Mitch Winehouse im Interview

Weihnachten mit Amy

published: 08.12.2010

Der frühere Taxifahrer Mitch Winehouse sprach mit Unikosmos über seine Tochter Amy und seine eigene Musik (Foto: Public Address) Der frühere Taxifahrer Mitch Winehouse sprach mit Unikosmos über seine Tochter Amy und seine eigene Musik (Foto: Public Address)

Er ist der Vater von Soulsängerin Amy Winehouse, die mit Hits wie "Rehab" und "Valerie" weltweit riesige Erfolge feierte. Schlagzeilen machte die Retro-Musikerin jedoch zunehmend auch mit ihrer Alkohol- und Drogensucht, von der sie sich seit einiger Zeit zu erholen scheint. Mitch Winehouse ist nicht nur leidgeprüft, sondern vor allem mit einem wunderbaren Sinn für Humor ausgestattet und seit seiner Jugend musikbegeistert. Der 60-Jährige hat jetzt selbst eine CD aufgenommen – und ist der erste, der zugibt, dass diese Chance sich erst durch den Ruhm seiner Tochter ergab.

Jedoch klingt "Rush Of Love", so der Titel des Longplayers, keinesfalls nach einem Gefälligkeits-Deal. Mitch macht sich gut als Crooner. Das Album mit Swing- und Jazz-Perlen profitiert darüber hinaus von den geschmackvollen Arrangements und der gekonnten Produktion. Im Booklet ließ er private Familienfotos abdrucken, darunter Kinderfotos von Amy. Unikosmos sprach mit dem Londoner über die Musik, sein früheres Leben als Taxifahrer und seine berühmte Tochter.

* Was sagen Sie dazu, dass Ihre CD "Rush Of Love" ein bisschen dem Swing-Album von Robbie Williams ähnelt?
"Also mit Robbie Williams möchte ich ja nicht verglichen werden! Meine Platte ist besser als seine. Er soll besser bei seinen Popsongs bleiben."

* Woran liegt es denn, dass Ihre Stimme so jung klingt?
"Naja, ich gehe jeden Tag ins Fitnessstudio und trainiere zwei Stunden…. (lacht). Nein, da habe ich einfach Glück gehabt. Ich höre oft, dass ich eine junge Stimme habe."

Mitch Winehouse vor einem in Deutschland zugelassenen London-Taxi. Zuhause besitzt er ein klassisch schwarzes Gefährt und auch immer noch die Zulassung als Londoner Taxi-Fahrer (Foto: Public Address)Mitch Winehouse vor einem in Deutschland zugelassenen London-Taxi. Zuhause besitzt er ein klassisch schwarzes Gefährt und auch immer noch die Zulassung als Londoner Taxi-Fahrer (Foto: Public Address)

* Was haben Sie gemacht, bevor Sie die CD aufnahmen?
"Ich war Londoner Taxifahrer und habe eins dieser schwarzen Taxis gefahren. Als ich vor 20 Jahren damit anfing, war es recht schwer und ich arbeitete etwa zehn Stunden am Tag. Im Laufe der Zeit wurde es einfacher und ich konnte kürzer treten. Es ist ein guter Job, weil man dann arbeiten kann, wann man will: tagsüber oder abends, eine lange Schicht oder nur ein paar Stunden. Man ist sehr flexibel."

* Hatten Sie ein eigenes Fahrzeug?
"Ja, mein eigenes Taxi habe ich immer noch. Ich benutze es in London als meinen Wagen. Es gehört mir".

* Wie kam es dazu, dass Sie ein eigenes Album aufgenommen haben?
"Amy und ich haben vor etwa sechs Jahren schon darüber gesprochen. Vor zwei Jahren haben wir die Idee dann vertieft und zusammen um die 40 Titel ausgewählt. Wir wollten keine extrem berühmten Songs wie 'My Way' oder 'Strangers In The Night', sondern weniger bekannte Stücke. Dann haben Amy und ich uns hingesetzt und die Vorauswahl auf sieben reduziert. Dazu kamen dann noch vier neue Lieder."

