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M.I.A. im Interview

“Nur ein Mädchen mit Mikro?“

published: 26.08.2005

Maya Arulpragasam von M.I.A.  (Foto: Public Address) Maya Arulpragasam von M.I.A. (Foto: Public Address)

Bei einem Besuch auf M.I.A.s Webseite stößt der Besucher als erstes auf eine Grafik, auf der eine Bündel Dynamitstangen abgebildet ist. Neben der explosiven Ladung prangt ein mit einer Pistole und einem Tiger verziertes Feuerzeug, das jederzeit bereit zu sein scheint, die Lunte zu zünden. Zumindest in Mayas Musikkarriere brennt die Lunte seit diesem Sommer lichterloh.

Denn nachdem die kunststudierte Londonerin an einer Dokumentation über HipHop-Göre Peaches arbeitete, war Maya, die ursprünglich aus Sri Lanka stammt, von der Vision ihrer eigenen Musik beseelt. Da nützte es auch nichts, dass sie mit Jude Law bereits einen prominenten Fan ihrer Kunst hatte: Der Schauspiel-Star hatte einen Großteil der Bilder ihrer ersten Kunstausstellung gekauft. Zwei Jahre später entstand „Arular“, eine Mischung aus harten HipHop-Beats, eigenen Raps und vereinzelten Klängen aus ihrer Heimat.

Heimat sowie Krieg sind auch gleich wichtige Themen der sanft wirkenden Britin. Denn „Arular“ ist nicht nur ihrem Vater, einem untergetauchten Freiheitskämpfer in Sri Lanka, gewidmet, den sie lange nicht gesehen hat, sondern auch der Unterdrückung ihres Volkes dort. Bei derart geballter Kraft wundert auch ihr Pseudonym nicht: M.I.A bedeutet soviel wie „Missing In Action“, ein Bezeichnung für im Krieg verschwundene Soldaten.

Mit Unikosmos sprach der Shootingstar am Tag der ersten Terroranschläge in London über Politik, den Rassismus, dem junge Emigranten in London ausgesetzt sind, und darüber, was passiert, wenn Maya Jazz hören muss.

Maya, heute Morgen sind in London mehrere Bomben explodiert. Hast du schon Nachricht von deinen Freunden und Verwandten?
M.I.A: „Ja, alle waren zum Glück so faul, dass sie um diese Zeit noch nicht aus dem Haus waren. Die lagen noch alle im Bett. Faulheit ist manchmal ganz praktisch. Aber das ist schon verrückt. Die Anschläge sollen ja mit dem G8-Gipfel zu tun haben. Das wird jetzt interessant, wie Tony Blair mit der Situation umgehen wird. Das ist der Preis, den er bezahlen musste, weil er George Bush im Irak-Krieg unterstützt hat.“

Haben die Menschen in England jetzt Angst vor weiteren Anschlägen?
„Ja. Aber ich glaube nicht, dass so was auch in Deutschland passieren wird. Die gefährdeten Länder sind die USA und England. Die Unterstützung des (Irak-)Krieges war so unglaublich dumm. Das hat für viel Ärger gesorgt. In England leben viele Menschen aus Asien und Afrika. Dort gibt es Leute aus aller Welt. Die Presse hat Kampagnen gegen die Einwanderer gestartet. Das hat auch mein Bruder zu spüren bekommen. Die Polizei hat ihn gesucht und Fahndungsfotos von ihm in unserem Viertel verteilt. Mein Bruder ist aber aus Sri Lanka und hat mit Terroristen aus Pakistan nichts zu tun. Da habe ich mal wieder gemerkt, wie schwer das für ein Einwanderer-Kind ist, in England aufzuwachsen.“

Hast du mit einem Anschlag in London gerechnet?
„Ja, aber das war zu der Zeit, als das World Trade Center angegriffen wurde.“

Wie ist das Leben in London für dich?
„Selbst als Erwachsene, wo ich Geld verdiene und machen kann, was ich will, ist es hart und fürchterlich. Es ist toll, wenn du reich bist. Wenn du nicht so ein reicher Schnösel bist - Mitglied in exklusiven Klubs - und in deinem Bentley durch die Gegend fährst, dann bist du echt arm dran. Selbst wenn du aus der Mittelklasse stammst und einen geregelten Job hast, führst du immer noch ein Leben wie ein Sklave.“

Offenbar scheint es in England nicht viel zwischen der Arbeiterklasse und der Oberschicht zu geben…
„Nein, da gibt es nicht viel dazwischen. Als ich mit dem College fertig war und meine Freunde gute Jobangebote bekommen haben, habe ich mich irgendwie verändert und eine Anti-Haltung entwickelt. Auf dem College waren auch nicht alle gleich. Wenn deine Eltern Geld haben und du aus einer guten Familie kommst, ist das sehr hilfreich… Da hab ich erkannt, wie gnadenlos die Gesellschaft ist.“

Haben dir Musik und Kunst in dieser Situation nicht geholfen?
„Doch, natürlich. Ich hab mich darauf konzentriert, nachdem ich das bemerkt hatte. Ich war sogar kurz davor, London zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon in vielen anderen Städten in der Welt gewesen und habe überlegt, ob ich nicht nach Berlin oder nach Barcelona ziehen soll. Alles schien mir besser als London.“

Kommen wir zu deinem Album. „Arular“ enthält viele asiatisch-indische Einflüsse. Glaubst du, dass sich die Popmusik weiter mit asiatischer Musik befassen wird?

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