CD-Tipp

Depeche Mode - "Remixes 2: 81-11"

published: 01.06.2011

Depeche Mode haben ihr zweites Remix-Album herausgebracht (Foto: Mute) Depeche Mode haben ihr zweites Remix-Album herausgebracht (Foto: Mute)

30 Jahre Depeche Mode

In schnöden Zahlen ausgedrückt: zwölf Studio-Alben, zwei Live-Alben, zwei Single-Collections, ein Best-Of, 50 reguläre Singles und ein Remix-Album. Letzterem wurde am 3. Juni zum Bandjubiläum ein musikalisches Brüderchen zur Seite gestellt. Unter dem schlichten Titel "Remixes 2: 81-11" steht eine wilde Mischung aus bereits erschienenen und extra für dieses Album geremixten Songs quer durch das musikalische Werk der britischen Synth-Band in den Regalen. Empfehlenswert ist die 3-CD-Version mit insgesamt 37 Songs.




Disc 1:

Der "Suffer Well - M83 Remix" ist zwar nicht neu, verdient aber auf jeden Fall aufgrund seiner Originalität seinen Platz auf der CD. Aus dem trägen "Suffer Well" wird eine groovige Dance-Nummer, die bisher vielen Depeche-Mode-Fans eher unbekannt sein dürfte, wurde sie doch hauptsächlich auf Promo-Material veröffentlicht. Wie bereits bei der ersten Veröffentlichung 2006 kann "John The Revelator - UNKLE Reconstruction" wenig überzeugen: Einem Song einfach eine neue Drum- und Base-Line zu verpassen, macht noch keinen gelungenen Remix. Wohingegen der exklusiv für das neue Album geschaffene "In Chains - Tigerskin's No Sleep Remix" absolut zu überzeugen vermag. Das leicht schnulzige "In Chains" wird einmal ordentlich auseinandergepflückt und interessant neu zusammengestellt. Auch ein paar Soundelemente aus "Master und Servant" fließen ein, was den eher traditionellen Depeche-Mode-Fan freuen wird. Trotz seiner Überlänge von mehr als 7:30 ein Mix, der nicht langweilt.

Depeche Mode - live (23 Bilder)

Depeche Mode - live
Depeche Mode - live
Depeche Mode - live
Depeche Mode - live


Im Gegensatz zu "Slowblow - Darren Price Mix". Der Ursprungssong ist schon eine langweilige B-Seite, der Remix ein langweiliger Remix einer langweiligen B-Seite. Mutig, aber gewöhnungsbedürftig ist der "Peace - SixToes Remix" der den Song auf dem Geplonge eines Streichquartetts neu aufsetzt. Der "Lilian - Chab Vocal Remix Edit" besticht durch seinen komplizierten Namen und ein fast ewig erscheinendes Intro von über 1:30. Dann kommt eigentlich nichts mehr. Der mittlerweile zwölfte Ansatz, "Personal Jesus" zu remixen, ist der "Stargate Mix". Er ist zwar neu, aber die Welt hätte sich auch mit nur den ersten elf Versionen weiter gedreht.




Disc 2:

CD Nummer zwei versammelt leider auch hauptsächlich bereits erschienene Remixe. Lediglich einer ist neu, macht dann elf alte. Wenigstens ist ein bisschen kurioser Kram dabei wie der "Wrong - Trentemøller Club Remix". Er ist ein wunderbares Beispiel für einen Remix, bei dem die neuen mit den alten Elementen gar nicht zusammenpassen. Erst nach über vier Minuten Laufzeit beginnen die musikalischen Ideen von Depeche Mode und Anders Trentemøller zu harmonieren und dann kriegt der Mix richtig Schwung. Eine kleine Rarität kommt mit "The Darkest Star - Monolake Remix" um die Ecke. Der Song erschien, von Promo-Pressungen abgesehen, ausschließlich als 7"-Vinyl auf dem Markt. Für Nicht-Plattenspieler-Besitzer vielleicht eine erste Begegnung. Ansonsten ist auf dieser CD nur noch "Ghost - Le Weekend Remix" als einziger neuer Remix erwähnenswert. Er basiert auf einem der wenigen Depeche-Mode-Songs, die noch nie geremixed wurden. Man hätte es dabei belassen sollen.