* Wie sah Ihre musikalische Erfahrung bis dahin aus?
"Meine Erfahrung bestand darin, dass ich mein ganzes Leben diese Musik gehört und gesungen habe. Mein Ohr ist seit meiner Kindheit auf Jazz und Swing eingestellt. Ich bin in den späten 50er Jahren aufgewachsen. Damals gab es immer Musik bei uns im Haus: Mein Vater spielte Mundorgel, mein Onkel Klavier und irgendjemand hatte ein Akkordeon. Wir anderen haben gesungen und getanzt. So haben sich die Leute früher amüsiert."

* Welche Erinnerungen haben Sie an den Tag von Amys Geburt?

"Ich war bei meiner Frau im Krankenhaus und sie sagte: 'Es passiert nichts, geh nach Hause'. Also ging ich nach Haus, aber irgendwie war mir nicht wohl dabei. Also bin ich wieder ins Krankenhaus und fünf Minuten, nachdem ich durch die Tür gekommen war, wurde Amy geboren. Ich hätte es also fast verpasst! Sie war sehr klein, aber sehr süß. Sie sah ihrem Bruder sehr ähnlich."

* Wie waren Amys ersten Gesangsversuche?
"Als sie etwa eineinhalb Jahre alt war, habe ich sie auf ei-nen Tisch gestellt und ihr Lieder vorgesungen, bei denen ich einige Worte ausgelassen habe. Die hat sie dann eingefügt. Sie hat also wirklich gesungen, sobald sie sprechen konnte."

* Haben Sie Amy gecoacht?
"Nein, das habe ich nie getan und schon gar nicht in diesem Alter. Später habe ich ihr lediglich einige Ratschläge gegeben, was das Atmen betrifft. Aber Amy hat nie Gesangsunterricht gehabt. Ihre Manager waren der Meinung, dass Unterricht ihre Stimme verändern könnte, und das wollten sie nicht. Sie wollten ihre natürliche Stimme."

Mit "Rush of Love" hat der 60-Jährige eine Swing- CD aufgenommen (Foto: Public Address)Mit "Rush of Love" hat der 60-Jährige eine Swing- CD aufgenommen (Foto: Public Address)

* Woran liegt es, dass Sie und Amy sich so nahe stehen?
"Ich weiß, dass es so aussieht, als würden nur wir beide uns nahe stehen, aber es ist in Wirklichkeit die ganze Familie. Amy versteht sich gut mit ihrer Mutter, mit meiner jetzigen Frau Jane, ihrem Bruder, ihren Onkeln und Tanten, meinen Onkeln und Tanten. Wir sind insgesamt eine Familie, die sich sehr, sehr nahe steht."

* Welche Rolle spielt das für Amys Gesundheit?
"Ich glaube, die Familie hat eine extrem wichtige Rolle bei ihrer Genesung gespielt. Sie weiß, dass sie eine wunderbare Familie hat, die immer für sie da ist."

* Wie geht es ihr im Moment?
"Es geht ihr sehr gut. Sie ist auf Barbados in der Karibik. Dort macht sie Urlaub, aber gleichzeitig ist sie mit ihrem Produzenten Salaam Remi dort und sie beginnen mit einem neuen Album. Das ist wirklich aufregend."

* Wie werden Sie Weihnachten feiern?
"Da wir eine jüdische Familie sind, ist Weihnachten kein religiöses Fest für uns. Aber Weihnachten ist schon immer wichtig für gewesen, mit Geschenken für die Kinder, als sie noch klein waren. Früher haben wir uns immer bei meiner Mutter getroffen, aber sie ist vor vier Jahren verstorben. Jetzt findet das große Dinner bei meiner Schwester statt. Amy wird mit Sicherheit auch dabei sein."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.mitchwinehouse.co.uk

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