassische Musik erleben will."

Fällt man auf, wenn man als 20-Jähriger zu einem solchen Konzert geht?
"Wir senken schon den Altersdurchschnitt. Aber wenn man mit der ElbCommunity geht, fällt man weniger auf, da dann ja eine ganze Gruppe von Leuten in diesem Alter da ist."

Wenn man ein klassisches Konzert besucht, muss man sich in Schale werfen, denken viele. Ist das so?
"Ich verkleide mich nicht mit einem Anzug für ein Konzert. Ich komme allerdings auch nicht in der Badehose! Ich trage ganz normal Jeans, Pulli und Turnschuhe. Und ich ernte da auch keine bösen Blicke von den Banknachbarn."

Welche Konzerte habt ihr schon besucht?

"Ein Highlight war das Saisonabschlusskonzert mit den Berliner Philharmonikern, das wir beim Gründungstreffen zusammen gesehen haben. Das letzte Konzert in der Laeiszhalle war die Deutsche Kammerphilharmonie aus Bremen unter der Leitung von Paavo Järvi, die einen ganz tollen Beethoven geboten hat, Sinfonie drei und vier. Das nächste Konzert wird am 25. November ein Orgelkonzert von Cameron Carpenter sein. Er ist ein ganz besonderer Musiker, ein junger, exzentrischer Typ, der die lustigsten Sachen auf der Orgel macht."

Was kostet so ein Konzert?
"Das ist unterschiedlich, für ein Sinfonieorchester mit 120 Mitgliedern muss man natürlich etwas mehr einplanen als für ein Kammermusikkonzert. Bei den New Yorker Philharmonikern haben wir zehn Euro gezahlt. Generell sind klassische Konzerte aber nicht so teuer, wie viele glauben. Es gibt verschiedene Ermäßigungen, beispielsweise für Studenten. Popkonzerte sind meistens weitaus kostspieliger."

Kannst du dir vorstellen, Mitglied der ElbCommunity zu werden?

  • Ich bin schon Mitglied.

  • Ich möchte eintreten.

  • Warum nicht? Ich bin für alles offen.

  • Hmm, eher unwahrscheinlich.

  • Nein, das ist absolut nichts für mich.

Wer ist Mitglied der ElbCommunity?
"Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 21, 22 Jahren, aber man kann von 16 bis 27 Jahren mitmachen. Ganz viele Studenten sind dabei und auch Schüler. Einige studieren Kulturwissenschaften, andere etwas ganz anderes wie VWL. Viele machen privat Musik, spielen selber ein Instrument und haben daher Interesse an klassischer Musik."

Muss man Vorkenntnisse mitbringen?
"Nein, überhaupt nicht. Oft ist es so, dass wir uns gemeinsam auf das Konzert vorbereiten und uns vorher zu einer kleinen Einführung treffen. Dann porträtieren wir die Musiker und stellen die Stücke vor, um uns zu informieren. Darum kümmern sich Leute aus der Community selber. Solche Gelegenheiten machen die Gemeinschaft aus."

Inwieweit ist das für Dich persönlich spannend?
"Es reizt mich auch persönlich sehr. Ich finde es toll, Musik zu erleben und ein Programm zu gestalten. Es ist schön, sich gemeinsam mit Leuten, die das gleiche Alter haben, mit Musik zu beschäftigen. Wenn ich die ElbCommunity nicht organisieren würde, würde ich auf jeden Fall auch Mitglied werden."

Hörst Du außer Klassik noch andere Musik?
"Ich muss sagen, dass ich neben meiner Vorliebe für Klassik nicht nur viel Jazz höre, sondern auch ein kleiner Techno-Nerd bin. Die Techno-Szene ist übrigens in Hamburg ebenfalls gut aufgestellt."

Machst Du auch selbst Musik?
"Ich habe in Bielefeld viel Jazz gemacht und E-Bass und Kontrabass in der Band BiBop gespielt. Wir sind viel aufgetreten und haben unter anderem den WDR-Jazzpreis 2010 in der Kategorie Jugendnachwuchs gewonnen. Das hat echt Spaß gemacht. Im Moment spiele ich nur für mich persönlich - leider. Ich habe Lust, mal wieder E-Bass zu spielen. In Hamburg muss ich mir noch ein Ensemble suchen."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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