Disc 3:

Auf dieser CD geht es dann endlich so los, wie es der verdiente Fan erhofft: 13 Remixe und alle nigelnagelneu. Dazu kommen zwei kleine Sensationen, nämlich Arbeiten der ehemaligen Bandmitglieder Vincent Clarke und Alan Wilder. Eröffnet wird die CD mit dem "Personal Jesus - Alex Metric Remix Edit", der offiziellen Zählung nach die 13. Version des Songs. Irgendwann kann man aus dem Original auch nichts weiter herausholen. Dass man aus Klassikern aber sehr wohl etwas spannendes Neues machen kann, beweist der "Never Let Me Down Again - Eric Prydz Remix". Ein mutiger Mix, der spielerisch mit dem Ausgangsmaterial umgeht, neu collagiert und tierisch tanzbar. Hier sollten sich Depeche Mode definitiv Anregungen für die nächste Live-Version holen. Mit großer Spannung erwartet wurde der "Behind The Wheel - Vince Clarke Remix", zumal der Originalsong ja ein absoluter Live-Klassiker der Marke Mitgröhl-Nummer ist. Aus diesem Song macht Clarke eine der absoluten Perlen des Remix-Albums. Er unterlegt den fast unveränderten Gesang von Dave Gahan mit völlig neuen Melodien, Klängen und Rhythmen. Dabei wird aus der Powernummer ein feinfühliges, fast ernstes Lied. Dies erstaunt bei Clarke doch ein wenig, da er ja sonst als musikalischer Kopf von Erasure gnadenlos dem Pop frönt.

Depeche Mode - Personal Jesus (The Stargate Mix) Depeche Mode Remixes 2: 81-11 Coming June 6th http://www.depechemode.com/ Depeche Mode - Personal Jesus (The Stargate Mix)

Depeche Mode - "Personal Jesus (Stargate Mix)"


Der "Leave In Silence - Claro Intelecto 'The Last Time' Remix" zeigt einmal mehr, dass nicht jeder Song dazu geeignet ist, durch einen Remix erneuert zu werden. Ebenfalls heiß erwartet wurde "In Chains - Alan Wilder Remix". Schließlich war Wilder in seiner 13jährigen Bandzugehörigkeit immer der Mann am Mischpult. Das Ergebnis: ganz schwach. Der Originalsong "In Chains" ist schon eine ruhige Nummer. Dann noch eine Soundline darunter zu legen, die Hintergrundmusik beim autogenen Training sein könnte, bringt die Sache nicht nach vorn. Dass der Song nach über drei Minuten ein bisschen Fahrt aufnimmt, bringt da auch nichts mehr. Die wenigsten werden es schaffen, dort überhaupt anzukommen.

Vom Debütalbum "Speak & Spell" sind gleich zwei Songs bearbeitet worden. Sehr nett und verspielt "Puppets - Röyksopp Remix": Kaum zu glauben, dass ein Mix von 2011 derartig 80er sein kann! Der "Tora! Tora! Tora! - Karlsson And Winnberg (from Miike Snow) Remix" hingegen entzieht dem Original so viel, dass man genauso gut ein paar Soundbrocken von Karel Gotts "Biene Maja" hätte nutzen können. "A Question Of Time" stammt mit seinem Release im Jahr 1986 noch aus einer Zeit, wo weniger geremixed wurde, sondern eher 12"-Versionen gezogen wurden. Mit dem "Joebot Presents 'Radio Face' Remix" sind beide Elemente fantastisch miteinander verbunden. Der Song besitzt absoluten 12"-Charakter, aber hat auch einen frischen, aktuellen Anstrich. Der Mix bringt viele kleine Elemente und Überraschungen, ohne aufgesetzt zu wirken. Noch einmal "Personal Jesus", jetzt im "Sie Medway-Smith Remix", also Remix Nummer 14. Wie verzweifelt muss der Versuch gewesen sein, etwas aus dem Song zu machen, was den Kollegen noch nicht eingefallen war? Erstaunlicherweise hat es geklappt! Das Ergebnis ist eine wohlgefällige Mischung aus Elemten des Originals mit spacigen Klimperlauten, aber auch interessanten Streicherparts.




Kann man nun für "Remixes 2: 81-11" eine Kaufempfehlung geben? Doch, kann man, mal davon abgesehen, dass die Hardcore-Fans sich die Sammlung sowieso zulegen werden. Aber auch für gelegentliche Depeche-Mode-Hörer ist viel Interessantes dabei: ältere Mixe, die man vielleicht nicht kennt und einige sehr gelungene neue Remixe. Für Nostalgiker wird das Album auch als sechs mal 12"-Boxset angeboten - das kommt dann allerdings ein wenig teuer.

[Volker Ruckelshauss]

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Links

www.depechemode.com
www.depmod.com

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